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Bod«r weitet, zunächst unter einen großen Lehnstuhl, dessen Bekleidung Feuer fängt, dann unter da« Sopha, wo er nur einen Augenblick weilt, um seinen Weg sofort unter die übrigen Möbel zu nehmen. Niemand wagt es, die glühend heiße Lokomotive anzufaffen, zwei Personen haben stch daran schon die Finger gehörig verbrannt und auch das Kleid der Schwiegermutter riecht bereits brennlich — Alle« stürzt durcheinander, rathlos, hilflos! In diesem verzweifelten Augenblick faßt ein junger Mädchen den kühnen Entschluß, der wahnsinnigen Lokomotive mit einem Stuhle zu Leibe zu gehen — ein Krach — und das Ungethüm liegt auf der Seite — der Zug steht still und nur eine große Flamme, die aus dem ausgelaufenen Spiritus entstanden ist und ein Loch in den Teppich brennt, zeugt noch von dem kaum überstandenen Schrecken. Als die Feuerrgefahr beseitigt ist, sehen sich die Versammelten nacheinander um. Die Mutter liegt leichenblaß auf einem Lehnstuhl hingestreckt, die Schwiegermutter befindet stch in ähnlicher Lage auf dem Sopha, Vater und Onkel wickeln die Taschentücher um die verbrannten Finger, das junge Mädchen versucht das abgeschlagene Stuhlbein dem Stuhle wieder anzupaffen, da» Dienstmädchen plagt fich ab, das Scheusal von einer Lokomotive auf eine Kohlenschaufel zu bringen und die gräßlichen Spuren de« Eisenbahnunglücks zu beseitigen — Lix ist völlig verschwunden und mit ihm „Männel", der Dachshund. Beide fand man später an der Wasserleitung, Lix an allen Gliedern zitternd und an dessen Seite Männel mit eingezogenem Schweife. Keiner von beiden wollte gutwillig wieder in» Zimmer zurückkehren. Als fich der Schrecken gänzlich gelegt hatte und der strahlende Weih« nachtsbaum wieder in seine Rechte getreten war, hat man allerdings herzlich über da« Eisenbahnunglück gelacht. Wer seinen Kindern und seiner Familie aber eine wirkliche „Ueber- raschung" und „Freude" bereiten will, der gehe hin und kaufe eine so reizende kleine Lokomotive. Er wird fich mit diesem Geschenk lange Zeit in lebhafter Erinnerung seiner Freunde erhatten- ____________
GsineinniltzZges.
Kleine Base für Blume«. Zu Weihnachten macht oft ein drollige« Geschenk, da« geradezu nicht» gekostet hat, mehr Spaß al» ein werthvolle», und so dürfen wir wohl annehmen, daß auch unser Präsent Erfolg haben wird. Die kleine Vase ist ein ganz einfache» Wichstöpfchen, das durch Stoffhülle maskiert und verschönt ist. Der Form des Thon« gefäßchen» angepaßt werden 6 gleich große Theile aus bräun« lichem Filz geschnitten, durch überwendüche Naht vereinigt, am oberen und unteren Rand gezackt und unten mit Boden, oben mit einem, den Topfrand ganz fest umschließenden Filz« streifen versehen. Dieser ist am besten dunkelgrün, ebenfalls ausgezackt und mit feinen Stichen unter den braunen Filz geheftet. Vorn am Töpfchen bringt man eine Applikation von tothen Filzblumen und grünen Filzblättchen an, die man mittelst Zierstiche in hellroth, gelb und ltchtgrün festnäht; seitwärts befestigt man mit schmalem Filzstreif umwickelte Wetallringe-
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Körbchen al- HaarnadeMfserr. Ein Bastkörbchen von 8*/g Zentimeter Höhe und 6‘/2 Zentimeter Durchmesser, «eiche» krau» mit blauem Atlas bekleidet und darauf mit drei weißen, glatten, gestickten Seidentheilen geziert ist, wird mit losem Roßhaar gefüllt und oben über doppeltem, weißem Tüll mit Strickarbeit bekleidet. Letztere ist mit groben Nadeln und doppelter, weißer Eiswolle in hin- und hergehenden Reihen mit Rechtsmaschen zu stricken. Die zierliche Stickerei arbeitet man mit bunten Seiden im Schrägstich.
Aeitte weitze Lebkuchen. 1000 Gramm Zucker «erben mit 16 ganzen Eiern recht schaumig gerührt, dann gibt man dazu 100 Gramm abgeschälte, geschnittene, geröstete !
Redaktion: A. Echeyda.
Mandeln, 100 Gramm Zitronat und Orangeat, da» Gelbs einer Zitrone, etwas Zimmt, Nelken, Zordemonen, Muskat« blüthe, 1 Gläschen Arak, 4 Eierschalen voll Milch und 1000 Gramm Mehl, auf Oblaten gestrichen und getrocknet, bis sie eine leichte Haut haben und bei mittlerer Hitze hellgelb gebacken.
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Linzer Torte. 250 Gramm Mandeln werden mit 80 Gramm Zucker fein gestoßen und sodann in einer Schüssel mit 450 Gramm Butter und 120 Gramm-Zucker zusammen recht schaumig gerührt, sodann vermenge man etwa» Zimmt, Zitronenschale und nach und nach 370 Gramm Mehl dazu, backe dann die Masse in 3 Böden bei mittlerer Hitze. Füllungen sind verschiedene, Rand roth glasiren, oben weiße Arakglasur, die Masse muß an einem kalten Ort gerührt werden.
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Hafelrmtzmakronen 200 Gramm Haselnußkerne, 200 Gramm abgeschälte Mandeln, 400 Gramm Zucker und den Schnee von 6 Eiern, die fein geriebenen Nüsse und Mandeln werden mit dem Zucker, dem steifen Schnee und Zitronengelb vermischt, dann bei guter Hitze gebacken; wenn richtig behandelt, müssen solche außen hart, innen seucht sein.
Literarisches
* Rechtzeitig vor dem Feste, um als practisches Weihnachtsgeschenk zu dienen, ist soeben im Verlage des Verfassers erschienen: M» 6lotit6« HauSbttth für 1896» Demselben ist beigegeben ein WirlhschaftSbuch. Beide Bücher enthalten eine Fülle des für jeden geordneten Haushalt verwertbaren Materials, Haushaltungstabellen, Wäscheverzeichniß nebst Anweisung zur Führung desselben, Vorschriften über Verhaltungsmaßregeln bei Krankheiten, Bereitung von Heilmitteln, Erhaltung der Gesundheit, Ernährung des Menschen, NahrungSmittel- Werthtabellen, Verzeichniß der in den einzelnen Monaten gebräuchlichsten Nahrungsmittel aus dem Thier- und Pflanzenreich, Kennzeichen guter und schlechter Nahrungsmittel, Aufbewahrung und Conserviren der Nahrungsmittel, Jnstandhalten der Kleider, Auskunft über Rechte und Pflichten des Gesindes, Maß- und Gewichtstabellen, Postverkehrsnachrichten u. s. w. Wir stimmen dem Verfasser vollständig bei, wenn er in seinem Vorwort auf die schweren Mißstände und Folgen ungeordneter Haushaltung hinweist und betont, daß z. B. die meisten Hospital- plätze von Leuten besetzt sind, die beffere Tage kannten und nur infolge verkehrter Wirthschaftsführung zurückkamen. Beide Bücher sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen, in Calico-Einband zu Mk. 1,20, in Halbleinenband zu Mk. 1.—.
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Handbuch bet praktischen Zimmergärltrerei. Von Max Hesdörffer. Mit einer Farbentafel, mehreren Vollbildern und über 200 Textabbildungen. Vollständig in etwa 8 Lieferungen ä 76 Pfg. Verlag von Robert Oppenheim (Gustav Schmidt) in Berlin SW. 46. Es giebt wohl kein Haus, in dem man sich nicht mit der Blumenpflege beschäftigt, in den Palästen der Neichen wie in der einfachen bürgerlichen Wohnung, überall bilden die Blumen einen wichtigen Be- standtheil der häuslichen Einrichtung und erfreuen sich der Pflege durch Familienmitglieder. Wie oft aber beginnen die Gewächse zu welken und ihrem Besitzer Sorge zu verursachen trotz aller Pflege und Mühe, die aufgewendet sind. Dann ist guter Rath theuer und wenn überhaupt noch zu helfen, muß der Gärtner einspringen. Und dennoch wäre dem vorzubeugen gewesen, wenn die Pflege in der richtigen Weise gehandhabt worden wäre. Alles, auch das scheinbar Einfachste, will gründlich erlernt sein und so ist es auch mit der Blumenpflege im Hause, der sogenannten Zimmergärtnerei, die zu den verbreitetsten Liebhabereien gehört. Es ist deßhalb mit Freude zu begrüßen, daß der bewährte Fachmann Max Hesdörffer es unternimmt, den Laien ein Buch zu bieten, das in wirklich klarer, verständlicher und practischer Weise dem Blumenfreunde Anleitung zur Ausübung seiner Liebhaberei ertheilt. Die vorliegende erste Lieferung gibt bereits ein Bild von der Zweckmäßigkeit dieses Buches; neu und übersichtlich in der Anordnung des Stoffes, verständlich und reich an praktischen Handgriffen, Winken und Rathschlägen, die durch eine Fülle von vortrefflichen, nach des Verfassers Angaben gezeichneten Abbildungen veranschaulicht werden. Es ist eine Freude, in der Lieferung zu lesen und sich durch die fließende Schilderung des Verfassers und begleitenden Abbildungen belehren zu lassen. Wer noch kein Blumenfreund ist, muß hierdurch geradezu angeregt werden, sich dieser so dankbaren und schönen. Liebhaberei zu widmen. Die Ausstattung ist hervorragend zu nennen und der Preis von 75 Pfg. für die Lieferung ein auffallend billiger. Allen Blumenfreunden sei die Subscription auf dieses nützliche und schöne Hausbuch warm empfohlen, es wird ihnen sicher reichen Nutzen bringen.
— Druck und «erlag der Brühl'fchen UniversiMS-Buch. und Lteindruckerei (Pietsch * Tcheyb«) in Metzen.


