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Übergehen die Kleider, Hände und Gesichter der weinenden Kinder.
Nach einer Nacht der Ermüdung und Schlaflosigkeit ge- langten die Flüchtigen zu einem Strome. Es war unmöglich, ihn mit diesem Kinderschwarm zu überschreiten. Glücklicherweise konnte ein Pferd beschafft werden, und der gefährliche Strom wurde überschritten. Im Augenblicke, als man das Ufer erreichte, ritt eine Truppe Paolisten, die auf die Verfolgung der Bonapartes ausgesandt war, im Galopp vorüber.
Alle versteckten sich in dem Dickicht und hielten den Athem an, Madame Lätitia bemühte sich, die furchtsame Pauline am Weinen zu hindern. Das Pferd, von Lucian gehalten, schien die Gefahr zu errathen und blieb unbeweglich mit gefpitzten Ohren am ganzen Körper schauernd stehen. Endlich sah man von einem Felsen aus Napoleon, der in einer Barke von einem französischen, im Golfe kreuzenden Schiffe abstieß.
Bonaparte beeilte sich, zu landen. Kaum war er mit den Seintgen vereinigt, da lief ein Hirte vorbei und meldete, daß die Paolisten sie entdeckt hätten.
Man hatte gerade Zeit, sich einzuschiffen, so erschienen duch die Korsen am Ufer und begrüßten die Flüchtigen mit einem scharfen Musketenfeuer. Aber sie waren bereits außer Schußweite.
Kaum an Bord angelangt, läuft Bonaparte zu der einzigen Kanone, die sich auf dem Schiffe befindet, ladet, richtet sie und sendet den Paolisten eine furchtbare Decharge zu, daß acht oder zehn Derjenigen, die ihn tödten wollten, auf dem Sande blieben. Die anderen flohen. Die Familie und ihr Oberhaupt waren gerettet.
„Bravo, Bonaparte I" rief Catherine, in die Hände klatschend. „Diese Kanaillen von Corstkanern! Wenn ich mit unseren Leuten dort gewesen wäre. Nicht wahr, Lefebvre?"
„Bonaparte genügte," sagte Lefebvre, „er ist ein großartiger Kanonier!"
„Und ein guter Franzose," fügte Beaurepaire hinzu. „Er wollte sein Vaterland nicht den Feinden ausliefern, das ist gut. Stellt Euch vor, Bonaparte auf einer Insel der Gefangene der Engländers Das wäre lächerlich gewesen, und sein Schicksal wird ganz anders ausfallen. Doctor, ich danke für Ihre Auskünfte. Wenn wir Verdun befreit haben werden, werde ich Bonaparte schreiben und ihm Glück wünschen." m ,
Der Commandant hatte sich erhoben; da er die Ruhe für genügend hielt und nichts Verdächtiges um Verdun zu sein schien, gab er den Befehl, alles für den Ausbruch herzu- richten. In zwei Stunden sollte der Marsch wieder ausgenommen werden, um Verdun vor Nacht zu erreichen.
Während die Männer, nachdem sie die Suppe ^gegessen und die Waffen gereinigt hatten, sich anschickten, in Reih und Glied .zu treten, begab sich der Commandant zu dem bereits bespannten Wagen Catherinen« und bedeutete der Marketenderin, daß er mit ihr zu sprechen hätte, Mit leiser Stimme gab er Catherine, die mit einiger Ueberraschunz zuzuhören schien, seine Instructionen.
Als er geendet hatte, antwortete die Marketenderin einfach: „Ich habe verstanden, Herr Commandant und was soll ich thun, wenn ich Jouy-en-Argonne verlaffen habe und wieder in Verdun bin?"
„Uns erwarten, wenn die Stadt ruhig ist — uns eilig benachrichtigen, wenn der Feind eine Bewegung gemacht hat."
Schön, Herr Commandant, ich werde meine Ctvtlkleider anziehen und hoffe, daß Sie mit mir zusrieden sein werden."
Dann rief sie Lefebvre zu, der sich fragte, was für eine geheime Mission der Commandant wohl seiner Frau anvertrauen könne: „Frantzois, wir sehen uns in Verdun wieder. — Befehl des Commandanten. Gieb auf Henriot acht und daß La Violette — das war der Name des jungen Soldaten, der zur Bedienung der Cantine commandirt war — beim
Abstieg Acht giebt, das Pferd immer im Schritt und immer am Zügel zu halten —"
„Soll geschehen," sagte Lefebvre, „aber Catherine sei vorsichtig; wenn die preußischen Reiter, die in der Gegend streifen, Dich gefangen nehmen."
„Bist Du dumm! Habe ich denn nicht unter meinen Röcken meine zwei Wachthunde," sagte Catherine lustig.
Und ihr Oberkleid in die Höhe hebend, zeigte sie ihrem Manne die beiden Pistolen, die in dem Gürtel, welcher ihr Geld enthielt, steckten.
Mittlerweile hatten sich die Freiwilligen auf ein Zeichen Beaurepaires in Reih und Glied gestellt und schickten sich an, den Marsch fortzusetzen. Catherine eilte tapfer die steilen Abhänge der Schluchten hinab, auf deren Grund das kleine Dorf Jouy-en-Argonne lag.
Sie hatte die ersten Häuser erreicht, als über die Wälder, Wiesen und Felder hinweg die „Marseillaise", das begeisternde Lied der Freiwilligen, die auf Verdun marschieren, zu ihr herüberdrang.
Und das Echo des Thales wiederhallte: „Qa ira! §a ira!“ rhythmisch den kriegerischen Marsch dieser tapfere« Kinder des Vaterlandes begleitend, die singend unter der Fahne der Freiheit dem Siege entgegeneilten.
(Fortsetzung folgt.)
V-viiMehtes.
Zutreffend. Affeffor (nebenbei Sonntagsjäger) zum Angeklagten: „Habe ich Sie denn nicht schon irgendwo getroffen?" — Angeklagter (seine Kehrseite reibend): „Und ob, Eure Gnaden; erst vorigen Sonntag auf der Treibjagd!"
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Eine neue Erfindung. A.: „Wiffen Sie, da hat neulich Jemand ein Hemd erfunden, das keinen Knopf hat." s— B. (mit einem Seitenblick auf seine Frau): „O, liebet I Freund, solche trage ich schon längst!"
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Falsche Scham. Madame: „Minna, was sehe ich, Sie haben mein Ballkleid zum Droschkenkutscher-Ball angezogen ! So eine Unverschämtheit ist mir noch gar nicht vorgekommen. Haben Sie sich denn gar nicht geschämt?" — Köchin: „Na, ob ich mich geschämt hab'! Mein Johann hat gesagt, wenn ich noch einmal in so 'nem unanständigen Aufzug käm', wär'n wir geschiedene Leut'!"
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Anzüglich. Director: „Sie haben wieder einmal unter dem Affen gespielt!" — Schauspieler: „Und dar sageii Sie als — Director!"
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Schnell getröstet. Reisender (der sich eben anschickt, in ein saftiges Beeffsteak einzuhauen und sieht, wie ihm sein Zug vor der Nase davonfährt): „Nee, solches Glück! Jetzt kann ich mein Beeffsteak wenigstens gemüthlich aufessen!"
Neues Wort. Vater: „Nun, was haben Sie m meiner Tochter auszusetzen? Hübsch, jung, fein gebildet, zwanzig Mille Mitgift ..." - Freier: „Das ist es gerade — Re ist mir noch nicht mitgiftig genug!"
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Köchin (mit ihrer Freundin Leni vom Markte heimkehrend): „Du, Leni, heut' hab'n wir ein Ganferl und ein Spanferkel gekauft — da geh'» wir an der Kasern' vorüber!"
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Mißverstanden. Telegraphenbeamter: „Für jeder Wort müssen Sie 5 Pfg. zahlen." — Bauer: „Da wär ich ein rechter Narr, da möchtens mit mir noch a halbe Stund schwätze."
Redaction: A. Sch eh da. — Druck und Verlag der Brühl'schm Universitats-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Sch eh da) in Gießen.


