Ausgabe 
21.2.1895
 
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G-inernnÄtziges.

Hebet den Werth des Hühner- und Tauben- düngers. Derselbe ist, wie derPract- Wegw." schreibt, fast gleich de j des Guano, nur darf man den werthvollsten Bestandtheil, den Stickstoff, nicht an der Luft verdunsten lassen, sondern muß ihn durch Einstreuen von Gypsmehl, trockner Erde, Torfmull binden. Der Dung von 20 Hühnern reicht hin, einem großen Garten eine volle Düngung zu geben. Wie der Hühnermist aber jetzt von den meisten Landwirthen behandelt wird, hat er nur einen geringen Werth. Es ist also im Jnterefle der Landwirthschast dringend zu wünschen, daß die Kraft (Stickstoff) int Hühner« und Taubendünger durch regelmäßiges Einstreuen von Gypsmehl oder trockener Erde conservirt und somit ein kleines Kapital an Düngerkcaft gespart wird.

Eine «sue ArtLamperreylinder. Lampencylinder von Messtng, mit 3 Glimm ersüllungen rund um die Flamme versehen, werden zur Zeit als Neuheit von englischen Lampen­fabriken hergestellt. Die Glimmerfüllungen laffen da» Licht durch. Auch sonst ist die ganze Lampe etwas verändert. Bei Hängelampen kann nämlich der Bchälter mit aufgesetztem Brenner von unten heruntergezogen werden, um entweder Oel nachzusüllen, oder die Dochte zu putzen; während der Zeit bleiben der Messingcylinder, Glocke u. s. w. oben hängen. Es gehen nämlich von dem Cylinder Arme aus, die dis Glocken mit Reifen u- s. w., kurz den oberen Theil der Lamps tragen.

Wasierdichtrrrachen von Leder. Nach dem fran­zösischen Techniker Prideaux kann Leder vorzüglich wafferdicht gemacht werden, wenn man es mit einer Lösung aus 3 Theilen Kautschuk in 50 Theilen Terpentinöl bestreicht. Diese Lösung wird acht Tage hindurch täglich auf das Leder aufgetragen, bis dieses vollständig gesättigt ist und nichts mehr von der Lösung einsaugt Die Herstellung einer Kautschuk­lösung ist nun allerdings nicht so leicht, denn sie erfordert eine starke Erwärmung des Terpentinöls, wobei zu berück- sichtigen ist, daß die Dämpfe dieses Oeles, wenn man mit einer Flamme in Berührung kommt, leicht Feuer fangen. Außerdem muß der Kautschuk in sehr feine Streifchen ge­schnitten werden. Dies geschieht am besten mittels eines scharfen MefferS, das man nach jedem Schnitt in kaltes Wasser taucht. Kautschuk muß außerdem so trocken als möglich sein, d. h. er darf keine wäfferige Feuchtigkeit ent­halten. Man legt die Schnitte daher ausgebreitet an einen mäßig warmen Oct und läßt sie daselbst unter öfterm Um­wenden liegen. Mit einer derartigen gut zuberetteten Kautschuk­lösung in Terpentinöl laffen sich übrigens auch anders Stoffe imprägniren und wafferdicht machen. Anstatt de« Terpen­tinöls kann auch das leichte Kampheröl als vorzügliches Lösungsmittel empfohlen werden.

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Haltbare Kitte für verschiedene Gegenstände. Da man fast immer die Erfahrung macht, daß Kitte, welche für gewisse Gegenstände sehr gut anwendbar sind, für andere Materalien gar nicht gebraucht werden können, so sei erwähnt, daß zum Kitten poltrter Knochengegenstände, Elfenbein, Fischbein, Perlmutter u. s. w. sich nachstehender Leimkitt ganz besonders wegen seines Glanzes eignet, den er dem Gegenstände verleiht. Man quellt gewöhnlichen Tischlerleim in heißem Waffer auf, erwärmt diese Gallerte, setzt derselben so viel Pulver gelöschten Kalk zu, als nothwendig ist, um die erforderliche Consistenz zu erhalten. Man erwärmt den zu kittenden Gegenstand, reinigt die Bruchflächen recht sorgfältig, streicht nun den Kitt zwischen die Fugen und legt um den Gegenstand herum recht fest ein starkes Band. Nach Verlaus einiger Tage muß '

Redaction: A. Schcyda. Druck und Verlag der B

alles völlig erhärtet sei«. Gewöhnlicher Tischlerleim, «wärmt und mit fein pulveristrter Kreide angerührt, erweist sich al» ein ganz vorzüglicher Kitt für Metall, auf Holz. Zur Be­festigung von Leder auf Metall wird das Metall mit einer beißen Leimauflösung bestrichen und da» Leder mit einem h-ißen Auszuge von Galläpfeln bestrichen. Beides läßt man ruhig trocknen. Die Haltbarkeit ist ausgezeichnet.

Hecht mit Eiersauce. -Den in Salzwaffer mit den üblichen Gewürzen abgekochten Hecht stellt man warm und richtet ihn mit folgender Sauce an. In 70 Gramm Butter schwitzt man 30 Gramm Mehl hellgelb, fügt Vr Liter kräftige Auflösung von Liebigs Fleischextract bet und läßt Alles auf­kochen, worauf man etwas Citronenfaft, einige gedünstete Champignons sowie etwas Krebsbutter beifügt und die Sauce mit ü Eigelb abzteht.

Literarisches

Die Kritik, Wochenschau des öffentlichen Lebens. Herausgegeben von Karl Schoeidt. Verlag von Hugo Storni, Berlin -W. Gle> ditschstraße 35. Erscheint wöchentlich. Preis vierteljährlich 5 M. Einzelne Hefte 50 Pfg. Das vorliegende Heft 19 vom 9. Februar hat wieder einen außerordentlich vielseitigen und hochactuellen Inhalt auf« zuweisen, wie denn überhaupt das Unternehmen aus dem gährenden Drange der Zeit herausgeboren zu sein scheint. Wichtige Berufsfragen,. sowie Fragen von höchstem politischen und patriotischen Interesse werden von verschiedenen Gesichtspunkten aus in anregender Weise beleuchtet. Das Heft enthält folgende Beiträge: Luginsland. Fritz Friedman auf dem Pegasus. Guido Löwy im Netz. Das lasterhafte Berlin. Tugendhafte Damen. Der Synodalen Schmerzensschrei. Die Kasernirung der Prostitution. Das Geschenk des Kaisers. Be­gnadigungen. Keine Amnestie? Von Karl Schneidt. Unfallstationen, Merzte und Anderes. Pon Dr. M. Maschke. Zur Reform bei Jrrenwesens. Schwindelpleiten. Von Mercurius. Moderne Ketzer- riecherei. Von Karl Neumann. Lehrer oder Erzieher? Von Max Wundkle. Musik-Ketzereien. Von Hans von Basedow. Die deutsche Ostgrenze. Der Weg zum Glück. Von A. Herse. Eine Mahnung an die Berufsgenossenschaften. Vom Büchertisch u. s. w.

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Scheckiges Mädchen. Es hat schon zahlreiche, körperlich sehr sonderbar gebildete Menschen gegeben, Frauen mit langen Bärten, Männer und Frauen, deren Körper durchwegs stark behaart sind, Menschen mit affenartig gebildeten Gliedmaßen oder mit eigenthümlicher Hau!« färbung u. s. w. Das scheckige Mädchen aber, welches wir im neuesten (16.) Hefte der beliebten Familienzeitschrift »Für Ave (Berlin W., Deutsches Verlagshaus Bong & Co, Preis bei Vierzehntagheftei 40 Pf.) abgebildet und beschrieben finden, vereinigt nicht allein alle die Sonderbarkeiten, die man an jenen Naturphänomenen beobachtet hat, sondern es besitzt auch eine große Reihe anderer Eigenschaften, die ihm als Naturphänomen eine Ausnahmestellung geben und es dem Anthropologen und Mediciner äußerst intereffant machen. Das scheckige Mädchen erregt zunächst das Interesse in hervorragendem Maße durch den Umstand, daß es nicht von einem wilden Naturvolke und auch nicht von einer farbigen Rasse abstammt wie die meisten menschlichen Naturcuriosa, sondern von europäischer Herkunft ist. Marietta Schöbl ist das Kind normaler deutsch-österreichischer Eltern, die in einer kleinen Ortschaft in Böhmen ihren Wohnsitz haben. Sie hatte noch neun Ge­schwister, von denen vier gestorben sind. Alle Kinder, mit einziger Ausnahme Mariettas, erfreuten sich eines ganz normalen Aussehens und hatten körperlich nicht die geringsten Merkmale. Nur Marietta kam schon mit Merkmalen auf die Welt, die darauf schließen ließen, daß die äußere, körperliche Entwickelung und das Aussehen der Haut ganz ander! sein werde, als bei allen andern Menschen. Geboren am I. Februar 1891, ist sie gegenwärtig vier Jahre alt. Ihr Körper ist im Allgemeinen proportionirt, ihre geistigen Fähigkeiten sind ganz dem Alter entsprechend sehr gnt entwickelt. Die Farbe der Haut aber ist zum Theil weiß und rosig, zum Theil schwarz, braun, hellbraun und ins Graue spielend. Das Gesicht scheint eine Theilung zu bilden, in der die eine weiß.rosige Hälfte vollkommen den europäischen, die andere den schwarzen Typus darstellt. Die nach einer photographischen Aufnahme wiedergegebene Abbildung zeigt deutlich, welches Spiel sich hier die Natur mit dem Mädchen erlaubt hat. Natürlich ist der Beitrag nur einer von denen, die das Interesse des Lesers fesseln. Die weiteren Artikel des Heftes, die großen, vorzüglichen RomaneDas Jungfernstift" von W. Berger, Eine Todsünde" von H. Conway re., die prachtvollen farbigen und schwarzen Kunstblätter Alles ist dazu angethan, die Zeitschrift zu schmücken und den Leser derselben unwiderstehlich anzuziehen.

ühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) i»