Ausgabe 
20.6.1895
 
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wie

Wissenschaften an den Tag.

(Fortsetzung folgt.)

sein

der

gehen. Ihre Gedanken weilten anderswo, und Buch Wild interesfirten sie bloß als Vorwand.

RenLe war damals siebzehn, Marcel trat in zwanzigstes Jahr-

Als Sohn eines wohlhabenden Bauern und Neffe

Pfarrers hatte Marcel etwas Latein gelernt und man hatte gedacht, daß er Priester werden würde; aber die Kirche lockte ihn nicht. Er liebte die Reize der Natur, die Wälder, die Wiesen, die Blumen, bemühte sich, das Geheimniß der Lebens zu studiren und hoffte es zu ergründen, kurz, er legte von früher Jugend an lebhafte Neigung für die Natur»

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Schlingbäumen, Farrenkraut und Epheu befand, die sich zu einem grünen Dickicht verbanden und verschlangen- Richt bloß die Frische dieses schönen Verstecks, nicht nur dar Rieseln des Wassers über die Kiesel, nicht nut die tiefe Stille im Schatten zogen sie an.

Das ruhige Ufer des Baches schien auch für Marcel, den Sohn des Müllers, eine gleiche Anziehungskraft zu haben. So oft al» nur möglich trafen die beiden jungen Leute dort zusammen. Kaum sah der junge Mann Reuse auf die Jagd gehen, so kam « ihr, ein Buch in der Hand, langsamen Schrittes entgegen.

Er stellte sich lesend, sowie sie vorgab, auf die Jagd zu

Das Kind wurde im Geheimen erzogen und sah nur aus der Ferne, auf zufälligen Spaziergängen, seinen Vater und noch seltener die Marquise von Lougvign«, seine Mutter, die sich, da stets Zeugen, Knechte oder neugierige Bauern in Gehörweite waren, beide größerer Beweise von Interesse ent» hielten. Sie kannte daher ihre Geburt nicht und hielt sich für die Tochter Brisses und seiner würdigen, aber wenig aristokratische« Gefährtin.

IMer der Graf noch die MSrquise, die Eine eine große Dame der Nachbarschaft, der Andere der Herr des Gute«, auf dem Brisse als Wächter diente, ließen sie durch ihre seltenen Besuche da« natürliche Band vermuthen, das sie mit ihnen verband.

Dank der Freigebigkeit des Grafen erhielt Rense eine gute Erziehung und wuchs in der Unabhängigkeit eines Mädchen» aus gutem Haufe auf- Sie hatte reiten gelernt und galoppirte ohne Furcht und ohne Zagen auf einer kleinen Stute, die au» den Ställen de» Schlosse» stammte, allein über Wiese» und Felder. Vater Brisse nahm sie auf seinen Waldgängen mit und aus einer Forstkennerin entwickelte sich das kleine Mädchen plötzlich zu einer Jägerin.

Eine» Tages, während Briesse nach seiner im Walde eingenommenen Mahlzeit gleich einem Hirten Virgil« im Schatten einer Buche schlummerte, hatte sie ihm leise seine Flinte weggenommen und war mit geräuschlosen Schritten, da« Krachen de« trockenen Holzes und da» Knistern der dürren Blätter unter ihren Füßen möglichst vermeidend, davon­geschlichen.

Auf einer Lichtung angelangt, wo der Jagdhund, der sich, weil er die Flinte nehmen sah, ohne sich zu kümmern, wer sie trug, auf die Fährte gemacht hätte, einen Fasan auftrieb, legte Rense aufgeregt da» Gewehr an, zielte und schoß ... Mit schweren Flügelschlägen fiel der Vogel herab.

Rense blieb einen Augenblick verblüfft stehen: wie von der Detonation betäubt, sah sie mit Ueberraschuug und nicht ohne eine Regung von Stolz, mit dem Blick eine» Sieger», wie dar Wild um sich schlug und plötzlich lang ausgestreckt, mit gesträubten Federn und offenem Schnabel unbeweglich in dem feuchten Grase liegen blieb.

Der Hund war auf die Beute losgestürzt und apportirte sie mit freudigen Sprüngen.

Renöe belohnte das Thier mit einer Liebkosung, nahm ihm den Fang ab und dann verbarg sie das Wild wie ein Geiziger seinen Schatz in die Tasche des Männerrockes, den sie bei ihren Waldgängen anzulegen pflegte, und kehrte zu dem durch den Schuß erschreckt aufwächenden Brisse zurück. Er suchte seine Flinte, und da er sie nicht an seiner Seite sah, glaubte er, sie sei ihm von Wilddieben gchaubt worden.

Anfangs schalt er Renöe, dann aber ward er milder, al» er sah, daß die junge Jägerin nicht mit leeren Händen zurückkam. Er ärgerte sich über seine Entwaffnung während des Schlafes, aber er war auch stolz über den guten Gebrauch, den feine Schülerin von der entliehenen Waffe gemacht hatte. Seither begleitete ste ihn, so oft Zeit und Wetter e« er» laubten, auf seinen Rundgängen und schoß gelegentlich einen Hasen oder ein Reh.

Auf diese Weise gewöhnte sich Reuse an lange Märsche, Mühsal, Pulver und Waffen.

Auf diesen Gängen entfernte sie sich ost, die Flinte unterm Arm, vom Vater Brisse, der damit beschäftigt war, schlaue Wilddiebe zu überwachen, die auf den Fährten und Pfaden des Wildes Fallen und Netze anbrachten. An solchen Tagen konnten Hasen, Fasane und Rebhühner ruhig streifen, auffliegen oder locken, Renö griff nicht nach ihrer Flinte und achtete nicht auf die Bewegungen ihres Hundes. Sie schritt über die Ebene der Richtung der Mühle zu, wo sich neben dem geschwätzigen Bache, der sie nährte, hinter einem Vor­hang von Pappeln eine Art Höhle aus wilden Pflanzen,

Gemeinnütziges.

Kartoffel« nach Lyoner Art. Die in Salzwaff» abgekochten Kartoffeln schneidet man in Scheiben, bringt f« in eine Kasserole und schüttet ein dünnes Zwiebelpurse darüber. Dann schneidet man einige Zwiebeln in Scheiben, dünstet ste in Butter, fügt ein wenig Mehl, Salz, Pfeffer und etwas Weinessig hinzu, rührt Alle» durcheinander und läßt es aus stillem Feuer kochen. Im Momente de» Anrichten» gießt man etwa» kräftige Auflösung von Liebig« Fleischextract Bei, rW diese Sauce unter die Kartoffeln und servirt sie.

Kitt für Marmor erhält man durch Zusammenreiben von einem Theil feinen Glaspulvers und zwei Theilen pul» verisirtern Flußspath mit soviel Wafferglaslösung, daß die nöthige Consistenz erreicht wird. Wasserglas mit hydrau» lichem Kalk zu einem dicken Brei angerührt, gibt einen treff» lichen Kitt zum Ausstreichen von Riffen oder Bruchfugen in Marmorplatten rc.

Literarisches

Für junge Damen. ES bildet die stete Sorge jeder Muttes ihre Tochter modern und doch einfach und practifch zu kleiden. Bei der gegenwärtigen, extremen Mode ist eine Vereinfachung derselben filr junge Mädchen sogar eine Nothwendigkeit. Die »Wien«« 8»O6<* hat daher ihr eben erschienenes Heft Nr. 17 fast ausschließlich den jungen Damen gewidmet. Ueber 20 fesche und praktische Mädchen­toiletten und viele andere brauchbare Garderobestücke zieren dieses Heft, dem dieWiener Kinder-Mode" und ein Schnittmusterbogen gratis beiliegen. DieWiener Mode" liefert ihren Abonnentinnen nicht nur Schnitte nach Maß gratis, sie veröffentlicht auch eineSchule bti Schnittzeichnens" nach ihrem bewährten System und ist daher in An­betracht der Fülle des Gebotenen die billigste Modezeitung der Welt.

Der Insel Formosa, dem Siegespreise der Japaner, wird im neuesten Heft der beliebten Familienzeitschrift ,3«« ©utetl CitinM (Berlin W., Deutsches Verlagshaus Bong & Co., Preis des Bierzehn- tagheftcs 40 Pfg.) ein hochinteressanter Artikel gewidmet. Formosa ist von allen Inseln die am wenigsten bekannte, selbst unsere geographischen Reisewcrke geben über sie nur ungenaue Auskunft, so daß der Artikel inZur Guten Stunde" um so willkommener ist. Dasselbe Heft der Zeitschrift enthält noch eine Reihe weiter anziehender Artikel, soW>e ein Schiff entsteht" (reich illustrirt),Ein Wort über den StoiclSmu» , Ehrengeschenke für den Fürsten Bismarck" rc. Dazu die beim spannenden RomaneEcce ego Erst komme ich!" von Ernst vo Wolzogeu,Der Fremde" von Robert Kohlrausch; die reizende Humores Eine eifersüchtige Frau" von E. Otten und die Gratisbeilageju ftrirte Klassikerbibliothek" mit Chamissos Gedichten. Der farbige u schwarze Jllustrationsschmuck ist reich und meisterlich.