Ausgabe 
20.4.1895
 
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hatte, ballte Fürstin Melanie zornig die Faust.Er will sich doch wohl den Stetten» wieder nähern, sich versöhnen, um dann sein Geld der Kleinen zu hinterlassen- Aber da muß ich dagegen intriguiren mit allen Mitteln. Halt, ich lasse den Vetter Gregor Porscu kommen, der kann die schöne Nora heirathen, denn ihr Vater ist ja auch reich und Neffe Gregor braucht viel Geld. Ja, ja, der Gedanke ist gut; ich will ihm schreiben und zugleich 500 Mark Reisegeld senden, damit er ohne Verzug hierher kommt. Ich weiß doch ganz genau, daß Therese von Wildenstein damals den schönen Sänger heirathete, trotzdem Niemand je ein Wort davon erwähnte. Warten Sie mir, Graf Rudolf, ich spiele von nun an ein doppeltes Spiel!"

Schweigend schritten inzwischen Wildenstein und das junge Mädchen die breiten teppichbrlegten Treppen hinab, unten an der Hausthür blieb er stehen und sagte bewegt: Gnädiges Fräulein, Sie werden es einem älteren Manne nicht übel nehmen, wenn er Ihnen schlicht und ehrlich die Hand zum Danke reicht für den wundervollen Genuß, den Sie ihm gestern Abend bereitet. Diese poetische Jungfrau wird mir nie aus dem Gedächtniß schwinden."

Sie wurde glühend roth und legte befangen die kleine Hand in die seine, ihr entgegengestreckte.Herr Graf, Sie machen mich sehr glücklich durch Ihre Worte, denn e» ist des Künstlers größte Gsnugthuung und sein edelster Stolz, ver­standen zu werden."

Eine Weile hielt er traumverloren die schlanken Finger und blickte in die schönen, dunklen Augen, die sie zu ihm aufschlug.Sie haben Ihres Vaters Augen geerbt," sagte er dann gepreßt,Ihre Mutter hatte dunkelblaue Sterne."

So haben Sie Mama gekannt, Graf Wildenstein?" rief Nora überrascht.Weshalb sagten Sie das nicht eher? Nun sind Sie mir erst doppelt lieb und bekannt als ein alter Freund der lieben Tobten."

Ich kannte sie sehr gut - und ich liebte sie immer bis auf den heutigen Tag," stöhnte Rudolf, die Hand vor die Augen legend,aber still davon, Fräulein Norv. Wenn wir uns wiedersehen, sollen Sie mir von ihr erzäRen. Für heute - leben Sie wohl und - und bleiben Sie mir freundlich gesinnt."

Ehe sie es ahnen oder hindern konnte, hatte er ihre Hand geküßt, dann öffnete er hastig die Thür und ließ das erschrockene Mädchen an sich vorüber schlüpfen. Ein Herr stand wartend am Wege und als er sich umwandte, rief Nora, sichtbar erleichtert und erfreut:Onkel Hohenthal! Wie schön und lieb von Dir, daß Du mich abholst."

Ich wußte, daß Du bet Deiner rumänischen Verehrerin seist und erwartete Dich hier," lächelte der Baron, dann aber wandte er sich zu Wildenstein:Rudolf, bist Du es denn wirtlich t

Gewiß, Hohenthal," entgegnete dieser hastig,ich - ich traf das Fräulein oben bei der Fürstin"

Es klang fast wie eine Entschuldigung, und Nora, welche nun wieder alle Unbefangenheit zurückerlangt, lachte heiter: Nun habe ich Deinen Freund, Graf Wildenstein, auch kennen Ä S 4"V* *°" $lr "«« - °b-- . "Nun aber komm' nach Hause, Kind," mahnte der Baron, %nA ULrhrlu'?4er^a-eirtiU9^ett' und bot ihr den Arm, Mpa wird mit dem Esten warten."

Auf Wiedersehen, Eduard," sagte Wildenstein des Freundes Absicht verstehend,ich empfehle mich, mein gnädiges Fräulein, und hoffe, Sie beim Bazar der Fürstin "wieder-

Leben Sie wohl, Herr Graf," antwortete Nora und eiaeu?» e.r,ttfie8 Antlitz sah, welche« mit einem so

Nurdruck ihr zugewandt war, da streckte sie ihm in sehe^Herr^ Grast""" f(eitte 6attb "Auf Wieder- n. des erstaunten Blickes des Barons küßte Wilden- sich tief und ^gingE" 8fPpeM ^orae Ha"d, dann verneigte er

Hohenthal hatte gestutzt, sein Herz schlug höher. War war das? Dieser Handkuß konnte doch nicht der Nichte gelten, dazu war er zu ehrerbietig und feurig gewesen und der Blick, welcher auf Nora geruht, erschien ihm ebenso räthsel- haft. Sollte die Nemesis für Rudolf beginnen, indem sie sein Herz erweckte? Sollte auch er mit dem Fleck auf dem Wappen­schilds kämpfen müffen; aber nein, es war ja unmöglich, wie kam ihm der tolle Gedanke.

Onkel," begann Nora, als sie eine Weile nachdenklich neben ihm hergegangen,wußtest Du, daß Graf Wildenstein Mama kannte?"

Ja," entgegnete er gepreßt,ich erinnere mich wohl. Aber es ist lange her und Wildenstein ein adelsstolzer Character."

Er sieht so schwermüthig aus."

Die Einsamkeit lastet auf ihm, Kind; es ist gar nicht leicht, ein alter Junggeselle zu werden, ich habe es gelernt, er nicht."

Aber er ist doch nicht alt? Er hat nur wenig graue Haare."

Ich bin freilich zehn Jahre älter, doch im Herzen viel­leicht jünger, als Rudolf Wtldenstein."

Onkel Eduard, ich habe schon oft darüber nachgedacht, weshalb Du nicht heirathetest."

Weil sie, die ich geliebt einen Anderen wählte und ich doch ihr Bild nicht au« meiner Seele bannen konnte. Sieh', Kind, wenn die rechte Liebe in das Menschenherz ein­zieht, dann hat es Gott gesegnet, daß er nur dies eine Mal so empfinden, so schluchzen und klagen kann. Und geht dann auch wirklich die Sonne unter, so wird das Herz nie wieder ganz einsam und ganz öde, denn es hat wenigsten» einen Strahl des Höchsten, Köstlichen genossen, was es im Himmel und auf Erden gibt. Und ich gehöre zu jenen Glücklichen, die von Herzen geliebt haben."

Armer Onkel! Aber ist er denn möglich, daß eine Frau Dich um eines Anderen willen verschmähen konnte? O, ich möchte ihr zürnen, Dein treues Herz verschmäht zu haben!"

Still, Nora, rühre nicht an alten Wunden es war Deine Mutter, die ich so unsäglich liebte."

Ein Laut der Ueberraschung, de« Mitleides entrang sich den Lippen des Mädchens, dann aber schmiegte sie sich noch zärtlicher an den starken Mann an und flüsterte:Mein armer Onkel! Und doch bist Du ein so treuer Freund für beide Eltern geblieben?"

Ja, meine Nora! Ich liebte sie eben mehr als mein eigen Glück deshalb gab ich sie frei. Doch wozu diese Geschichten! Ich meine nur, wenn Rudolf Wildenstein solche Erinnerung wie ich im Herzen trüge, dann könnte er nicht unglücklich und einsam sein. Aber hier bist Du ja zu Hause, Kind, grüße den Papa und auf Wiedersehen heute Abend."

Schr nachdenklich und bewegt stieg da« schöne Mädchen die Treppe hinan; sie hatte einen tiefen Blick in ein edle« Männerherz gethan und dar nicht allein auch der ernste, schwermüthige Graf, sein Handkuß und seine warmen Worte gaben ihr zu überlegen.Rudolf heißt er," murmelte sie vor sich hin,ein schöner, feudaler Name, stolz wie Derjenige, welcher ihn trägt."

Nun, mein Liebling, Du kommst spät," lächelte zur Stetten, al« seine Tochter eintrat und ihm zärtlich die Stirn zum Kusse bot,wo warst Du wohl heute Vormittag?"

Bei der Fürstin Porscu, Papa," berichtete Nora, da« kleine Sammetmützchen von den blonden Flechten nehmend, und dann traf ich Onkel Hohenthal, der mich bi« hierher brachte."

Der gute Baron! Er ist rührend für Dich besorgt, fast als sei er Dein zweiter Vater; mitunter könnte ich beinahe eifersüchtig sein."

Die Fürstin hat mich zur Mitwirkung bei einem Bazar aufgefordert," erzählte das junge Mädchen weiter,ich soll irgend etwas verkaufen und sehr viel Geld einnehmen. Aber weißt Du, Papa, daß mir diese rumänische Durchlaucht eigent­lich gar nicht gefällt?"