- 688
„Er komm! iretwiutg wieuet
f aff al Da steht er ja am offenen Eoupeefenster und winkt mit der Hand - alle Wetter, wie vergnügt er aurfieht!
■
CtfiaUn@r kommt freiwillig wieder zurück, — dieser Tausend«
Sie ja, - machen Sie er kurz! Machen Sie er gnädig! Gleich die zweite Station ist Altstädt. Wir haben gar nicht viel Zeit. Und wenn Sie mich wollen als armen Referendar, der Storkow entsagungsvoll einem seiner anderen Vettern überläßt — wir können ja warten, bi» ich einmal Amtsrichter oder Rechtsanwalt bin und bis dahin hilft uns Onkel Elimar schon - Fräulein Sude 1 Ich habe Ihnen schon einmal eine völlig confuse Liebeserklärung gemacht, - wie oft soll ich sie Ihnen denn noch machen? Daß man sich so rasch verlieben könnte und daß die« den ganzen Menschen dann so um und um wenden könnte, hab ich ja nicht geahnt. Aber daß wir Zwei zusammenkommen sollten, das stand doch nun wahrhaftig in den Sternen geschrieben. Und also — nicht wahr? Es Öe$t?ißenn Sie meinen, daß er geht- aber Ein, muß ich erst noch beschwören: Ich habe wirklich nicht gewußt, weshalb mein Onkel mich kommen ließ 1" —
„Und ich bin wirklich kein Gänschen vom Lande," er. gänzte er mit glückseligem Lachen, „beschwör das> doch auch, Lucie l Gott im Himmel, wie ich Dich liebe, Mädchen! Und er drückte sie an sich-
Weiter und weiter rollte der Zug. — —
Auf dem Bahnhof von Altstädt standen, den Zug erwar. tend, zwei alte Herren in leise geführtem trüben Gespräch bei einander, wiegten die Köpfe und murmelten hm und wieder: „Schade, schade!" *
„Und sie muß ein auffallend hübsches Mädchen sein, sagte Pastor Riemer. „Wie sie sich nun wohl bei mir lang, weilen wird, lieber Herr Helmstädt!" _ ,
Der Zug lief ein- Da stieß der Gutsherr von Storkow plötzlich einen Freudenschrei au».
„War ist denn, alter Freund? fragte der Pastor
Ma? Mt? denn? Wa» soll denn da, heißen? Au«.
^er Onkel,'" es war doch natürlich, daß ich meine Braut von Woldenberg abholen mußte."
ZEhu'zch hat' dir Ehre, »eDjrhIemU - 3M« M S«t Wr, - tn »«ne: «a>
,uHeltaH wbetl aUen 5,trtn sich Iprachl», ««.
4a Onkel, Ehen «erden immer nur im Himmel geschlossen Merke Dir'«! Und zur Strafe dafür, daß Du e« vergaßest, mußt Du nun sofort diesem kSnigltchpreubtschen Eifenbahnbeamten hier eine namhafte Summe bezahlen,^ um mich auszulösen. Und dann kannst Du mir gratultren.
„Ja — zu meinem Onkel, dem Pastor Riemer dort!" Ein zischender Dampfgesprühe in der Loeomotive, ein knarrende« Rucken der eisernen Räder. ,, ,
„Nicht öffnen," schreit der Schaffner, der wüthend herbei, läuft. „Was fällt Ihnen denn ein? Sind Sie nicht bei Sinnen? Wir fahren ja schon! Es ist zu spät!
Aber Eugen hat die Thür geöffnet, er ist eingestiegen. Wie in halber Ohnmacht fällt er auf den Sitz nieder, d e Thür donnert hinter ihm zu, der Zug schnaubt, rollt, raffelt davon. In der nächsten Secunde zeigt sich das bärtige, wuthverzerrte Gesicht de« Schaffner« im offenen Fester.
„Wissen Sie, daß ich jetzt den Zug sofort halten lassen und Sie wieder heraurbesördern kann, Herr? schreit er vom Trittbrett herein. „Wenn wir blo« nicht fowieso fchon Verspätung hätten! Aber Strafe soll Ihnen das kosten, das ver- spreche ich Ihnen, und gehörige Strafe! So was ist ia noch gar nicht dagewefen. So'n Leichtsinn! Auf» Haar wärs Ihnen an'» Leben gegangen." Und er notirte den Vorfall.
„Mär' unter Umständen auch noch nicht das Schlimmste, sagte Eugen mit dem ganzen Phlegma des Galgenhumors, das ihn jetzt befallen hatte. m ,,
Der Schaffner fah ihn mit einem schrägen Verachtung«, blicke an. „Ihr Btllet!" donnerte er dann.
„Hab' ich nicht!"
„Auch da« noch! Ra, das kann Ihnen ja nett theuer zu stehen kommen, Herr." Und er notirte «eiter. „Sie fahren - bi« -?"
„Altstädt." „ r t _ s.
Der bärtige Kopf verfchwand. Eugen sah sich um. Er «ar mit seiner Unbekannten allein tot Coupee. In der nächsten Secunde lag er ihr zu Füßen, «ährend sie sich, ausgelassen lachend, hintenüber warf. „Ich liebe Siel Ich liebe Sie!
„Die Landpomeranze? Da« dumme Gänschen mit den derben Lederschuhen und —" , , c,-
„Hören Sie auf!" flehte er mit gefaltetenHänden.„Jch liebe Sie! Sie müssen mein werden — oder fagen Sie mir jetzt, warum es nicht geht!"
„Aber Sie sind ja vor mir geflüchtet, — Sie «ollen ja um keinen Preis — ich bin's ja, die Ihnen Ihr Onkel im Eomplott mit dem meinigen zugedacht hatte und dte letzt
Ich weiß ja — ich weiß Alles. Aber nicht vor Ihnen bin ich geflüchtet, sondern vor einem Zerrbild meiner Pham taste. Und nur aufgezwungen wollt ich Sie nicht, jetzt hab' ich Sie in freier Wahl erkoren. Rur im Himmel sollte meine Ehe geschloffen werden und jetzt wtrd sie tot Himmel geschloffen sein. Fräulein Lueie, — nicht wahr, so heißen
nun und winkten ihm unwillig mit der-and. stch zu bellen. Aber wo jetzt Die finden, die er suchte? Seine Augen glitten wie verzweifelt an allen Eoupeefenster« entlang. War sie überhaupt nicht im Zuge? Wollte fie sich vor ihm verstecken? Eine wilde Angst, eine rasende Wuth packten ihn. Sie zetzt uud so sür immer verlieren — unmöglich I Aber jetzt war keine Zeit mehr zum Suchen und Ueberlegen.
„Einsteigen! Einsteigen! Machen Sie doch l Wir fahren! schrieen die Schaffner ihn an. Rur noch einer hielt ihm eine Eoupeethür offen. Schon wollte Eugen, da eben letzt das dritte Glockenzeichen gegeben wurde und die Pfeife des Lokomotivführers schrillte, hinaussprtngen, um nur wenigstens mitzukommen, als er plötzlich das Gesicht Derer, die er suchte, ein paar Schritts weiter recht» sich aus einem Eoupeefenster lehnen ^fah. $anlI @ott Dank!"
Mit einem Fluch schlug der Schaffner die Eoupeethür zu und Eugen stürzte «eiter. Schon hielt er den Messing, griff der Eoupeethür in der Hand, über der die blonde Um bekannte abwinkend und kopfschüttelnd auf thn niederblickte, schon hob er mit der anderen den Riegel, da rief sie herab. „Aber Sie können ja nicht mit — bleiben Sie doch! Lassen Eie doch! Ich reise nach Storkow!"
„Rach Storkow?" Seine Hände regten sich nicht mehr, er sah wie versteinert, wie völlig verständnißlos, wie halb
Weihnachts-Erzählung von W. Hogarth.
(Schluß.)
Die Kinder waren zu Bett gebracht, und Fräulein Werner hörte, daß die Gäste fich verabschiedeten. Sie wollte fich deßhalb nach den Gesellschaftsräumen zurück begeben, um dort noch aufräumen zu helfen. Ehe sie aber wieder in den Salon eintrat, blieb fie einige Augenblicke an einem der hohen Vorsaalfenster stehen. Sie blickte hinauf zum gestirnten Himmel. Wie dieser heute Abend glänzte undtonkeltein wunderbarer Schönheit, viel schöner als die herrlichsten Christ bäume hinieden. Glück sollte sie von Gott für ihn ersten, und bei diesem Gedanken faltete sie die Lände zum Gebet^
Mit einem Wonnegefühle tot Herzen schritt fiedan weiter. Da klang plötzlich ein schrecklicher Ton an ihr Oh und erschrocken blieb fie stehen. Aufs Neue erklang bat Stöhnen und Röcheln wie von einem Menschen, der mit dem


