Ausgabe 
17.8.1895
 
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Wenn Jemand an Ihrer Stelle hinginge, das würde die Nachforschungen für eine Viertelstunde irreführen."

Eine Viertelstunde, das wäre Rettung," sagte Blanche. Ich könnte aus dem Parke hinaus und mich auf den Feldern verstecken, wer weiß, vielleicht sogar die französtschen Vorposten erreichen. Ja, die Idee ist ausgezeichnet, aber wer wird es wagen, meine Stelle einzunehmen?"

Ich!" sagte Catherine-Vorwärts! Es darf keine Secunde verloren werden. Geben Sie mir Ihren Mantel, eilen Sie, aber halt, da kommt Ihr Baron heraus."

Lowendaal kehrte, nachdem er untersucht hatte, ob in der Kapelle Alles für die Ceremonie bereit sei, befriedigt zurück, um den Marquis aufzusuchen und im Vorübergehen in den Ställen seine Befehle für die Reise zu geben. Gleich nach vollzogener Trauung wollte er in den Reisewagen steigen und mit seiner jungen Gattin den Weg nach Brüffel etnschlagen- Das Herannahen der österreichischen Armee und die Gefahr der Schlacht hatten ihn bewogen, die für die Ceremonie und für die Reise bestimmte Zeit zu beschleunigen.

Rasch hüllte sich Catherine in den Mantel Blanches und diese legte den Mantel an, den sie vorsichtigerweise mitgenom­men ; nachdem sie die energische Marketenderin schweigend um­armt hatte, entfernte sie sich, gefolgt von La Violette, ganz stolz über seine Rolle als Ritter eines fahrenden Fräuleins.

Catherine sah ihnen ängstlich nach, bis ihre Gestalten in der Nacht verschwanden. Sie hatten nun die Grenze des Parkes erreicht und Blanche war dem Baron Lowendaal ent­schlüpft- Bald würde sie ihr Kind umarmen.

Armer, kleiner Henriot! Werde ich ihn nur Wieder­sehen?" sagte sich Catherine bewegt.Und mein Lefebvre, was wird der sagen, wenn er mich nicht mehr wiedersieht? Pah, daran will ich jetzt nicht denken, sondern trachten, meine Rolle als Braut so gut wie möglich zu spielen," fügte sie mit ihrer gewöhnlichen guten Laune hinzu.

Sie schritt kühn aus den hell erleuchteten Saal im Erd­geschoß zu, wo die Dienerschaft nach beendeter Mahlzeit schwatzte.

Sie zeigte sich auf der Schwelle und sagte in kurzem Ton:Man benachrichtige den Herrn Barqn, daß ich ihn in der Kapelle erwarte."

Dann zog sie sich langsam zurück, bemüht, majestätisch einherzuschreiten und sich nicht in den Falten des für ihre Gestalt ein wenig zu langen Mantels zu verwickeln.

Als sie in die Kapelle treten wollte, hörte sie neben sich Geräusch und Schritte.

Der Baron sprach:Du hast also das Losungswort, Leonard ?"

Ja, Herr Baron," antwortete der Befragte.Ich konnte es herauükriegen. Ich hatte eine Estafette hier in die Küche hereingezogen unter dem Vorwand, ihr Auskünfte zu erthetlen, und gab ihr zu trinken, denn sie hatte großen Durst und war wohl sehr schläfrig, denn jetzt schläft sie."

Und die Papiere?" fragte Lowendaal lebhaft.

Ich habe sie gelesen. Nichts Wichtiges, außer dem Losungswort, das ich behalten habe."

Schön, Leonard, jetzt laufe rasch zu den österreichischen Vorposten und benachrichtige den commandirenden Offizier." Und der Baron kehrte in's Schloß zurück.

Was soll das heißen?" fragte sich Catherine.Was für ein Losungswort haben sie herausbekommen? Am Ende gar das uns'rtge?"

Sie war unschlüssig, was sie thun sollte. Mußte sie nicht fliehen, in's französische Lager laufen und Alarm schlagen?

Aber sie hatte Blanche, ihrer Wohlthäterin, versprochen, ihre Verfolger zu täuschen und einen Moment ihre Stelle in der Kapelle zu vertreten.

Vor Allem mußte sie also ihr Versprechen halten, dann hatte sie noch Zeit, um in's Lager zurückzukehren und Lefebvre von dem Verrathe zu benachrichtigen. Sie trat also ent­schlossen in die Kapelle ein, sehnlichst wünschend, daß der

Baron bald erscheinen möge, damit sie dann entschlüpfen könne, um die Soldaten und ihren Mann zu alarmiren.

Wenn man sie während des Schlafes überraschte!" dachte sie entsetzt.

Doch ihre Sorglosigkeit gewann bald die Oberhand.

Pah!" sagte sie sich.Die Braven vom Dreizehnten schlafen nur mit einem Auge und werden sich die Feinde selbst mit einem gestohlenen Losungsworte nicht in Schußweite kommen lassen, ohne ihnen zu zeigen, daß bei uns gute Wache gehalten wird und daß man sich um Verräther nicht kümmert."

Sie ließ sich also etwas beruhigter auf einem der beiden Fauteuils nieder, welche vor dem Altar für das Brautpaar aufgestellt waren.

In einer Ecke kniete ein Priester und betete andächtig. Er schien ihr gar keine Aufmerksamkeit zu schenken.

Neugierig betrachtete sie die Abbildungen des Kreuzweges, die Verzierungen des Tabernakels, die kleine Astrallampe, in der ein flackernder Docht brannte, und die vier brennenden Kerzen, welche ein düsteres Licht verbreiteten.

Brr! Soll denn hier ein Todtenamt abgehalten werden und nicht eine Hochzeitsmesse?" murmelte Catherine, von dem traurigen Anblick des Gebäudes bedrückt.

Das Warten erschien ihr sehr lange.

Plötzlich öffnete sich lärmend die Thür der Kapelle.

Ein Geräusch von Schritten, vermischt mit einem Klirren von Säbeln, ertönte.

Catherine hüllte sich, um ihr Jncognito länger zu be­wahren, vollständig in den Mantel Blanches und kniete nieder, indem sie vermied, sich umzuwenden.

Der Priester hatte sich nach zwei Verbeugungen langsam erhoben und dem Altar genähert. Er begann nun rasch mit leiser Stimme seine Gebete zu lesen.

Mittlerweile trat Baron Lowendaal auf Die zu, welche er für seine Braut hielt, und sprach sie mit dem Hut in der Hand und lächelnden Lippen galant an:Mademoiselle, hatte gehofft, die Ehre und das große Vergnügen zu haben, Sie selbst hierherzuführen. Aber ich begreife Ihre Schüchtern­heit und verzeihe sie. Wollen Sie mir gestatten, an Ihrer Seite Platz zu nehmen?"

Catherine antwortete nichts und rührte sich nicht.

Auch der Marquis trat vor und fagte halblaut:Dar ist sehr gut, meine Tochter, ich gratulire Dir, daß Du endlich zur Vernunft gekommen bist."

Lauter fügte er hinzu:Aber Blanche, lege doch diesen Reisemantel ab es ist nicht liebenswürdig, sich so trauen zu lassen, außerdem mußt Du unseren Gästen, Deinen und den Zeugen Deines Bräutigams, den Offizieren des Generals Clerfayt, die Honneurs machen. Zeige ihnen wenigstens Dein Gesicht, lächle ein wenig, das schickt sich an einem solchen Tage."

Als Catherine die österr ichischen Offiziere erwähnen hörte, machte sie eine rasche- Bewegung.

Ihr Mantel verschob sich und zeigte ihren kurzen Rock mit den trikoloren Stre: i.

Lebhaft griff der Marquis nach dem Mantel und zog ihn gänzlich zurück.

Das ist nicht meine Tochter!" rief er bestürzt-

Wer sind Sie?" sagte der Baron, nicht weniger verblüfft- (Fortsetzung folgt.)

VernMehtes.

Kleines Mißverständniß- Richter (zum ange­klagten Mitglied einer Tyroler Sängergesellschaft):Sie haben also nach der Vorstellung auf der Straße gejodelt wie?" Tyroler:Ja ju ju ju hoi diohi dioh huhuhu dulijöh!

Aus dem Examen.Ist die Hundesteuer eine directe oder eine indirecte?"Eine indirecte!"Weß- halb?" , Weil dieselbe nicht direct vom Hunde erhoben wird."

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch L Schetida) in GietzeN.