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bie blätterlosen, schneebedeckten Bäume im Garten und murmelte: „Sech» Jahre find vergangen, aber die bittere Erinnerung bleibt mir lebendig so lange ich lebe. Daß e» gerade am Weihnachtsabend geschah. Aber er drängte zur Entscheidung; er trotzte mir und ich war im vollen Recht, ihm sein Vermögen vorzuenthalten; ich ward dadurch zum reichen Mann, bi» die großen Verluste tarnen, ich hätte nicht speculteren sollen I Wenn er heute kommen und sein Ver- mögen fordern sollte, so bin ich ein Bettler!" Rach mehr- maligem Klopfen an der Thür fuhr er au» seinen schweren Gedanken auf.
»Die gnädige Frau läßt den Herrn Commereienrath bitten, sich in den Salon zur Bescheerung zu bemühen."
Mit diesen Worten trat der Diener herein. „Ja, ganz recht, ich komme sogleich."
Trotz der Versicherung, gleich zu kommen, sank der viel beneidete Commercrenrath wieder in seinen Sessel zurück, seinen Gedanken hingegeben, welche so wenig gemein hatten mit dem großen Freudenfest. Erst al« seine Gattin selbst hereinrauschte, und ihn sehr erregt mit Vorwürfen überhäufte, daß er so lange auf sich warten lasse, entschloß er sich, die Festräume aufzusuchen.
Man nannte in der Stadt den Commereienrath Kronberg mit voller Berechtigung einen Günstling de« Glück». Al« junger Mann mit geringen Mitteln fand er eine gute Stellung bet seinem reichen Stiefbruder. Vor langen Jahren gerade auch am Weihnachtsabend hatte ihn dieser zum Theil- haber in seinem großen Bankgeschäft ausgenommen. Der Stiefbruder starb in den besten Jahren au» Gram über den Tod seiner über alle» geliebten Frau. Auf dem Sterbebett legte er dem jüngeren Bruder seinen einzigen Sohn an» Herz. Da» Testament de» Verstorbenen machte Kronberg rum Besitzer de» Geschäfts und zum Vormund des verwaisten Knaben, bis dieser, sobald er vierundzwanzig Jahre alt geworden, Theilhaber werden oder sich sein Vermögen auszahlen lassen soll. Des hinterlassenen Sohnes großes Vermögen sollte in dem Bankgeschäfte bleiben.
Frau Kronberg stammte aus einer vornehmen, aber unbemittelten Familie. In der Meinung, eine» reichen Mannes Frau zu fein, gab ste sich einem übermäßigen Luxus hin. Kronberg suchte nun durch gewagte Speculationen einzubringen, was sie verausgabte. Bald gewann er bedeutende Summen,
Ä e,r ^luste zu verzeichnen, welche ihn an den Bettelstab bringen mußten, sobald er in die Lage kam, seinem Neffen das Erbtheil auszahlen zu müssen. Sobald dieser das vierundzwanztgste Lebenjahr erreicht hatte, blieb dem Commereienrath fein Recht, dem jungen Mann das Ver- mögen vorzuenthalten, was ihm fein Vater hinterlassen hatte Daß er dies nicht erfuhr, daß er in der Meinung lebte, er «ei mit feiner Person und seinem Vermögen an das Geschäft gebunden, sollte de» Oheim» Sorge sein. Vor acht Jahren hatte ihn sein Neffe um eine Unterredung gebeten. Sie ward ihm am Weihnachtsabend vor der Bescheerung bewilligt. Mit ruhiger Bestimmtheit hatte der Neffe dem Onkel seinen unumstößlichen Entschluß mitgetheilt, daß er al» Arzt studiren wolle, da er gegen ven Beruf de» Kaufmann» und Bankier» geradezu Abneigung habe. Mit Güte und Drohungen suchte der Onkel den Neffen von seinem Vorhaben abzubringen. S» war vergeblich. Al» zwei erbitterte Gegner standen die nahen Verwandten sich damals gegenüber, während draußen von den Kirchrhürmen die Glocken das hohe Fest einläuteten und fröhliche Kinderstimmen im Hause Weihnacht-lieber sangen.
»So geh!" hatte der Commerzienrath damals im höchsten Born gerufen. „Du kannst thun, was Du willst, aber Dein Vermögen bleibt im Bankgeschäft, welche« Dein Vater und ich mit vieler Mühe gegründet haben. Du kennst wie ich Deine« verstorbenen Vater» letzten Willen und ich werde da- nach handeln."
„Du lügst," hatte der Reffs ihm beinah fassungslos ent
gegnet, „denn wenn ich auch in der Bermögensverfügung bis zum vierundzwanzigsten Jahrs nach dem Willen meines Vater» beschränkt bin, so konnte er doch nicht so weit gehen, mir meinen Beruf vorschreiben zu wollen. Laß mich das Testament lesen 1"
„Du hast jetzt kein Recht dazu!" hatte ihm aber der Onkel und Vormund entgegengedonnert. „Im Uebrigen kenne ich meine Psicht. Du wirst bis zu Deinem vierundzwanzigsten Lebensjahre ein Checkbuch von mir erhalten, welches Dir eine monatliche Rente von fünfhundert Mark sichert. Magst Du nun mit dem Gelbe Deinem vergeblichen Studium ob# > liegen oder Dich als Abenteurer in der Welt Herumtreiben, $ mir ist es gleich."
I _ -Ein Jahr ist immer noch bis der Neffe vierundzwanzig I hoffe bis dahin das Vermögen zu verdoppeln,
, mir bleibt dann noch genug," sagte Kronberg und ging mit | geglättetem Gesicht zur Bescheerung.
(Fortsetzung folgt.)
Vermachtes.
Entwischt ober Die lustige Vagabundenjagd. Diese» sinnreiche Spiel wird von zwei Spielern mit zehn Marken gespielt; eine Marke repräfentirt den Vagabunden und die übrigen neun Marken die Schutzleute. Bei Beginn des Spieles wird der Vagabund auf ein beliebiges Feld de» Spielplanes innerhalb de- Deutschen Reiche, gesetzt und die Schutzleute ringe um den Vagabunden herum so aufgestellt, daß jeder Schutzmann mindesten« zwei Felder vom Vagabunden entfernt ist. Die Figuren bewegen sich Zug um Zug vor- und rückwärts, links und recht«, aber niemals diagonal und immer nur um ein Feld ohne Berücksichtigung der Farben der Felder. Da» Spiel wird von dem Vagabunden gewonnen, wenn es ihm gelingt, entweder den Hafen von Hamburg zu erreichen oder aber, wenn er drei Schutzleute gefangen nimmt. JJtan kann das Spiel auch eariiren, indem man einen andern Art als Grenzstation oder zwei Seehäfen zur Flucht freigibt. Die Schutzleute gewinnen das Spiel, wenn sie den Vagadun- den so einschließen, daß er sich nicht mehr bewegen kann; sie können den Vagabunden nur einfchließen, nicht aber fangen, M- vom Spielbrett wegnehmen. Der Vagabund kann einen Schutzmann wegnehmen, sobald er sich im nächsten Felde zu ihm befindet, gleichviel ob diagonal ober sonstwie, wenn nicht em anberer Schutzmann in einem anstoßenden Felde von derselben Farbe sich befindet; der Vagabund kann in diesem »olle, wenn er will, aus da« Feld vorrücken, von dem er den Schutzmann verdrängt hat. Der Vagabund darf sich nur auf ben Feldern de« Spielplane» bewegen, welche innerhalb der Grenzlinien de« Deutschen Reiche« liegen ober von diesen durchschnitten und berührt werden. Da« Gleiche gilt für die Schutzleute; doch kann diesen, um da« Spiel zu variiren, auch gestattet werden, sich auf allen Feldern de« Spielplane» zu bewegen.
orc. ?eL?fff g- Köchin: „Warum bist Du denn gestern Abend nicht gekommen?" - Soldat: „Ach, mir war'« so schlecht... ich hätt' doch nicht» essen können!"
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». lärung. Arzt: „Ihr Magen ist total verdorben! Sie haben wohl sehr unmäßig gelebt?" — Patient: „I be» »obre, aber im letzten Jahre haben drei von meinen Töchtern kochen gelernt!"
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, . A diese Kinder! Carl: „Herr Doctor, die Laura hat soeben gesagt, Sie hätten einen wundernetten Schnurr- d°rU - Mutter: „Dummer Junge! Du mußt nicht immer SUe« erzählen, was Deine Schwester sagt !" — Carl: „Ader Sauta hat mir ja zwanzig Pfennig gegeben, damit ich es sage!
”lb6tH°n: ”• - »ruck und Verla, der Brühl'schen UniverfiMS-Buch- und St-n.drnckerei (Pietsch » Gcheyda) in Eietzen.


