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diebisch bei dem Gedanken, war die für Glotzaugen machen wird wenn es heißt: Der Vogel ist davongeflogen, nun pfeif ihm einmal Tiner nach! Die ganze Reise, die mit Jo viel Gottvertrauen angetreten wurde, ist umsonst gewesen.
Und Eugen Helmstedt rieb sich wieder vergnügt die
von der Seite an. „ . . _
„Schicksalslaune könnte man'r nennen," meinte sie mit einem eigenthümlichen Lächeln, das ihn beklommen machte. „Das Leben ist so wundvrlich, — eigentlich noch viel phantastischer und romantischer, als die Dichter es schildern —- die modernen nun gar! Wenn man mir heute Morgen gesagt hätte, daß ich in ein paar Stunden hier mit einem wildfremden Herrn allein im Walde b ei Woldenberg — einer mir bis dahin auch nicht einmal dem Namen nach bekannten Gegend — spazieren gehen würde, während ich um diese Zeit
$ „Die — wie sagten Sie doch? Die junge Gans ist I wohl 'in Alles eingeweiht gewesen?"
"und^wird^nach dem zukünstigen Gutsherrn von Stör-1 kow schon alle zehn Finger gereckt haben, nichts I
. Das läßt sich denken. So ein guter Bissen! Und das I arme Ding ist, glaub' ich, noch 8°« Gouvernante gewesen, weil sie ein halbes oder ganzes Dutzend Geschwister daheim im I ländlichen Pfarrhause hat, wo insolgedeffen die Kost ein wenig I schmal ausgefallen ist. Oder sie ist auch nur VolksschH lehrerin, - ich weiß er nicht so genau. Jedenfalls will ich ihr ja von Herzen eine gute Partie gönnen — ich hab immer Mitleid mit solchen armen Druwäppeln — nur ich will nicht gerade das Opfer sein, das kann mir Niemand verdenken.
„Freilich nicht."
Sie hatten Beide in munterem Geplauder setzt den Waldrand erreicht und schlugen nun einen langsam aufwärts führenden Weg ein, den alte, stlberstämmige Buchen mit dichtbelaubten, überhängenden Zweigen beschatteten. Hier war » nach den sonnenheißen Feldwegen drunten kühl und frisch- Der Schritt verhallte fast lautlos auf dem weichen Moose, eine beinahe andächtige, feierliche Stille lagerte zwischen den Riesenbäumen, und nur aus der Tiefe der Forstes scholl da» Hämmern einer Spechts durch dar große Schweigen.
Unwillkürlich waren die Beiden eine Zeit lang stumm geworden. Sie athmeten tiefer. Und einmal blieb die junge Dame stehen, blickte zurück und sagte: «Das ist schön. Sie haben mich wirklich gut gesührt und ich muß Ihnen dankbar sein. Wenn ich denke, daß ich all diese Stunden unten im Wartezimmer hätte vergähnen sollen, — denn hier hätte ich mich ja allein nicht hergefunden und aus den Straßen der Stadt wär' ich sicherlich bald wieder zurückgekehrt."
„Ja, es war ein glückliches Zusammentreffen," sagte er mit einem kleinen Seufzer- „Zufall sollte man eigentlich so war nicht nennen, das finde ich degradirend.
Er sah sie schmachtend, wenn auch mit Zurückhaltung,
vollsten und liebenswürdigsten, wenn st« ganz »an* co»se- quence ist und sich rasch abspielt - wie ein Traum -"
„Einschöner Traum," wiederholteerwarm; „undmanch- mal, gnädiges Fräulein, sind Träume ja nachträglich schon wahr geworden —“ , ,, .
Er sah ihr jetzt voll und mit einem so schmachtenden Ausdruck in's Gesicht, daß sie es an der Zeit zu halten schien, das Thema, das eine gefährliche Wendung nehmen wollte, zu wechseln. Sie sagte ein paar Worte über den Weg, und ! daß sie nun bald an den verheißenen Rastort zu kommen hoffe und bann, als Eugen nicht darauf einging, zu fragen: „Lieben Sie das Landleben überhaupt? Sind Sie mit Leib unb Seele Landwirth? Offen gestanden: Sie machen nicht den Eindruck.
Er lachte. «Sie haben einen scharfen Blick, mein Fräulein. Die Sache ist die, daß ich überhaupt nicht Landwirth bin, sondern die hohe sociale Stellung eine» unbesoldeten königlich preußischen Referendar» einnehme. Und wenn ich | auch zeitweilig im Sommer und zur Jagdzeit mit Vergnügen I auf Storkow weile, - daß ich mich zum Landwirth berufen I fühlte, könnt' ich wirklich nicht behaupten. Ich versteh auch I spottwenig davon, aber der Onkel meint, da« käme schon Alle« I noch. In Wahrheit graut'» mir ein bischen vor dem Winter I aus dem Lande — selbst vorausgesetzt, daß ich dann verhei- I rathet sein sollte. Aber wenn man so ziemlich unbemittelt ist I wie ich und im besten Falle noch ein Jahr bis zum Assessor | hat, - wo da, Warten auf die Anstellung bann erst recht | losgeht! — und inzwischen wirb einem so aus heiterem Htm- I M — benn ich hab' mir nie ble geringsten Hoffnungen da- 1 rauf gemacht, mein Onkel hat ja noch mehr Neffen al» mich | — ein schulbenfreies Rittergut zum Geschenk angeboten, — I na. Sie begreifen, bann sagt man nicht nein. Und wenn sich mein Onkel nur «6 findet, daß Ich I» seine Landpastorentochter, sondern nur nach ureigenster Wahl I eine Frau heirathen werde, in die ich mich verliebe — und I ex wird sich darein finden, wie ich ihn lernte, — dann kann I ia Alle« noch gut werden." t
I Sie hatte zu seinem Befremden, während er sprach, die
| Stirn mehr und mehr in Falten gezogen. Und nun sagte sie mit einem ernsten Kopsschütteln: „Da« glaub ich «ich -" ' I Sehen Sie, wenn ich ganz offen fein soü " und Mschen 1 | Unbekannten kann ja wohl ohne Schaden Offenheit herrschen, - da« gefällt mir nicht, daß Sie, ohne den Beruf dazu zu fühlen, Landwirth werden und Ihre eigentliche Carriore aufgeben wollen, blo« weil Sie bann ein wohlfituirter Herr au eigenem Grunb unb Boden werden- Um es ganz unverblümt herauszusagen, Herr Referendar, ich finde da« ebenso -- unmoralisch und verwerflich, al» wenn Sie eine Frau heirathen, die Sie nicht lieben- Vor dem Einen schrecken Sie zurück und da« Andere erscheint Ihnen ganz unbedenklich - da, finde ich wunderlich. Ich sehe da gar keinen großen Unter
Eugen fühlte, daß ihm ein heiße« Roth Uber die Wangen lief. Daran hatte er wahrhaftig noch nie gedacht. Aber im Grunde hatte sie ja Recht, so scharf ihre Worte auch klangen- Ein merkwürdige« Mädchen! Alle« konnte man ihr sagen und Alles konnte man sich von ihr sagen lassen. Die machte einem das Herz weit unb ble Zunge lose mit ihrer warmherzigen Klugheit. Unb nun stand er eigentlich wie ein dummer Junge vor ihr, den man bei einem losen Streich ertappt hat, nachdem er eben noch mit seiner Bravheit und Ehrlichkeit nach Kräften renommirt hat. Er fchämte sich, — ganz ehr ch und aufrichtig. Er begriff auch gar nicht, daß ihm das n.q eher eingeleuchtet hatte. Ja, der Rittergutsbefitzer - de hatte ihn verblendet. Und doch war er mit Leib und Seel- Jurist. Nur daß da so wenig Aussichten waren, während I biet - hm! Wenn Einer dar thut, war er zum Andern auch fähig, — da war ja wirklich nicht viel Unterschied।, un» | zu pharisäischem Dünkel hatte er wahrhaftig keinen Anlaß I gegenüber Denen, die um Geld oder sonst aus äußeren Grü den heiratheten, wenn er selbst Storkow übernahm, trotzde
I er sich nichts aus dem Landleben machte und bloß wen - s sonst ein armer Referendar blieb.
bereits —" . .
Sie stockte, sah ihn dann aber lachend an und er wurde roth. „Ich habe allerdings versäumt, mich Ihnen vorzu- I stellen," sagte er etwas stotternd, „ich heiße —"
„Bitte, bitte," »ehrte sie lachend ab. „Lassen wirs dabei, ja? Ich finde, es ist so viel romantischer und paßt so viel besser zu diesem ganzen Reiseabenteuer, daß wir gar nicht von einander wissen, wie wir heißen. Es hat einen gehelmniß- vollen Reiz, find« ich. Und der Name thut so gar nichts zur Sachs. Und in wenigen Stunden trennen wir uns ebenso, wie wir uns gesunden haben und sehen uns aller Wahrscheinlichkeit nach im Leben nicht wieder."
„Sie sagen das so lachenden Munde», Gnädige," sagte Eugen mit vorwurfsvollem Ernst, „das ist nun doch betrübend. Wenigstens werden Sie mir wohl sagen, ob ich Sie „gnädige Frau" anreden muß oder ob ich —"
„Nein, auf diesen Titel habe ich keinen Anspruch," ver- sicherte sie heiter. „Und betrüben wollt' ich Sie auch nicht. Ich denke mir: solche Reifebegegnung ist doch am eindruck-


