- 78 —
Gertraud sich durchaus mit einem jungen Manne verloben wollte, der sterblich in ste verliebt war. Wir dagegen wollten die Verlobung durchaus nicht zugeben, weil der junge Mann ein großer Taugenichts zu sein schien und wahrscheinlich wegen schlechter Streiche von seinen Eltern nach Amerika geschickt wurde. Das kostete Fanny einige Thränen und Gertraud ge- rieth in Aufregung.
„Warum sollte ich ihn nicht heirathen?" rief sie. „Ich würde stets gut und freundlich mit ihm sein und als mein Mann würde er sich bessern."
Aber aus dieser Verlobung wurde doch nichts.'
? d Uns in der neuen Heimath einzurichten, war anfangs eine schwere Aufgabe; es gab so viel zu thun und wir wußten herzlich wenig, wie es zu thun war, aber all' unsere Nachbarn — die nächsten wohnten eine halbe Stunde entfernt und bis zur nächsten Stadt waren es über vier Stunden — zeigten sich in jeder Weise freundlich und gefällig. Besonders die Junggesellen, welche damals Dreiviertel der Bevölkerung um uns herum bildeten, waren mehr als freundlich, manchmal fast zudringlich in ihrer Höflichkeit.
Oskar schalt mitunter darüber und meinte: „Ich bin ein unglücklicher, beklagenswerther^Mann, der drei hübsche Frauenzimmer in Obhut hat! Das wird ein schönes Leben für mich werden!"
Gertraud jedoch, welche durch die letzte Liebesaffaire und deren plötzliches Ende etwas eingefchüchtsrt war, zeigte sich stets auffallend zurückhaltend und meine Natur war dies stets gewesen.
Eines Abends — es mochten wohl vier Wochen vergangen sein, seit wir unser neues Heim bezogen hatten, — befand ich mich in der Küche und half Marie, unserem unerfahrenen deutschen Mädchen, den Thee bereiten. Fanny war nicht wohl und hatte sich niedergelegt und Gertraud war in ihrem Zimmer. Da plötzlich vernahm ich auf der Veranda Oskars Stimme im Gespräch mit einem Fremden. Gleichzeitig rief Fanny auch nach ihrem Thee und bat mich, Oskar zu ihr zu schicken.
Nun hatte ich mich bei meiner angeborenen Schüchternheit noch nicht von der Aufregung erholt, in welche die täglich neuen Männergesichter mich versetzten und ich eilte daher, Gertraud herbeizurufen.
Sie saß vor dem Spiegel und betrachtete darin ihr hübsches Gesicht. Sie trug ein Kleid von weichem, blauem Wollenstoff, der das liebliche Weiß und Roth ihres Gesichts wie das leuchtende Gold ihres Haares ungewöhnlich schön hervorhob.
„Ich soll Orkar holen, sagst Du, Christa?" entgegnete sie auf meine Bitte. „Warum thust Du es nicht selbst? Ach, es ist wieder ein fremder Herr da? Wie sie uns überlaufen, nicht? Gut dann, ich werde zurückhaltend fein."
Als ich später in das Eßzimmer kam, plauderte sie mit Herrn Ausbach — so hieß der Fremde, ein Deutscher, — als ob sie ihn von Kindheit an gekannt hätte. Er war ein Mann von mittlerer Größe, ziemlich braun gebrannt, breitschulterig, mit einem Kopf voller braunen Locken und mit Manieren, welche verriethen, daß er sich weit mehr in der guten Gesellschaft bewegt hatte, als all' die Anderen, deren Bekanntschaft wir bisher gemacht.
Etwas interessirte mich gleich bei unserem ersten Beisammensein an ihm, — das war der traurige Ausdruck seiner großen, grauen Augen. Sie besaßen für mich etwas rührend Melancholisches, das nur verschwand, wenn ihr Eigenthümer lächelte und das geschah selten genug. Im Ganzen machte Herr Ausbach auf mich den Eindruck eines ruhigen, zurückhaltenden Mannes, dem nichts ferner lag, als uns zu „überlaufen", wie Gertraud vorausgesetzt hatte.
„Wir glaubten bereits, Sie wollten uns überhaupt nicht kennen lernen, Herr Ausbach," meinte Oskar in seiner herzlichen, gutmüthigen Art, die man hier zu Lande so hoch zu schätzen weiß. „Wir wohnen schon über einen Monat in diesem Hause und der ganze District hat uns lange seinen Besuch gemacht, nur Sie nicht — und Sie sind doch fast unser nächster Nachbar,"
„Und Ihre Schwester, Herr Ausbäch," fiel Gertraud ein, „wird sie sich überhaupt nicht herablaffen, uns zu besuchen?"
Mir schien es, als ob der Gefragte bei diesen Worten leicht zusammenfuhr, als ob er dieselben nicht erwartet hätte und nun nicht recht wußte, was er darauf antworten sollte.
Die Theetasse, welche ich ihm eben reichte, entglitt beinahe seiner Hand und er bat mich seiner Ungeschicklichkeit wegen um Entschuldigung, bevor er Getrauds Frage beantwortete. Dann sagte er: „Meine Schwester wird sich außerordentlich freuen, recht bald Ihre Bekanntschaft zu machen," worauf er mit einer gewissen Hast zu mir gewendet fortfuhr: „Reiten Sie gern, Fräulein Christa?"
Er lächelte, während er so sprach. Er hatte ein angenehmes, mildes Lächeln.
Ich erzählte ihm darauf, daß mir der Gedanke, hier reiten zu können, derjenige gewesen sei, welcher mich am meisten nach der neuen Welt gelockt hatte.
Das gab unserer Unterhaltung eine andere Wendung, so daß Herrn Ausbachs Schwester, von welcher wir hin und wieder als von einem hübschen Mädchen und einer besonders kühnen Reiterin hatten reden hören, an jenem Abend nicht mehr erwähnt wurde.
Zwei Tage darauf aber kam ste zu uns, und der Eindruck, welchen sie bei ihrer ersten Einführung auf mich machte, war ein ziemlich unangenehmer.
Gertraud und ich waren sehr neugierig a"f Fräulein Ausbach gewesen; — im Umkreis von sieben bis acht englischen Meilen war sie das einzige junge Mädchen, welche« auf gleicher Bildungsstufe mit uns stand. Wir hatten jedes über sie hingeworfene Wort gesammelt und unsere daraus gebildeten Meinungen gingen einigermaßen auseinander. Als daher Gertraud plötzlich in das Zimmer hcreingestürzt kam, in welchem ich ruhig lesend saß und rief: „Christa, Herr Ausbach mit seiner Schwester!" da war es kein Wunder, daß ich mein Buch auf die Erde fallen ließ und mir das Herz heftig klopfte-
Im nächsten Moment hob Herr Ausbach das Buch auf und feine Schwester schüttelte mir die Hand so kräftig, daß meine Finger davon schmerzten.
Sie war nicht gerade hübsch, aber auch nicht häßlich, und hatte volles, dunkles Haar, welches sie in einem Chignon und einer um dieses herumgelegten Flechte trug, die gewiß nich! auf ihrem Kopf gewachsen war. Ihre Augen besaßen viel Feuer, ihr Mund war klein und hübsch geformt, ihre Zähne wie die Perlen. Aber in ihrer ganzen Erscheinung lag etwas, was mich vom ersten Augenblicke an zurückstieß und dies Gefühl habe ich nie verloren. Sie sprach viel und mitunter so seltfam, wie mich dünkte. Zum Beispiel bat sie uns, als sie sich fünf Minuten im Zimmer befand, sie Magdalene zu nennen und rieth, uns von unserer Schwägerin nicht kurz halten zu lassen, sondern uns zu amüsiren, so oft sich Gelegenheit dazu böte.
Ihr Bruder sprach kein Wort mit ihr, auch nahm er nicht die geringste Notiz von dem, was sie sagte. Nur ein oder zwei Mal, wenn ste in ihrer Redeweise besonders unweiblich war, schien es mir, als ob er leicht erbebte; doch wenn er sich wirklich darüber ärgerte, so zeigte er das in keiner anderen Weise.
Er hatte sich an meine Seite gesetzt und unterhielt mich lebhaft, während Gertraud und Fräulein Ausbach auf dem Sopha uns gegenüber Platz genommen hatten und bald in ihr eigenes Gespräch vertieft waren. Unser Thema bildete zunächst das heruntergefallene Buch. Es war „Die ägyptische Königstochter".
„Haben Sie Ebers „Kaiser" schon gelesen?" frug er.
„Nein, noch nicht."
O, dann wollte er es mir den folgenden Tag schicken.
Ich war von jeher eine Freundin vom Lesen und nahm sein Anerbieten dankend an.
Es entstand eine kleine Pause und Beide lauschten mir dem Gespräch unseres Gegenübers.
„8 dalene
„<ä über so
„9 ihres I dergleick kommen Die Na
Di traut) i welches
Hi der Frc
D< öffnet i merkten, Gertrar
Ar kühl 6ei all' De! ist hohe
M sich in Aerger Befehl gleichfall ihr Brr Thür h
No Blicken rung, bi entgegen - „(S
rief Ge begreife glücklich, Bekannt
Fa schüttelt!
Ge ständniß fallen.
So schäft 0( schritten, mir am
Wi so glückt war, un
Wi bemühte! zubringe Wirthsck nannt ti und eine Ge! und für Fanny t das heiß jungen ( wichtiges hervorrii
Wi Haus, - Darin h selbe feh es mit t
Stc einst unt und ein


