Ausgabe 
13.8.1895
 
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Dann, um sich der Dankbarkeit zu . entziehen und au4 j um einer eventuellen Weigerung aus dem Wege zu gehen, ver- I uetz Desmazis rasch seinen Freund, indem er zu ihm sagte: I »Auf Wiedersehen! Meine Balancella legt an, die Matrosen I erwarten mich. Glück auf, Napoleon!"

Und rasch den Fußweg hinabeilend, den er gekommen I war, um den verzweifelnden Kameraden zu so gelegener Zeit I überraschen, schritt der großmüthige Desmazis seiner Barke I zu, hieß die Segel aussetzen und fuhr rasch ab.

Mittlerweile hatte Bonaparte, ganz erstarrt, seinen Retter I ohne ein Wort fortgehen lassen; wie fascinirt betrachtete er I dieses Gold, das ihm vom Himmel zu fallen schien. Plötzlich fuhr er auf, stürzte in die Stadt, fuhr wie eine Trombe in | das ärmliche Zimmer, wo Madame Bonaparte mit ihren Töchtern wohnte und streute, wie ein Säemann den Samen, die Goldstücke auf den Tisch, indem er rief:Mutter, wir stnd reich! Schwestern, jetzt könnt Ihr alle Tage essen und Euch jede ein neues Kleid kaufen. Ja, das ist eine Fügung des Schicksals."

Und er ließ freudig die Goldstücke um stch rieseln und sein Ohr ergötzte sich an dem Klingeln des Metalle« auf dem Boden.

Später ließ Napoleon durch die Polizei seinen Wohl» thäter suchen. Desmazis, in einem Dorfe der Provence ver­borgen, beschäftigte sich mit Gartenbau. Er cultivirte Veil­chen und schien stch des Kameraden, dem er so rechtzeitig bei­gesprungen, nicht mehr zu erinnern.

Napoleon kostete es unsägliche Mühe, ihn zu bewegen, dreihunderttausend Francs als Rückzahlung anzunehmen. Gleichzeitig verlieh er ihm die Stelle eines Verwalters der Gärten der Krone.

Die zehntausend Francs, welche der einstige Regiments­kamerad geborgt, retteten nicht nur Bonaparte vom Elend und die Seinigen vom Verhungern, sie erlaubten auch Josef, eine reiche Heirath zu machen.

Herr Clary, der Besitzer des Hauses, besaß zwei reizende ' Töchter: Julie und Desiree.

Josef machte Julie den Hof und sie wurde bald seine Frau. Bonaparte, fortwährend mit Heirathsprojecten beschäf­tigt, beneidete Josefs Glück.

Er warf ftin Auge auf Desiree und trat mehrmals als ernsthafter Bewerber auf. Aber er wurde abgewiesen, höflich, sanft, aber dennoch abgewiesen. Zwei weibliche Niederlagen bildeten das Prälubium der Triumphe jeglicher Art des künf­tigen Siegers.

Desiree schien nicht mehr als Frau Permon von seinem kränklichen Aussehen und seiner problematischen Zukunft ver­lockt zu werden.

Der Refus Desiree Clarys ärgerte ihn lange.

Die Hartnäckigkeit, mit der er sie verfolgt hatte, steigerte seine Gereiztheit und der Wunsch, eine eclatante Rache an der kleinen, dummen Person zu nehmen, die ihn ausgeschlagen hatte, der in der Folge berufen war, unter einer anmuthigen Schaustellung von Prinzessinnen und Erzherzöginnen zu wählen, trug viel dazu bei, ihn bald in die Arme der Wittwe Beau­harnais zu führen, jener Frau, die eines Tages die Kaiserin Josefine sein sollte.

Was Desiree Clary betraf, so war ihr Schicksal, wenn auch weniger blendend, trotzdem ein glänzende«. Sie heirathete Bernadotte und wir werden sie als Königin von Schweden wiederfinden.

Solcher Art war die Situation Bonapartes im Momente, als Lefebvre und seine Frau mit den Bataillonen der Nord- armes auf das unsterbliche Dorf Jsmappes marfchirten-

XVI.

Jemappes.

Robespierre hatte gesagt:Der Krieg ist lächerlich." Und er hatte hinzugefügt:Trotzdem muß man ihn führen."

Das war dar republikanische Credo.

Der Krieg war lächerlich, weil es weder Soldaten, noch Generale, noch Waffen, noch Munition, noch Lebensmittel, noch

selbst, sah nicht mehr auf dem verdunkelten Firmament jenen Stern, der ihn bisher geführt hatte. Das Gefühl seiner Jsolirung drückte ihn nieder und vor Allem konnte er den Gedanken nicht ertragen, seiner Mutter zur Last zu sein, statt sie zu unterstützen. Mit starrem, wildem Auge betrachtete er das Meer, das leise gegen den Fels schlug. Wenn er sich von dessen Höhe herabstürzte, zerschmetterte er sich sicherlich den Schädel.

Vom Leben erlöst, befreite er auch die Seinigen von einem unnützen Esser und überließ ihnen die von der öffent­lichen Wohlthätigkeit gewährte Brodration.

So stand er da, eine Beute der düstersten Entschlüsse, zögernd und stch über dieses Zögern vor dem Tode Vorwürfe machend, sich selbst einredend, daß er nichts mehr auf Erden zu hoffen habe, und seine starren Augen schienen von dem finsteren und wirbelnden Abgrunde unter ihm angezogen zu werden. So verharrte er eine lange Stunde am Rande des Nichts. Der Anblick einer in der Ferne auftauchsnden Barke, die sich der Küste zu nähern schien, entriß ihn seiner ver­zweifelten Betäubung.

Es muß ein Ende gemacht werden," sagte er rauh zu sich selbst. Schon berechnete er die Entfernung und den noth« wendigen Anlauf, um sich vom Felsen tn's Meer zu werfen, als eine Stimme, welche seinen Namen aussprach, ihn bewog, stch umzudrehen.

Ein wie ein Fischer gekleideter Mann lief mit ausgebrei­teten Armen auf ihn zu-

Ueberrascht und gereizt, in seinem Entschlüsse gestört zu werden, wollte ec rasch den Felsen hinab und einen sicheren Ort aufsuchen, wo er seine düstere Absicht ausführen konnte, als der Fischer ihm zurief:Bist Du es, Napoleon? Was zum Teufel treibst Du hier? Du verleugnest mich doch nicht? Desmazis, Deinen alten Kameraden vom Regiment de la F«re? Hast Du denn unsere schönen Abende in Valencia vergessen?"

Bonaparte erkannte nun seinen alten Kameraden und sie umarmten sich. Desmazis erklärte, daß er beim ersten Grollen der Revolution ausgewandert sei. Er lebe nun ruhig in Italien, bei Savanne, an der Küste. Nachdem er erfahren hatte, daß seine alte, in Marseille lebende Mutter ernstlich j erkrankt sei, hatte er auf seine Kosten denn er war sehr reich eine Balancella ausgerüstet und war im Costüm eines Fischers in den Hafen gelangt und dort, ohne Aufmerk­samkeit zu erregen, gelandet.

Nachdem er sich über das Befinden seiner Mutter, das sich bet seiner Ankunft sehr besserte, beruhigt hatte, begab er sich auf das Meer. Aus Vorsicht hatte er seinen Matrosen den Befehl gegeben, ihn außerhalb des Hafens aufzunehmen.

Er wartete hier auf seine Barke.

Aber Du, was machst Du in dieser einsamen Gegend?" fragte er mit Interesse.

Bonaparte stammelte einige undeutliche Erklärungen. Dann verstummte er und begann, in finsteres Sinnen zurück- fallend, von Neuem starr das grüne Wasser zu betrachten, das die schwarze Spitze des Felsens mit Silber umsäumte. ....jw-wa® Du denn?" sagte der gute.Desmazis I

»Du hörst mir nicht zu, es freut Dich also nicht, daß I ^^^^st- Was für einen Kummer hast Du denn? I e n ^"gluck? Antworte doch! Wirklich, Du stehst I wie ein Narr aus, der sich umbringen will." I

Bonaparte, von dem theilnehmenden Tone des Kameraden I E"-ent» ihm feine Situation und gestand fein n Wunsch, seinem Leben ein Ende zu machen. I

Fnmtn'Ä' nur i?** ist es?" sagte Desmazis.Nun, dann I komme ich zur rechten Zeit.> Da," fuhr er fort, indem er I Stab1 %teIL iosmachte,hier sind zehntausend Francs in I ®°lb. Ich brauche sie im Momente nicht. Du wirst mir I wenn Du kannst. Nimm also und rette die I 'vvinigen i

hielt dem ganz betäubten Bonaparte die zehn- I »N »W Sage ein j