Ausgabe 
11.6.1895
 
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Die Tochter des Meeres.

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XX.

»Hüten Sie sich, daß Niemand erfährt, daß Sie mir geholfen haben."

Cora sagte zu Frau Aston diese Worte mit spöttischem Stolz. Und vielleicht beruhigte dieser unverhohlene Stolz, der sich auf ihrem schönen Gesicht zeigte, und aus dem Ton, in dem sie die Worte sprach, hervorklang, die alte Haushälterin mehr, als die demüthigsten Versicherungen und Entschuldigungen.

»Ja, in Ihren Adern muß etwas edles Blut fließen," sagte diese halb lächelnd.Das Original jenes Bildes konnte kaum stolzer ausgesehen oder gesprochen haben, als Sie . . . auch damals nicht, als sie Gräfin von Marston wurde."

So war sie Lady Marston, Lady Marian» Mutter?" fragte Cora rasch.

Das habe ich nicht gesagt," erwiderte Frau Aston.Der Graf, deffen Gemahlin sie werden wollte, war ein anderer, als der jetzige. Aber was kümmert das Sie?" unterbrach sie sich selbst.Das heißt nur die Zeit in thörichter Neugier vergeuden. Sagen Sie mir lieber, auf welche Weife Sie den mngen Thunichtgut retten wollen, der mehr Unheil angertchtet hat, als er jemals wieder gut machen kann, und um meine simge Herrin vor Kummer und Unehre zu schützen, will ich sehen, ob ich Sie, ohne daß es Jemand merkt, in Ihrem Plane unterstützen kann."

Cora schwieg einige Minuten lang, die Augen fest auf da» Bild gerichtet.

Haben Sie alte Kleider im Hause?" fragte sie.Ich meine solche Sachen, welche diese Dame getragen hat oder die wenigstens aus diesen Tagen herrühren?"

Frau Aston schüttelte den Kopf, doch plötzlich schien ihr ein Gedanke zu kommen.

Vielleicht doch," sagte sie sinnend.Das heißt, wenn sie nicht von Motten zerfressen sind. Kommen Sie, ich will nachsehen, ob sich etwas findet. Ich möchte die alten, längst vergessenen Räume nicht allein betreten. Alte Geschichten und

Erinnerungen würden wieder auftauchen, die besser vergessen sind. Aber was wollen Sie mit den Sachen?" fügte sie mit leisem Verdacht hinzu.

Ich brauche sie für meine Pläne zur Flucht," antwortete Cora.Geht nicht das Gerücht, daß es in diesem Flügel nicht recht geheuer sei? Würde man sich wundern, wenn die Geister Derer, die einst hier lebten, darin umgingen?"

Frau Aston nickte.

Ach, jetzt durchschaue ich Ihren Plan," sagte sie.Und er ist gar nicht Übel. Nur kann ich nicht begreifen, wie dem jungen Lord durch eine solche Verkleidung geholfen werden soll. Er ähnelt keinem Biddulph im Geringsten. Sie allerdings könnten flüchtig, im Dunkel gesehen, ganz gut für Miß..."

Miß .... für welche Miß?" fragte Cora neugierig.

Für die Dame auf jenem Bilde gelten," erwiderte die Haushälterin.Was kümmert Sie ihr Name? Doch kommen Sie, wenn Ihnen die tollen Pläne mißlingen sollten, nun, dann wäre der ganzen Angelegenheit mit einem Male ein Ende gemacht. Wenn er verhaftet wird ... um so besser! Dann müßte meine junge Herrin ihn doch aufgeben und es wäre nur gut, wenn es geschähe, bevor der Herzog um ihre Hand anhält, welcher gewiß der beste Ehemann für sie ist."

Cora folgte stillschweigend der Dame aus dem Zimmer, durch zwei bis drei Räume, in denen es so dumpf roch, als wäre feit langem keine frische Luft eingedrungen. In einem derselben öffnete sie ein Fenster und da» Licht und die Luft, die nun hereinströmten, übten eine wahrhaft magische Wirkung aus. Coras Augen sielen auf ein reizend au» gestattetes Toilettenzimmer, dessen kostbare Gardinen und eichengeschnitzte Schränke, Tische und Spiegel dem Geschmack der Jetztzeit keineswegs fremd waren.

Frau Aston seufzte tief auf, als sie sich dem großen Schranke zuwandte, der bequem dis unfangreichen Kleider ge» faßt hatte, welche damals Mode waren.

Frau Aston drehte den Schlüssel, der noch im Schlosse steckte, und öffnete die Thüren, während Cora sich mit einer Neugier näherte, die sie sich selbst nicht zu erklären wußte.

Der Schrank enthielt unter Anderem ein Costüm, das ganz besonders antik und phantastisch aussah. Mit seiner langen Schleppe, den kurzen Aermeln mit den breiten Spitzen» fälbeln, die ihnen ein gefällige» Ansehen gaben und doch die