1895
Donnerstag den 10. Januar
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UuterhaltimgMM nun Gießener Anzeiger (General Anzeiger).
Sturmfluth.
Roman von E m. Heinrichs.
(Fortsetzung.)
„Ein Deserteur unter meinem Dache? Ach, was Sie sagen, wer sollte es denn sein, ich müßte ihn doch kennen, um ihn zu beherbergen. Sie meinen doch nicht, daß es Herr Hamson sein könne?" fragte der Professor.
„Ich weiß es nicht, da ich so lange noch nicht hier bin, also den Neffen der Hauptmanns Ehrhard auch nicht gekannt habe."
„Alle Wetter, Sie meinen am Ende den Willibald Ehrhard, der vor zehn Jahren als Einjähriger seinen Unteroffizier niederschlug und dann in die weite Welt lief?"
„Ja, den meine ich; sein Onkel, der Hauptmann, wird ihm wohl fortgeholfen haben."
„Da sind Sie auf einem Holzweg," erwiderte der Professor bestimmt. „Hauptmann Ehrhard hätte ihn unbedingt dem Militärgericht ausgeliefert und würde es noch heute thun, mein Ehrenwort darauf. Es gibt für ihn kein größeres Verbrechen, was der Neffe sehr wohl weiß und sich deshalb hüten wird, hierher zurückzukehren. Der Denunciant wird meinen amerikanischen Gast dafür gehalten haben."
Er war während dieser Unterredung mit dem Commissar, der sehr nachdenklich geworden war, durch einen schmalen Corridor geschritten, an dessen Ende sich die mit einem Windfang versehene Hofthür befand. Der Beamte hatte es sehr wohl bemerkt, daß Leonore soeben aus dem Keller heraufkam, der ebenfalls einen Ausgang nach dem Hofe befaß.
„Leonore," rief der Professor, „weißt Du vielleicht, ob Friedrich im Pferdestall ist?"
„Er sitzt wohlbehalten im Keller, Papa!"
Friedrich war ein junger Bursche, der im Hause Kutscher-, Gärtner- und sonstige Dienste, welche dem alten Thomas zu schwer waren, verrichtete. Er hatte des Herrn Stimme gehört und kam jetzt die Treppe heraufgesprungen.
„Zünde die Stalllaterne an und leuchte uns," gebot der Professor.
Nach wenigen Minuten standen die beiden Herren im Pferdestall, welcher zugleich al« Wagen-Remise diente nnd ein
Pferd, einen sehrischönen Schimmel, und zwei elegante Wagen enthielt.
Der Commissar hatte die Stalllaterne selber genommen, um überall umher zu leuchten, er warf einen scharfen Blick nach jener Seite, wo sich die Thür bchnden mußte, sah aber nur ein Stück Mauer und einen mit Decke« versehenen, wie es schien, neu lackirten Landauer, von einer Thür jedoch keine Spur. Etwas verdrossen verließ er den Stall, händigte dem draußen wartenden Friedrich die Laterne ein und warf noch einige spähende Blicke umher. Es war nichts Verdächtige» zu entdecken, der Hof war gepflastert, die Gartenmauer an der Rückseite bewacht, eine Flucht ganz unmöglich.
Als sie in'« Haus zurückkehrten, athmete der Professor beruhigt auf, da er jetzt überzeugt fein durfte, daß Willibald glücklich entkommen war. Auf wie lange? Da» war eine zweite drohende Frage.
Der Commissar hatte sich mit Hamson, welcher eine sehr humoristische Miene aufgesetzt und sich von den Damen „bi» morgen" beurlaubt hatte, entfernt. Die drei Zurückgebliebenen saßen mit sorgenvollen Gesichtern jetzt in der Bibliothek, nur im Flüstertöne ihre Bemerkungen austauschend.
„Ich grolle dem leichtsinnigen Burschen, der uns Alle in die peinlichste Lage gebracht hat," brummte der Professor, sich ein Glas Wein einschenkend. „Habe buchstäblich Todesangst geschwitzt, als der Commissar feine Polizeinafe in den Pferdestall stecken wollte. Du konntest das Kunststück mit dem Landauer doch nicht allein fertig bringen, Lore?"
„Ganz allein, Papa! Ich wollte den Friedrich doch nicht al« Mitwisser haben! Kaum sah ich den Commissar an der Thür herumschnüffeln, als ich wie der Wind hinaus war, den Landauer zurückschob und seine Schutzdecken kunstvoll zur vollen Verhüllung der Thür gebrauchte."
„Es war famos gemacht, und das im Dunkeln, Du Schelm?"
„Bewahre, die Stalllaterne hing doch nebst Zündhölzer« in der Corrtdor-Ntfche am Windfang. Es ging Alle» vortrefflich, kein Auge hat mich gesehen und al« ich zurückkehrte, schlüpfte ich die Kellertreppe hinunter, wo ich Friedrich« Stimme hörte, um dann ganz harmlos wieder heraufzukommen."
„Du bist ein vortreffliche» Mädchen," belobt« fie der


