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Gemeinnütziges.
Eine Bitte vom Thüringer Walde. Auf der höchsten Höhe des Thüringer Waldes, auf dem Höhenzug, der das Gebiet der Saale von dem der Werra scheidet, liegt am Rennsteig das Dorf Steinheid, dessen Kirchlein an freundlichen Sommertagen weit hinaus schaut ins Land, während im Herbst und Winter gewaltige Nebel und Schnee« massen den Ort einhüllen und brausende Stürme die kleinen Häuser der Bewohner erbeben machen. Aber ein fleißiges Völkchen arbeitet darin von frühen Morgen bis zur sinkenden Nacht, um an den Gasflammen den prachtvollen Christbaumschmuck aus Glas mit echtem Silberspiegel herzustellen, der dem Weihnachtsbaum den schönsten Glanz verleiht. Erst in der neueren Zeit hat in diesem Dorfe die vor 300 Jahren in Thüringen eingesührte Glasindustrie ihren Einzug gehalten, nachdem die frühere Holzwaarenindustrie durch die Entwicklung der Metallindustrie zum Erliegen gekommen war. Das fleißige, an Entbehrungen gewöhnte Völkchen kämpft einen schweren Kampf ums Dasein und um demselben abzuhelfen, haben sich einige Herren am Orte zusammengethau, um den Steinheider Christbaumschmuck zum Besten der Arbeiter direet zur Versendung zu bringen. An der Spitze dieses Comitees steht der Ortsgeistliche, Herr Pfarrer Roth und ist das Unternehmen der Controlle des Herzog!. Landraths in Sonneberg unterstellt. Auf Lager find besonders zwei Sortimente: 1. Weiß in Silber, matt «nd glänzend, feinste Ausführung, sehr begehrt, 2- Bunt, in den brillantesten Farben und mannigfachsten Formen. Ein Franco-5-Mk.« Kistchen enthält gewöhnlich: 100 Silber- oder Goldkugeln in 10 Ketten, 1 Engel, Spitze, Trompete, Glocken, Va Dutzend größte, 2 bis 3 Dutzend mittlere, 2 bis 3 Dutzend kleinere Sachen, Kugeln, Vögel, Nüsse, Zapfen u. s. w., Lamettasachen in verschiedenster Ausführung, 2/i* und ^-Kisten das 2» und 4-fache davon, dem Werthe nach, aber andere Sachen. Auch ein einfacheres Sortiment franco zu 3,50 Mk. incl. Verpackung, enthaltend: 200 Brillantkugeln in 20 Ketten, 2 Dutzend mittlere und 2 bis 3 Dutzend kleinere schönste Sachen, ist diesmal vorgesehen. — Möchten doch schon jetzt recht zahlreiche Aufträge auf oben bezeichnete Kistchen den Weg nach Steinheid finden zu dem Kassierer der vereinigten Glasbläser: Herrn Edwin Koch, Maler in Steinheid, oder auch direet zum Ortsgeistlichen, Herrn Pfarrer Roth. Zu der Freude über diesen schönen Christbaumschmuck im eigenem Heim gesellt sich sür die geehrten Besteller das freudige Bewußtsein, gleichzeitig dazu beigetragerr zu haben, daß ein Schimmer der Weihnachtsfreude auch in die Hütten der armen Glasbläser fällt — und diese Leute sind es werth.
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Der Winter hat bereits sehr eindringlich sein Nahen angezeigt. Der Eintritt der rauhen Jahreszeit mahnt auch ernstlich daran, daß Weihnachten, das Fest der Freude, nicht mehr fern ist. Es beschäftigt schon jetzt die Gedanken Aller, welche in der glücklichen Lage sind, zu geben. Wohl Jeder weiß aus Erfahrung, welches Kopfzerbrechen oft die Auswahl paffender Geschenke beleiht. Es sei deshalb auf einen in dieser Beziehung wirklich practischen Rathgeber hingewiesen, welcher soeben in Gestalt des Weihnachts-Cataloges des Versand-Geschäftes Mey u. Edlich, Leipzig- Plagwitz, erschienen ist. Das uns vorliegende, mit vielen Hunderten von Abbildungen ausgestattete, bei aller Knappheit des Textes doch übersichtliche Preirverzeichniß enthält eine große Auswahl zu Weihnachts-Geschenken sich eignender Luxus- und Bedarfs-Artikel aller Art; dasselbe wird auf Verlangen Jedermann unberechnet und portofrei zugesandt.
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Unter den Zimmerpflanzen sind die Blattpflanzen nun fast ganz zur Ruhe gekommen. Sie brauchen in Folge dessen fast gar keine Nahrung mehr und müssen nur das Wasser, welches sie durch die Blätter verdunsten, ersetzen. -
Man gieße sie deßhalb nur gerade soviel, daß die Erde gleich- mäßig schwach feucht bleibt. Damit soll aber nicht gesagt sein, daß man den Pflanzen nun jeden Tag nur ganz wenig Wasser geben darf. Denn würde man so verfahren, so könnte es sehr leicht Vorkommen, daß die Erde obenauf wohl di« nöthige Feuchtigkeit hat, tiefer unten aber nach und nach vollständig austrocknet. Die Pflanze würde trotz der regelmäßigen Pflege austrocknen. Erde, welche einmal ganz trocken geworden ist, nimmt aber nur schwer und langsam Wasser an und es würde dann auch ein starker Guß wenig nützen, weil dar Gießwafler schnell wieder abläuft. Man gieße also nicht unbedingt jeden Tag, sondern warte mit dem Begießen, bis die Erde nur schwach feucht ist. Man erkennt dies nach einiger Uebung an zweierlei: Erstens daran, daß der Topf, wenn man mit dem Fingerknöchel anklopft, einen Hellen Klang gibt, während ein mit feuchter Erde gefüllter Topf beim Anklopfen dumpf klingt. Auf diese Weise kann man sogar feststellen, wie weit die Erde ausgetrocknet ist. Noch viel deutlicher erkennt man aber das Wafferbedürfniß der Pflanzen an ihren Blättern. Ist die Erde genügend naß, hat sie also noch mehr Wasser, als die Pflanze braucht, so sind die Blätter straff und strotzend.
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Teltower Rübchen nach französischer Methode. Damit die Rübchen ihre appetitliche Farbe behalten, werden sie erst kurz vor dem Zubereiten geputzt. Nachdem dies geschehen, röstet man in reichlich Butter 20 Gramm Zucker braun, fügt eben so viel Gramm Liebigs Fleischextract, etwas siedendes Waffer und das nöthige Salz hinzu und läßt die Rübchen in dieser Brühe langsam gar dünsten. Hierauf verdickt man die Brühe mit einer braunen Mehlschwitze, läßt die Rübchen in dieser Sauce noch einmal aufwallen und serviert sie mit der letzteren.
Literarisches.
Weih«achtsipi«le. Bilder aus der deutschen Geschichte, zu festlichen Aufführungen für Jung und Alt, vou Dr. Leopold Florian Meißner. Mit einem Titclbilde von I. Benk I. Hest. Aus der Zeit der Babenberger. Preis eines jeden Weihnachtsspieles 45 Pfg., des completten Werkes, broch. 4 Mk. 20 Pfg, geb. Mk. 5. — Verlag der Literarischen Gesellschaft, Geschäftsleitung M. Breitenstein, Wien 1896. Das erste Heft liegt bereits vor und gibt eine glänzende Probe von dem ganzen Werke; das erste Hest betitelt sich: Aus der Zeit der Babenberger. Eingeleitet durch einen sinnigen Prolog über das Weihnachtsfest, welcher am besten durch ein Mädchen vorgetragen wird, behandelt das erste Heft eine reizende Episode aus dem Leben des Dichters Walther von der Vogelweide. Herzog Leopold der Glorreiche reitet Weihnachten 1211 in Wien ein. Als Geschenk bringt er der Stadt wichtige Freiheiten und Rechte. Ein Bi.d mittelalterlichen, echt deutschen Städtelebens rollt sich da auf. Walther von der Vogel- weide tritt als Brautwerber für seinen Freund, den reichen Kaufherrn Marguard bei dem gefürchteten Stadtrichter von Wien auf und weiß dessen harten Sinn durch seiner Sprache Gewalt zu erweichen, so daß das Weihnachtsfest durch das Glück eines neugeschlossenen Herzensbundes verherrlicht wird.
Von der ,Jü«str. Geschichte des Krieges 1870/71.* (Union Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart), dem verbreitetsten Werke über den deutsch-französischen Feldzug, sind bis jetzt 14 Lieferungen erschienen. Durch die frische, allgemein verständliche Darstellung, vor allem durch den überreichen Bilderschmuck und durch den fast unglaublich billigen Preis (die Lieferung kostet nur 25 Pfg.) hat das Werk seinen großen Erfolg auch reichlich verdient. Da die nächsten Lieferungen uns gerade in die Kämpfe um Orleans, in die Tage des denkwürdigen Winterfeldzugs an der Loire versetzen, machen wir aufs nene auf die „Jllustr. Geschichte des Krieges 1870/71" aufmerksam; Niemand wird es bereuen, sich das interessante und doch so beispiellos billige Buch an- geschasft zu haben.
W. Heimburgs -«sammel!« Roma«« «nd Novellen. Die illustrirte Ausgabe der Werke von W. Heimburg, einer unserer beliebtesten Erzählerinnen, schreitet rüstig vorwärts. Es liegen uns die Lieferungen 19 bis 24 der neuen Auflage vor, in denen die Erzählung „Kloster Wendhusen" zum Abschluß gelangt und der fesselnde Roman „Ein armes Mädchen" beginnt. Infolge der trefflichen Ausstattung und des billigen Preises ist diese volksthümliche Ausgabe der Werke W. Heimburgs ganz besonders zu Geschenkzwecken geeignet und dürfte jeder Hausbibliothek zum Schmuck gereichen.
Redaction: A. Gcheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Otcindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen-


