Ausgabe 
9.2.1895
 
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mmengefundsn h eingesponnen Tagebuch der i, und daß er as muhte ja siung bringen, zur Besinnung en ihm gegen« gewesen. Sie Sturm würde

t seiner Liebe, träumen aber Welten; blaß, in'S Ohr, wie

my hatte eins annt in ihrem eit seit gestern! warm und der Frühlingewelt versunken mit

tzt die Stimme ihre bej hende auf demselben

estanden. Mit junge Mädchen nehmen Schmit

war entschieden Was verstand

,as ihre! Wie Stimme in das

wirst 'meinen gie sie jetzt end- den.

mg zu machen, i Ende machen sich schwerfällig

>ären nun er« r.

sor, indem eine t stieg.

wieder in ihren nst; da» blaffe oischen ihr und

cofeflor jetzt ihr lester Vermögen »en Rath seine» n, wa» noch ge«

ie rettende Hand ang nur um nmy erregt her«

ähnlich! Nein, !lbst verdienen!" >rig bleiben, al» >en anzuschließen, pf um'» Dasein

e eigene Existenz streite ich nicht, fache. Hunderte er Arbeit haben, Anspruch nähme.

Gs grenzt ja wirklich an Wahnsinn, Emmy, die Hand eines Manne» auszuschlagen, den Du liebst, der Dir eine sichere Existenz bietet, und diese dornenvolle Laufbahn zu wählen. Ein Wort von Dir genügt, ihn zu Dir zurückzuführen, Du wirst die« Wort nicht ungesprochen laffen, nicht wahr, Du gestattest, daß ich ihn aufsuche, ihm sage"

Rein, nein," unterbrach ihn Emmy.

Du willst nicht! Du beharrst auf Deinem Eigensinn!" rief jetzt der Profeffor, dunkelroth vor Zorn.

Emmy hatte sich erhoben.

Du verstehst mich nicht, wirst mich überhaupt nie ver­stehen!" sagte sie mit bebenden Lippen.Jetzt, nun ich weiß, daß ich arm bin, mich mit ihm verloben, nachdem ich gestern ihn zurückgewiesen! O, stehst Du e» denn nicht ein, daß da» unmöglich ist?"

Nein, da» sehe ich durchaus nicht ein," erwiderte der Profeffor. Seine großen blauen Augen ruhten halb bewun­dernd und halb staunend auf dem jungen Mädchen, wie es so vor ihm stand, so stolz und so entschloffen, ein Schicksal auf sich zu nehmen, dem zu entrinnen ihr so leicht gewesen wäre.

Kein Wort der Klage über den Verlust ihres Vermögens, kein Vorwurf gegen ihn, der dasselbe so schlecht verwaltet, kam über ihre Lippen. Sie hatte recht, er besaß kein Ver« ständniß jür ihre durchaus noble, ideal angelegte Natur, er wußte es auch nicht zu schätzen, wie es in dem Dunst des Alltagslebens gleich einem erfrischenden Lufthauch uns anweht, einer solchen Ausnahmenatur zu begegnen, die da wie Emmy ihre eigenen Wege gtng, unbekümmert, ob diese in die trost­loseste Oede führten, wenn sie nur dieselben für recht erkannt hatte. Um solche Erscheinungen da weben und wallen noch die zarten Schleier der Romantik und der Poesie, und durch diese Schleier sehen sie die Welt mit so ganz anderen Augen an, al» ihre Mitmenschen, die dem Leben mit klarem Blick gegenüberstchen und ihre Vortheile in jeder Lebenslage zu wahren wiflen.

Rein, ich kann nicht, ich kann nicht," stöhnte Emmy leise auf, als der Profeffor sie verlaffen und an seiner Stelle das Bild de« Beliebten wieder vor ihr geistiges Auge trat. Ich kann e» nicht, meinetwegen und Sidonten» wegen nicht. Wenn sie doch noch lebte, wenn sie mir noch einmal begegnen, wenn ihre dunklen Augen mich fragend anschauen sollten und ich müßte ihr gestehen, daß ich Dem angehöre, der so schlecht an ihr gehandelt! Und er! O, ich kenne es so genau, das verächtliche Zucken seiner Lippen, wenn von irgend einer klein­lichen Handlung die Rede ist, und müßte er mich nicht der Berechnung zeihen, wenn ich jetzt meine Gesinnung ihm gegen- über änderte? Nein, lieber Alles ertragen, al« kleinlich und berechnend in seinen Augen dastehen!"

Sie ahnte nicht, daß Doctor Schmit in dieser Stunde in ihrer nächsten Nähe weilte. Unruhe, Ungewißheit, Hoffen und Sehnen hatten ihn hergetrieben.

Mit stummer Resignation vernahm er die Eröffnungen öc« Professors. Als auch von Emmy'» veränderten Ver« mögensverhältniffen die Rede war, wie diese ihre Entschlüsse in keiner Weise beeinflußt, sondern dieselben eher gefestigt hätten, da ging ein eigene« Leuchten Über sein Gesicht. Er verstand sie und athmete tief auf, al« fühle er den frischen Lufihauch, von dem sein Freund nicht« empfunden.

.. ,"0 Kind, Kind! rief er,wie willst Du mit diesen meaien Ansichten den Kampf mit dem Leben aufnehmen! Nur etwa» weniger Idealismus und Schwärmerei; etwas mehr Leidenschaft, dann wäre vielleicht alles gut und doch nein, ich möchte Dich nicht anders!"

A^hig und tief erregt lief er im Zimmer hin und er M °n den Flügel. Vielleicht daß ^ Spwche der Gesanges, sie hatte ja so inniges Verständniß dafür, ihr Herz wendete. Er stimmte da» wundersam traurige «ied von Schuman an:

Ich sende einen Gruß, wie Duft der Rosen, Ich send' ihn an ein Rosenangesicht.

ien?,e e*nen Gruß wie Frühlingskosen, ^ch send ihn an ein Rüg' voll Frühlingslicht.

z Aus Schmerzmsstürmen, di« mein Herz durchtosen, Send' ich den Hauch, Dich unsanft rühr' er nicht! Wenn Du gedenkest an den Freudelosen, So wird der Himmel meiner Nächte licht.

Jeder Ton diese« herzbewegenden Liede« drang zu Emmy herüber und trieb ihr die heißen Thränen in die Augen. Tief, tief sang er sich in ihr Herz hinein und liefe sie Alle«, Alles vergessen, nur das Eine nicht, daß sie ihn liebte.

Sollte sie hinüber nach dem. Salon, ihm danken für sein Lied, ihm sagen, daß dasselbe ihr Herz bezwungen? Schon hatte sie sich erhoben, da fiel ihr Blick auf da« Bild Sidonien«. Auch sie hatte e-nst dieser bestrickenden Stimme gelauscht. Zögernd blieb sie an der Thür stehen und nun war der ützte Ton verklungen, sie stand nicht mehr im Banne seiner Stimme und die Vergessenheit aller Dinge, die über sie gekommen während seines Gesanges, wich allmälig von ihr. Wohl be« gann ihr Herz heftig zu klopfen, als sie jetzt hörte, wie er das Hau« verließ, aber sie ließ ihn gehen, sie rief ihn nicht zurück. Ist es die Macht de» Schicksals, die uns zu solchen Handlungen bestimmt? Over sind wir es selbst, die unser Schicksal be­stimmen ?

Ein einziges Wort hätte genügt, die Zukunft Emmys glücklich und sorgenfrei zu gestalten, aber sie sprach es nicht aus und nahm gelassen ein Schicksal auf sich, das sie mit dem traurigsten Alltagsgesicht des Lebens höhnisch anschaute.

Heiß lag die Junisonne Über der Residenz, ihre glühen- den Strahlen brannten sich ein in die Mauern der Häuser, in die Bürgersteige, Alle«, jeder Pflasterstein schien Gluthen auszuströmen.

Wer irgend flüchten konnte aus dieser beängstigenden Schwüle, der vertraute sich dem Dampfroß an, das ihn mit Windeseile davontrug in kühlere Regionen, wo Wälder er­quickend rauschten oder Meereswogen ihn grüßten mit ihren urewigen, herzerfrischenden Gesängen. Za diesen glücklichen, bevorzugten Menschenkindern zählte der Doctor Schmit.

Die Ferien hatten begonnen, und ohne Pflichten, ohne Fesseln, wie er war, durfte er hinauseilen aus dem Häuser« meer, hinaus in die weite, schöne Gotteswelt.

Sein Reiseziel ging nicht allzu sehr in'« Weite; nur in den Thüringer Wald hinein, und von dort aus wollte er nach einer kleinen entlegenen Stadt, in welcher fein Freund, der Professor, seit Anfang Juli am Gymnasium angestellt war. Dort hoffte er auch sicher Emmy wieoerzusehen und ihr Trotz« köpfchen endlich zu besiegen. Schließlich mußte sie ja doch trotz aller idealen Ansichten einsehen, daß die Liebe hier Siegerin bleiben mußte.

So bestieg er denn voll Sehnen und Hoffen die Droschke, die ihn nach dem Bahnhof bringen sollte Vorüber ging es an Häusern, an öffentlichen Plätzen, an Hunderten von Men­schen, die da blaß und müde in der MlttagSgluth durch die Straßen eilten.

Unter diesen wenig Beneidenswerthen befand sich auch Emmy. Sie hatte den neuen Wohnort ihres Schwagers sehr bald wieder verlassen.

Da« trostlose Einerlei der kleinen Stadt, das unthätige, ereignißlose Leben, dazu die gereizte üble Laune ihres Schwa­ger«, die Verstimmung ihrer Schwester, alles das war ihr unerträglich vorgekommen. Ihre gesunde, energisch; Natur bedurfte der Bewegung, des Handelns, des Schwimmen« im vollen Lebensstiom.

So erklärte sie denn eine« Tage«, daß sie den Ihrigen nicht länger wollte zur Lust fallen und nach der Residenz zurückzukehren gedenke, wo sie schon irgend einen Erwerbszweia für sich finden würde. ö

Ihr Schwager hatte nur ein höhnisches Lächeln dieser Erklärung gegenüber, während Elise sie himmelhoch bat, doch zu bleiben, mit der Zeit würde sie sich ja schon an das Leben in der kleinen Stadt gewöhnen. Es sei doch ganz undenkbar daß sie in Berlin allein wohnen könne, dazu sei sie viel zu jung und hübsch. (Schluß folgt.)