Ausgabe 
8.1.1895
 
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unbescholtener Bürger dieser Stadt, al» Universitätslehrer, habe ich doch wohl da» Reckt, darnach zu fragen."

O gewiß, Herr Professor I" versetzte der Beamte ver« ! legen.Es ist uns die Mtttheilung zugegangen, daß stch ein Deserteur unter Ihrem Dache befinde."

(Fortsetzung folgt.)

GeineinirNtziges.

Die Anlage von Winterfutterplätzen für Vögel, besonders in den Obstgärten, lohnt sich reichlich durch insectenfreie Bäume. In der Mitte des Obstgartens wird im Kreise Tannen« oder Fichtenreisig aufgesteckt und in der Erde befestigt; innerhalb des Kreises gibt man auf den Boden Bretter und darüber viel Reisig zu einem Haufen, auf ibcn man Getreideabfälle, Brodbröfel rc. wirft. Die Vögel suchen dadurch Eingang in den Reisighaufen, sind gegen Wind, Schnee und Raubthiere geschützt und vertilgen desto freudiger die schädliche Jnsectenbrut.

O *

Erneuerung von Baumanstrich. Hat man al« Hasenschvtz sür seine jungen Bäume allerlei mehr oder weniger übelriechende Stoffe gewählt (Asa foetida oder Speckanstrich, oder Anstrich mit einer Mischung von Ockno und Ochsenblut), so vergesse man nicht, diesen Anstrich von Zeit zu Zeit zu er« neuern.

Gegen Vie Raupen. Wir erinnern daran, dürre Blätter nicht auf den Obstbäumen zu laffen. Denn in den­selben befinden sich die Nester des Baumweißlings und des Goldasters. Dort, wo man mit den Händen nicht hinreichen kann, senge man die Nester mit einer Raupenfackel ab. Man übersehe auch nicht die Eier des Ringelspinners, die dunklen Ringe um die Zweige.

Behandlung von Pflanzen im Winter. Wenn nach strenger Kälte wieder mildere Tage eingetreten sind, wird man finden, daß alle noch im Freien stehende Pfianzen, wie: Salat, Spinat, Gemüsesetzlinge u. dgl., vom Frost ge­hoben wurden, dieselben müssen einzeln wieder angedrückt werden, weil sie sonst bei der nächsten Kälte sicher zu Grunde gehen. Die Länder mit Schwarzwurzeln, StachyS, Kerbel« rüden und ähnlichem sind soweit zu bedecken, als man auch bei der Kälte frische Gemüse graben will.

Zum Schutze der Goldfische und Salamander. Ein Hauptgrund des frühen AdsterbenS ist der Umstand, daß diese Thiere meistens zu sehr der Sonne ausgesetzt werden. Durch längere Einwirkung der Sonne ist das Wasser so er» wärmt, als habe e« V4 Stunde lang auf dem warmen Ofea gestanden- Daß hierbei die Thierchen zu Grunde gehen müssen, wird jedem einleuchten. In Behältern, wo sich der Salamander nicht abwechselnd aus dem Wasser er­heben und außer demselben ruhen kann, geht er bald zu Grunde. Stets sollte in solchen Behältern ein gröberer, rauher Stein liegen, von dem ein Theil über dem Wasser­spiegel hervorragt. Goldfischen und Salamandern in Be­hältern find jeden Tag etwa» Brodkrumen, Ameiseneier oder ganz kleine Erdwürmchen zu verabreichen und in Ermangelung derselben einige, etwa linsengroße Abschnitte von rohem Fleisch.

Holländische Suppe. Man bedeckt den Boden einer Kasserole mit Nierenfett und Scheiben von fettem Schinken, legt darauf Abfälle von Fleisch und Geflügel, sowie Zwiebelscheiben, WurzUwerk rc. und läßt das Fleisch braun anbraten. Dann gießt man ein Liter Wasser hinzu, läßt

Alle» ein« Stunde kochen, fügt noch zwei Liter Wasser Hei und läßt diese drei Liter Brühe auf zwei L:ter eindünsten. Hierauf gießt man sie durch ein Sieb, kocht sie wieder auf, gibt d einen guten Theelöffel Liebig» Fleischextract bei und serviert sie.

Vermischtes.

Sehr freigebig iu seinen Neujahr-Wünsche« ist ein Einsender Namen» W. in derMagdeb. Ztg.", denn er wünscht Folgendes:

Gute Fahrt den Weltumseglern, Alle Neune" wackern Keglern, Actionären Dividenden, Künstlern viele Lorbeerspenden, Knopflochschmuck den Ordensjägern, Käufer allen Bruchverlegern, Jedem Backfisch viele Tänze, Alten Jungfern Kaffeekränze, Jedem Gasthaus gute Betten, Magerwerdung allen Fetten, Rundung allen allzu Schlanken Und Genesung allen Kranken! Jedem jungen Ehepaar Storchbesuch im neuen Jahr!

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Wünsche sonst noch Mancherlei: Daß der Weinstock gut gedeih', Daß das Obst und daS Getreide Nicht durch schlechtes Wetter leide; Daß kein Riesen-Schneefall stör' Eisenbahn- und Postverkehr, Daß fällt ganz zufälliger Weise Eine Dame auf dem Eise Gleich ein Retter sei zur Hand, Der ihr Hilfe bringt galant; Daß nur wer besitzt Talent, Spielen lern' ein Instrument Und uns nicht ein jeder Stümper Aergre mit Klaviergeklimper, Daß di« Wittwen Tröster finden Und mit diesen sich verbinden;

Daß das Fleisch sei nicht zu theuer, Daß ermäßigt werd' die Steuer, Daß jed' Ferkelchen und Schwein Bleibe von Trichinen rein, Daß im Bier nur Malz und Hopfen, Doch von Glyzerin kein Tropfen; Daß kein hohler Zahn Euch plage, Keine Reu' am Herzen nage, Daß Euch keine Sorge drücke Und kein enger Stiefel zwicke, Daß der Frauen Wirthschaftsgeld Bis zum Monatsschlusse hält!

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Wünsche sonst viel Gutes noch: Jedem Baß das tiefedoch", Jedem Operncomponisten Einen guten Librettisten, Allen edlen Dichterlingen Die von Lenz und Liebe singen, Mitleidsvolle sanfte Wesen, Welche ihre Verse lesen, Obdach allen Heimathlosen, Ruhig Blut den Herrn Franzosen; Ruheplätze allen Müden, Allen Nationen Frieden;

Jedem treuen Liebespaar Baldigst Trauung am Altar, Jedem durstgeplagten Zecher Einen schäumend vollen Becher, Jedem Schlasraum gute Luft, Strafe jedem falschen Schuft, Licht auf Treppen und auf Treppchen, Tod den Schleppen und den Schleppchen, Feldern fruchtbare Durchfeuchtung Und dem Reichstag viel Erleuchtung! Guten Muth in allen Tagen, Frisches Hoffen, neues Wagen!

Rebection: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schm Druckerei Er. Ehr. Pietsch) in Gieren.