Ausgabe 
3.9.1895
 
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414 -*

Straße hinunter näch der Mottlau und merkte kaum, daß

sein Freund hereintrat. ,

Guten Abend, Arthur, entschuldige nur, lieber Junge, daß ich Dich warten ließ, - ließ mich erst fein machen, aber rote geht es Dir denn?" t _ ....

Danke gut, lieber Karl - Dir doch hoffentlich auch."

Ja, Arthur soll Dich auch grüßen von Hans Richter werden ihn heute Abend sehen."

Ach, das ist ja schön."

Doch, nun wollen wir uns nicht mehr aufhalten," sagte Hellmuth,habe Droschke gleich warten lassen. Halt erst noch Cigarren. So darf ich Dir anbieten,« Herr Bau« meister?"

Danke Dir, Karl," sagte Heyd lächelnd.

Also immer noch sparsam mußt ja reich werden, entgegnete Hellmuth; und fort ging es nach dem Clubhause.

Nach denGeschichten aus dem Wienerwald" wogten schon im angefüllten Saale die Paare, als dis Freunde ein­traten. Da waren prächtige Costüme, graciöse Edeldamen, mittelalterliche Ritter und Fürsten verschiedener Nationen, Mönche in ihren langen Gewändern, Dominos und wer wollte die Masken alle aufführen, die den großen Saal füllten.

Noch sehe ich keine Bekannten," sagte Hellmuth, als sie durch das erste Nebenzimmer schritten, doch im zweiten wurden sie freudig begrüßt. Arthur fand einige Bekannte, einige Herren wurden ihm vorgestellt und in fröhlichster Unterhaltung faßen bald alle zusammen beim Schoppen Echtes.

Arthur, ich komme Dir Eins!" rief der dicke Doctor Lenzmann. \ , ,

Prosit, Herr Baumeister, auf frohes Wiedersehen!" rief Hauptmann Heino.

Prosit Doctorchen ich komme nach, Freund Heino," entgegneteHeyd und in fröhlicher Stimmung stießen die Krüge aneinander-er _ Ihr war!" rief Hans Richter.Lassen wir uns eine Bowle brauen, das ist doch das einzig Richtige."

Bravo! Bravo, Hans! Jawohl, natürlich," waren die gleichzeitigen Antworten. Sogleich wurde die Bowle bestellt und auch sehr bald gebracht, und bei frohester Stimmung dachte keine Seele an's Tanzen.

Ah! Da kommt ja Lieutenant von Walten," rief von Hartung und ging ihm einige Schritte entgegen.

Guten Abend, von Hartung pünktlich da? Guten Abend, meine Herren," grüßte von Walten die Gesellschaft.

Guten Abend, Herr Baron," klang es zurück und der dicke Doctor reichte ihm ein volles Glas.

Herr Baron von Walten Herr Baumeister Heyd," stellte Hellmuth vor.

Sehr angenehm sehr erfreut," und wiederum stießen die Gläser aneinander.

Kann leider nicht hier bleiben, habe Damen drinnen," sagte von Walten.

Natürlich," bemerkte Heino.

Meine Braut und Tante," entgegnete Walten.

Ah - dann Entschuldigung," sagte Heino.

Aber später," bemerkte Walten,dann gehen wir in's Hinterzimmer a revoir, meine Herren, beaucoup de plaisir, und er entfernte sich.

Famoser Kerl, prächtiger Gesellschafter, dieser Walten, sagte Hartung und füllte sein Glas.

Aber in's Hinterzimmer gehe ich heute nicht, erwiderte der dicke Doctor,denn morgen muß ich sehr früh auf."

Hellmuth aber flüsterte Heyd in's Ohr:Toller Junge, der von Walten ist überall und furchtbar leicht spielt hast Du eine Ahnung?" Arthur lächelte.

Die zweite Bowle wurde gebracht und wieder und immer

wurde-

Die große Uhr am Ende des Saales zeigte zwölf, und da der Tanzordner Demasktrung ansagte, so wollten die Freunde noch einige Augenblicke verweilen. Vor Hellmuths Augen entpuppten sich viele Bekannte.

Heyd dagegen sah nur nach seiner Dame, die einige Schritte von ihm die Maske entfernte und ihm wieder un­verwandt in's Auge sah-

Der Baumeister schritt zurück, er fühlte das Blut nach seinem Herzen gehen und stützte sich plötzlich aus Hellmuth« Schulter.

Um Gotteswillen, Mensch, was hast Du denn nur, Di siehst ja aus wie eine Winterlandschaft." Und eiligst führte er seinen Freund in ein leere« Zimmer, während der Kellner Selterswaffer brachte. Heyd trank und erholte sich auch bald, denn in diesem Zimmer war es kühl. j

Aber sage nur, Arthur, wie kommt es denn nur, dar hattest Du doch früher nicht, freilich bei dieser Hitze im Saal, da ist es ja auch kein Wunder!"

Nun, es ist ja wieder vorüber," sagte Heyd,es kam überraschend."

Trink' noch einmal, Arthur, und dann laß uns zu den Anderen gehen, die uns ohnehin schon vermissen."

Karl," sagte Arthur,lieber Karl, sei mir nicht böse, wenn ich nicht mehr mitkomme, es ist jetzt wirklich für mich besser, wenn ich fortgehe. Entschuldige mich, bitte, bei den Herren und entschuldige auch Du mich, ein anderes Mal werde ich Dich auch nicht mehr so erschrecken, verlaß Dich daraus-

Nun, Arthur, so leid es mir auch thut, daß Du nicht hierbleiben kannst, so kann ich Dir auch nicht zureden, denn Du wirst es ja wohl am besten fühlen."

Hellmuth verständigte die Gesellschaft und im Trabe ging es zum Legethorbahnhof, wo sie gerade noch den letzten Zug erreichten. ,

Arthur versprach seinem Freunde, ihm morgen einige Zeilen zu senden, Karl dagegen alsbald seinen Besuch; M gute Besserung" undauf Wiedcrseh'n" schieden die Freunde und der Zug setzte sich in Bewegung.

Der Baumeister, der anfangs nach Hause fahren wonie,

Heyd nahm da« Buch zur Hand, aber wie erstaunte er, | wieder klangen die Gläser. Ter Baumeister, der wohl tänzeü sein eiaenes Werk Kritik der neuesten Eisenbahnbauten" in | konnte, aber keine Lust dazu empfand, entschuldigte sich, um vittt« vorWnden. Er Witt zum Fenster, dessen das sröhliche Treiben im Saale zu beobachten Der Maitre Scheiben Malerei- und Butzenscheiben waren, er sah die stille I verkündete gerade ein Damen-Engagement. Das Orchester Straüe binunter näch der Mottlau und merkte kaum, daß spielte denlustigen Krieg und im bunten Gewühl drehten ich die Paare durcheinander. Heyd freute sich des bunten llnblicks; doch wie erstaunte er, als er eine Dame in ein- acher, aber gediegener Ballrobe mit rosa Maske sich durch- rrängend auf sich zukommen sah, die sich stumm verneigte. Der Baumeister verbeugte sich, durchtanzte einmal den Saal, ührte die Dame nach ihrem Platz und bat, um nicht un- Bescheiden zu erscheinen, um den nächsten Tanz. Er bewun­derte die herrliche Figur dieser Dame, ihr starkes, dunkel­blondes Haar und nahm sich vor, beim Tanz nach ihren Augen zu sehen. Nach nicht zu langer Pause spielte die Musik den ewig schönen Donauwalzer. Heyd tanzte, aber er kam nur bis zur Mitte des Saales, dann entstand ein Gedränge und verschiedene Paare konnten sich nur langsam fortbewegen, wie es ja gewöhnlich der Fall ist, wenn zu viel Tänzer sind. Zwei himmelblaue Augen sah Heyd gleich leuchtenden Sternen auf sein Antlitz gerichtet. Unverwandt blickten sie hinauf, als könnten sie diese hohe Siegfriedsgestalt nicht genug be- wundern, nicht genug erhaschen von den milden Zügen dieses ernsten und doch so hübschen Gesichts. Dem Baumeister wurde sonderbar um's Herz; er tanzte nach dem Ende der Saales, führte die Dame nach ihrem Platz und dankte freund- lichst für die Ehre, die er gehabt.

An der Thür empfing ihn schon Hellmuth, der ihm mit freudiger Miene auf die Schulter klopfte.

Nun sage mal, Theuerster, Du segelst ja durch den Saal so leicht und behend wie meine Najade nach Hsla und ich suchte Dich schon in sämmtlichen Winkeln."

Arthur erzählte nun, wie er wider Willen zum Tänzer