Ausgabe 
3.8.1895
 
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sagen/ bemerkte sie erregt.Ich bin nicht so schwach, daß ich nicht das Schlimmste, was Sie mir möglicherweise mit« Meilen haben, ertragen könnte, obwohl ich kaum glaube, daß es mich so tief berührt, als Sie zu meinen scheinen."

Graf Treville lächelte bitter.

Ich habe nur Ihrer Bitte zu gehorchen, Lady Marston/ fuhr er fort,und das will ich in möglichster Kürze thun. Die ganze Angelegenheit ist einfach folgende: Es scheint, als sei mein Bruder einst ein eifersüchtiger und gleichzeitig groß« müthiger Bewerber gewesen, denn als die erste Verzweiflung über die Gewißheit, daß Miß Merrick für immer für ihn verloren sei, vorüber war, ist er ehrenwerth genug gewesen, in einem höchst kritischen Moment die Rolle eines Bruders und Freundes Miß Merrick gegenüber zu übernehmen. Er war sowohl bei der geheimen Trauung von Philipp Biddulph und Miß Merrick, als auch bet der Taufe ihres Kindes als Zeuge zugegen . . , bevor sie in ein fernes Land zogen, wozu sie gezwungen waren. Und in dem Packet, das nicht eher geöffnet werden sollte, als bis seine Tochter das bestimmte Alter erreicht haben würde, befanden sich unter Anderem Zeugnifle über diese Ereignisse, die er aufbewahrt hatte für den möglichen Fall, daß sie nöthig werden könnten . . . welcher Fall denn auch eingetreten ist. Sie werden einsehen, daß ich jedenfalls verpflichtet bin, den testamentarisch hinterlassenen Weisungen meines Bruders zu folgen und ehe ich das thue, fühle ich mich verpflichtet, Sie davon in Ksnntniß zu setzen, daß wahrscheinlich ein Erbe lebt, der auf die Titel und Reich- thümer, die Sie besitzen, Ansprüche erhebt. Es scheint, daß Philipp Biddulph eine geheime, aber völlig legale Ehe mit Miß Merrick einging, lange bevor sie England verließen und das Kind geboren wurde, dessen Pathe mein Bruder war. Aber nachdem dies Alles geschehen war, sie ihre Heimath ver­lassen hatten und der Einfluß, den Frau Biddulph auf ihn schien ausgeübt zu haben, vergangen war, regte sich in meines Bruder» Seele von neuem die Bitterkeit enttäuschter Liebe. Dann vernahm man nichts als hie und da einige Nachrichten über den Schiffbruch den Dampfers, auf dem sie sich befunden hatten, und sie und ihr Kind schienen tobt und vergessen zu sein. Das dem Zeugniß beigefügte Memorandum theilt mir den Namen des Schiffes mit, auf dem sich das junge unglück­liche Paar befand, und obwohl ich nach dem, was mein Bruder sagt, eher vermuthe, daß er das Packet hinterließ, um sich an Miß Merrick zu rächen, so habe ich doch volle Beweise, daß das in Frage stehende Schiff Schiffbruch litt und auch, daß es noch gar nicht so sicher ist, daß das Kind auch wirklich mit seinen Eltern umkam."

Sie wollen mich darauf vorbereiten, daß ich meiner Stellung keineswegs sicher bin und daß möglicherweise ein anderer Erbe der Biddulph» am Leben ist?" sprach Lady Marian leise.

Ich gestehe, daß das meine Absicht ist," war des Grafen Antwort.

Darf ich fragen, ob das Kind ein Knabe oder ein Mäd­chen ist?" fragte sie endlich.

Ein Mädchen," versetzte der Graf ernst.

Ein seltsamer, unerklärlicher Schmerz erfüllte bei dieser Antwort Lady Marians Brust.

"So darf ich wohl annehmen, daß Sie glauben, das i?m, a.m ^ben und in der Lage, feine Identität zu be- weifen? sagte sie mit heiserer Stimme.

Ich glaube, es lebt .... aber was die Beweise an- belangt, kann ich mir darüber kein Urtheil anmaßen," entgeg« nete der Graf.Es genüge, Lady Marston, daß ich Sie vor den Thatsachen, die zu meiner Kenntniß gelangt sind, gewarnt iwt ;r ' im Uebrigen muß ich die Entscheidung einem höheren ""heil und einem maßgebenden Richterspruch überlassen."

Lady Marston lächelte spöttisch.

Beruhigen Sie sich, Mylord. Ich werde in keinen Streit « geblichen Erbin gerathen,. sobald ich von dem Recht überzeugt bin," sagte sie.Aber allerdings v aa$ nicht gesonnen, das Erbtheil meiner Vorfahren einer Betrügerin zu überlassen, sogar wenn dieselbe sich auf

Lord Faros eigenthümliches Vermächtnis an seine Tochter stützen kann." .

Graf Treville verneigte sich und stand auf, um sich zu verabschieden.

Ich habe eine schmerzliche Pflicht damit erfüllt, daß ich Sie gewarnt habe, Lady Marston," sprach er,und es wäre ebenso betrübend für mich, wenn ich gezwungen sein sollte, meines Bruders ernster Bitte nachzukommen und zu finden, baß die erhobenen Ansprüche unzweifelhafte Berechtigung haben. Wenigstens werden Sie mir die Gerechtigkeit widerfahren lassen, mir das zu glauben, Lady Marston?"

Ich muß Ihnen glauben, Mylord," erwiderte sie,aber ich kann nicht versprechen, Ihre Meinung zu theilen, so be­friedigende Gründe Sie auch dafür zu haben meinen."

LXVII.

Wirklich, Mama, Du hast sehr unklug gehandelt," sagte Triffa Digby eines Morgens, indem sie die Zeitung auf den Tisch warf.Lies hier diese Anzeige, worin eine hohe Be­lohnung versprochen und Cora dringend gebeten wird, sich bei ihren Freunden zu melden, da sehr wichtige und erfreuliche Miitheilungen ihrer harrten. Denke nur, wenn Monsieur Beauclerc Recht hätte und sie sich als eine reiche Erbin ent­puppte."

Du bist ein phantastisches Kind, Trissa," erwiderte Frau Digby.Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Aufforderung eine Art Falle ist, um diese Cora einzufangen. Doch trotz­dem müssen wir der Sache einigen Glauben schenken. Wie, wenn wir die Bekanntmachung sowohl Deinem Onkel und dem Herzog von Dunbar, als auch Lord Belfort zuschickten, da das Geheimniß jetzt ja allgemein bekannt zu sein scheint und sie zweifellos mit des Grafen Flucht nach dem Duell zu thun hatte ... ich erinnere mich genau, davon in den Zeitungen gelesen zu haben und außerdem habe ich auch einige Beweise, von denen Niemand etwas ahnt .... ich besitze eine kleine Kette, die sie zurückgelaflen hat."

Sie nahm ein kleines Kästchen aus ihrer Tasche, da» eine goldene Gliederkette enthielt, auf welcher zwei Buchstaben eingravirt waren, die man aber mit dem bloßen Auge nicht entziffern konnte.

In diesem Augenblick wurde heftig an der Hausklingel gezogen und gleich darauf der Herzog von Dunbar gemeldet.

Ah, Durchlaucht, Sie sind uns sehr willkommenI" be­grüßte Frau Digby ihn erregt.Soeben beklage ich meine Hilflosigkeit, nicht so, wie ich wollte, in Bezug auf da» Mäd­chen handeln zu können, das Jeden, der es kennen lernte, so ungemein interesstrte."

Sie sprechen vermuthlich von Miß Cora, an welche im heutigen Morgenblatte eine Aufforderung erging, die mich zu Ihnen führt," erwiderte der Herzog sehr kühl.Durch Sie, Frau Digby, möchte ich mich versichern, wo sie möglicherweise zu finden ist. Wenn ich mich nicht irre, waren Sie die Letzte, unter deren Obhut sie lebte; da werden Sie jedenfalls auch wissen, wohin sie sich dann gewendet hat."

(Schluß folgt.)

Madame Sans Gsne.

Roman »ach Victorten Sardou und F. Morr»«». Deutsch von Adel« B«r»er.

(Fortsetzung.)

Gossin antwortete achselzuckend:Geduld! Der Herzog von Braunschweig wird uns ihrer bald entledigen." Und er fügte hinzu:Wenn nur diese losgelaffenen Teufel nicht da« Bombardement herbeiziehen."

Im selben Augenblicke fuhr ein rother Lichtschein durch den Raum und ein flammender Körper schlug auf eines der Häuser an der Ecke des Platzes nieder, während gleich­zeitig eine starke Detonation die Fenster des Stadthauses er­zittern ließ.

Da haben wir es!" rief der Bürgermeister,Das