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Melbourne kam ihn in Fannys fagten ihm, daß zögerte er noch zlich erscholl aus ö ich eilte, dem jung auch war,
hätte ich meine Gertraud in ihrer Hilflosigkeit sollen warten lassen?
Arthur ließ sich täglich nach ihrem Befinden erkundigen, wenn er nicht selbst kam. Er schrieb häufig kurze Billets — sehr sörm.ich und höflich — worin er uns bat, diese ober jene Erquickung für die Kranke anzunehmen, man könnte ihm, meinte er, das Recht, ihr jede Erleichterung, die in seinen Kräften stände, zu bieten, gar nicht versagen.
Und diese Erleichterungen fanden kein Ende. Noten, Bilder, Geflügel, Weine, Marmeladen, — was schloffen sie nicht Alles in sich?
Gertraud pflegte zu lächeln, wenn sie all' die Dinge sah.
„Er hat Dich sehr lieb, Christa," äußerte sie, „Richard sagte es mir."
Gertraud wurde nicht kräftiger. Die R che vermochte nicht, sie wieder gesund zu machen, denn Schwäche und Mattigkeit waren ihr bis auf den Grund ihres Lebens gedrungen. Hin und wieder aber fühlte sie sich wohl genug, mit mir zu reden, und so konnte ich Stück für Stück ihrer traurigen Geschichte aneinander reihen.
Der Mann, welcher sie zu lieben behauptete, hatte ihren Lebensfaden durchschnitten.
Er liebte sie wirklich, wie ich mich später selbst überzeugte ; aber es mar nicht die Liebe, welche eine Blume pflückt, um sie innig und sorgfältig am Herzen zu tragen, sondern welche sie mit rauher, unbarmherziger Hand an der Wurzel abreißt.
Er hatte sie zu überreden vermocht, daß sie sich heimlich mit ihm entfernte; von Melbourne aus — so hatte er ihr gesagt — könnte sie uns dann schreiben und über ihr Verbleiben uns beruhigen. Dort angelangt, untersagte er ihr aber jede Mittheilung nach Hause und leugnete, ihr obiges Zu- geständniß je gemacht zu haben.
Die Polizei war ihm auf der Spur und das wußte er. Der Mann, deffen Leichnam später in dem Waffer gefunden worden war, hatte an der Bucht auf ihn gewartet, da dort der einzige Weg vorüber führte, welchen er mit Gertraud einschlagen konnte, wenn er unbemerkt entkommen wollte. Es kam zum Ringkampf zwischen den beiden Männern und ob der Polizist in das Wasser hinuntergestoßen wurde oder ausglitt und hineinfiel, das wußte Gertraud nicht. Sie schauderte sichtlich, als sie von dieser Scene sprach.
„Richard versicherte mir, der Mann könnte schwimmen und befände sich durchaus nicht in Gefahr," fuhr sie fort. „Er meinte, zögern hieße unsere einzige Chance verlieren und damit zog er mich nach der Stelle mit sich fort, wo die Pferde, für die er gesorgt hatte, unserer warteten. In der Hast und Verwirrung mußte ich mein Medaillon verloren haben, ich vermißte es indessen erst später.
Unser Geheimniß verfolgte mich auf Schritt und Tritt; ich kam mir vor wie eine Mörderin, weil ich nicht nach H lfe gerufen hatte, als ich das Waffer über dem Kopfe des Mannes zusammenschlagen sah, Richard aber wollte davon nichts hören. Es schien sein Gewiffen nicht im Geringsten zu beläsiigen und mir blieb schließlich nichts weiter übrig, als die ganze Sache zu vergeffen.
Mir war zu der Zeit noch nicht Alles bekannt, was Richard gezwungen hatte, Deutschland zu verlaffen und die Rolle einer Dame zu spielen, in der ich ihn zuerst kennen lernte. Er erzählte mir die verschiedensten Geschichten, schließlich aber reimte ich mir aus denselben die Wahrheit zusammen und kannte nur noch den einen Wunsch, wieder daheim bei Euch zu sein.
Ach, Christa, ich glaubte glücklich zu sein, als ich mit ihm ging, und statt deffen ward ich so namenlos elend. Wir wurden getraut, bevor wir uns nach Melbourne einschifften, — daran habt Ihr doch nicht gezweifelt? Er hatte mir alle Freuden und Vergnügungen versprochen, die ich mir wünsche» würde und Du weißt ja, ich war immer ein thörichtes Mädchen und sehnte mich »ach schöneren Kleidern und kostbareren Schmucksachen, als Oscar sie mir zu geben vermochte. Jetzt aber habe ich empfunden, daß derartige Schätze Keinen glück
lich machen können- Motten und Rost können fie zerstören, Diebe sie stehlen. Du bist von jeher klüger gewesen al» ich, Christa, und hast es viel eher gewußt, als ich.
Richard überschüttete mich mit Allem, aber trotz alledem fühlte ich mich unendlich unglücklich und dann auch wurde meine Gesundheit schwankend. Ich wurde ernstlich krank und Richard fing an, mich viel mir selbst zu überlaffen-
Als ich nun so allein dalag und mich Niemand in meiner Noth tröstete, da fragte ich mich, wie ich es ermöglichen könnte, zu Euch zurückzukommen. Du, Christa, würdest mich nicht so verlassen haben. Es hat mich Niemand so lieb wie Du und ich glaube, ich kann niemals ohne Dich sein.
In jenen Tagen träumte ich oft von Dir. Ich stand am Rande der Bucht und hörte Dich meinen Namen rufen; ich versuchte zu antworten, aber immer zeigte fich dann ein Gesicht auf dem Waffer und machte mich verstummen. Oft erwachte ich unter bitteren Thräaen.
Endlich stand mein Plan fest. Richard wagte ich nicht davon etwas merken zu lassen. Ich nahm alle die Kleider und schönen Dinge, die er mir geschenkt hatte, verkaufte fie der Reihe nach und verbarg das dafür gelöste Geld, und eines Tages, als er ausgegangen war, ließ ich ihm ein kurzes Billet zurück und lief davon.
Möglich, daß er mir nachkommt, aber ich hoffe es nicht. Ich denke, er wird sich in diese Gegend nicht wagen; außer der Polizei fürchtet er auch Arthur; und wenn es einen Menschen in der Welt gibt, vor dem er Achtung hat, so ist es sein Bruder.
Und nun gib mir einen Kuß, Christa. Jetzt, wo ich wieder bei Dir bin und Du Dich meiner annirnmsi, gerade so wie in alten Zeiten, frage ich nach nichts weiter. Ich bin Dir damals eine gute Schwester gewesen, aber ich denke, ich werde Dir nicht länger mehr zur Lasi fallen und Du wirst Deiner Gertraud Alles verzeihen."
Sanft und weich sprach sie dann von Zeit zu Zeit von der Reise, welche vor ihr lag, — einer anderen als der nach Melbourne, — selten nur von ihrem Gatte». Auf ihren Wunsch las ich ihr zuweilen aus der Bibel vor, einem theure» Andenken unserer seligen Mutter, welche sie ihren „beiden kleinen Töchtern" gemeinschaftlich hinterließ.
Es war, als wären die alten Tage unserer Kindheit wiedergekehrt. Damals waren wir Zwei uns Alle? in Allem gewesen und auch jetzt war es wieder so. Die Welt außerhalb Gertrauds Krankenzimmer trat uns fern und verschwand uns allmälig in schattenhaftem Dunkel.
Endlich kam ein Morgen, der uns Alle an Gertrauds Lager versammelte — Oscar, Fanny und mich. Die Trennung war nahe und diesmal wußten wir, wohin sie ging. Ich h-elt sie in meinem Arm und gedämpft tauschten wir die letzten Liebesworte aus.
„Vergiß mich nicht, Christa — versprich es."
Ich versprach es.
„Sage Oscar, daß er mir vergeben möge und auch Fanny bitte darum."
Sie vergaß, daß sie an ihrer Seite standen. Nienand war ihren Gedanken so nahe, wie ich. An mich klammerte sie sich bis zum Ende.
„Wir werden glücklich fein, wenn Du kommst. Ich weiß es jetzt. Weine nicht. Der Himmel will es, daß ich vorangebe."
Das waren ihre letzten Worte. In meinen Armen schlummerte sie sanft in die Ewigkeit hinüber.
Leise trat Jemand an meine Seite und legte den Arm um mich. Es war Arthur- Oscar kam von der anderen Seite, legte Gertraud behutsam in dis Kiffen zurück und da wußte ich, daß sie von uns gegangen war.
Gertraud, meine vor Kurzem noch so blühende Schwester, hatte ausgelitten!
(Schluß folgt.)


