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Auch Roman empfand nur Freundschaft für Lomtefse I Gräfin, indem sie ihre Lectüre unterbrach. „Ich denke, wir Spiridia. Sein Herz trug keine neuen Blüthen mehr und haben vorläufig hier unsere Aufgabe gelöst und sind zu ent-
seine Braut vermochte trotz ihres Liebreizes, ihrer Anmuth behren. Ein frischer Geist ist in Lygotta eingekehrt und unsere
keine wärmere Empfindung in ihm zu wecken. Er vermied Mühen sind von den herrlichsten Erfolgen gekrönt worden,
jeder Alleinsein, jede Vertraulichkeit mit ihr, wenn er auch nie* Der Verwalter ist zuverlässig und verrichtet seine Geschäfte
malr versäumte, mit vollkommenster Aufmerksamkeit auf ihre tadellos. Roman und Spiridia werden bei ihrer Heimkehr
Wünsche zu achten und ihr mit den tausendfachen Galanterien ein schönes, entzückendes Dahe m vorfinden, an dem sie sich erden Brautstand zu versüßen, ohne welche eine Polin demselben freuen können, und es ist wünschenswerth wenn sie längere
gar keinen Reiz abgewinnen kann. Zeit in hrem häuslichen Behagen ungestört bleiben. Sie leben
Und Spiridia war mit Roman zufrieden, es fiel ihr gar I sich miteinander ein und probiren dabei, ob sie eines Anderen
nicht ein, mehr von ihm zu verlangen. Das ruhige Freund- zu ihrem Glücke bedürfen/
schaftsqefühl, welches sie für ihn hegte und das er erwiderte, I „Auch ich habe bereits an die Abreise gedacht, erwiderte war sehr angenehm und genügte ihr. — Und so war das I der Graf. „Unsere verehrte Casimrra braucht nur noch zu sonderbare Brautpaar mit stillem Gleichmuth vor den Trau- bestimmen, wann die Koffer gepackt werden sollen, dann bin altar getreten, als wenn niemals die Seligkeit und Wonne I ich bereit !"
einer heißen Liebe und Leidenschaft ihre Herzen berührt hatte „Ich, warum ich?' fragte diese erschreckt.
und der Bund für das Leben wurde geschloffen. „Sie sollen mit uns nach Jutroschin kommen, Mirka,"
Schon gleich nach der Verlobung hatte der Graf Kwilecki I fiel rasch Gräfin Antonia ein. „Es ist unser herzlicher Wunsch, Schritte gethan, um die mißlichen Vermögensverhältniffe seines I Sie einige Wochen bei uns zu sehen I"
Schwiegersohnes zu ordnen und auf's Beste zu arrangiren- I „Ach, liebste Antonia, ich — ich komme ja gern, aber —"
Schmul wurde bezahlt und erhielt den Abschied- Ein ersah- I stotterte die Edelfrau, denn ihr Herz rebellirte bei dem Ge- rener und zuverlässiger Verwalter war engagirt worden, unter I danken, den Edelhof zu verlaffen, der ihr nach all' den Sturm« dessen Obhut und umsichtiger Bewirthschaftung die vernach- I und Drangperioden der vergangenen Jahre zum Eldorado, zum lässtgten Aecker und Felder schon nach kurzer Zeit ein anderes I Schauplatz des sorglosesten und wohlthuendsten Lebens ge* Ansehen erhielten und recht gute Ernte versprachen. Prächtige I worden war.
Pferde, schöne Milchkühe, sowie eine Menge Rinder und Klein* „Kein Aber, Sie müssen mit," lachte die Gräfin, vieh wieherten, brüllten, blökten und grunzten in den Ställen I Frau von Bielinska senkte den Kopf. „Die Kinder brau* und das alte Herrenhaus war einige Wochen lang der Tummel- I $en mich hier," flüsterte sie, „mein Roman kann mich nicht platz einer Menge Bauhandwerker und Künstler, welche dasselbe I entbehren. Ec braucht meine Fürsorge, meine Zärtlichkeit, von innen und außen einer gründlichen Reparatur unterwarfen I ^lbst meine kleinen Capricen und Extravaganzen. — Lachen und in ganz neuem Glanze erstehen ließen. x I Sie nicht, Antolka, es ist so, mein Sohn wird mich bei seiner
So waren alle materiellen Sorgen und scheinbar auch I H^mkehr schmerzlich vermissen!"
alle inneren Conflicte auf's Beste beseitigt und nun konnte man I Ach was, Roman hat seine Frau, denken Sie doch nach,
von der Verbindung der einzigen Sprößlinge zweier hoch- I er ist verheirathet!"
angesehenen Familien nur Glück und Freude erwarten. Gräfin I ga doch, ja! — Aber er hat mir eine elegante Troika
Antonia hatte wirklich sehr schön und richtig combinirt, sie war I versprochen mit einem Trakehner-Dreigespann — ich will täg-
befriedigt. Ohne große Mühe hatte sie ihre lebhaften Wünsche ^ch darin spazieren fahren, ich will —"
erreicht. — Und Frau von Bielinska? Ach, die dicke Pani I „Himmel, hören Sie auf!" rief die Gräfin, während sie schwamm förmlich in Wonne und Entzücken. Der Traum poch lustiger lachte. „Sie können auf unseren Gütern über ihres Lebens war erfüllt. Roman hatte eine reiche, vornehme I e|n Dutzend Equipagen verfügen und spazieren fahren, so oft
Frau — und sie Confitüren aus dem Orient und Toiletten I unb viel Sie wollen. Schütteln Sie nicht den Kopf, Liebe,
aus Paris. Was wollte sie noch mehr? | Ihr Sträuben hilft nichts. Sie reisen mit uns und damit
Eine Woche nach der Hochzeit des jungen Herrn von Bie- I
linska lag das Herrenhaus von Lygotta wieder still und ruhig I Die Edelfrau versuchte noch einmal mit der Miene einer da, wie verschlafen. Sämmtliche Gäste hatten den Edelhof Märtyrerin Protest einzulegen, aber es gelang ihr nicht, verlassen und das junge Ehepaar war nach dem Süden ab- „Sie werden sehr bald davon überzeugt sein, daß Sie gereist, nach der schönen, sonnigen Riviera. In Nizza, Monaco I te$t unb klug handeln, wenn Sie das junge Ehepaar eine und Montecarlo, den Sammelplätzen der reichen polnischen öeit ^ng allein in Lygotta wirthschaften lassen." Mit diesen Aristokratie, sollte es auf Wunsch der Gräfin Antonia die I Worten brachte die Gräfin die Sache zu Ende.
Flitterwochen verleben. , , I Die arme Pani Casimir« seufzte recht schmerzlich, aber
Rach all'dem blendenden Sonnenschein und der dreitägigen I „ [ätmeE nroar rotir rte keineswegs Über*
Sommerwärme war gleichsam Über Nacht der strenge nordische
Winter in'S Land gezogen. Schwarzgraue, dunstige Nebel- betrachten, versprach sie, auch diesmal den Wunsch
massen wälzten sich über die Fluren, die Temperatur war kalt S erfüllen
und unbehaglich und drohende Wolken zogen am Himmel hin m braufeen tönten plötzlich heftige Stimmen in's Zimmer und her, bis sie sich in ein unablässiges Schneegewirbel auf- I Dann folgte ein lebhafter Wortwechsel vor dem Hause, lösten, langsam auf die arme, aller Schönheit entkleidete Erde 9 ' Mickalinas hoher Discant sehr breit machte. Tyras
herniederrieselten und sie in ein weiße» Leichentuch einhüllten. b LbenddaMischen
Im großen Eckzimmer des Schlößchens saßen die Kwileckis Was ist das?" fragte aufhorchend die Gräfin.
und Pani Casimirs vor dem breiten Marmorkamm, in dem " ' . H LA. . J hl. »6ür neRffnet unb m,
ein großer Berg Birkenholz loderte, der mit seiner flammenden Är «ckwelle
und sprühenden Gluth den ganzen Raum behaglich erwärmte, alte Köchin erschien aufgeregt und puterroth auf ch • Der Samowar mit dem dampfenden Gebräu stand auf dem I „Jesus, rief ärgerlich Frau von Bielinska aus, »roQ8 Tische und Jascha, das hübsche, neue Stubenmädchen, servirte fällt Dir ein, was hast Du vor ? Warum reißt Du so um mit großer Zierlichkeit den Morgenthee. anständig die Thür auf und weshalb machst Du schon in aller
Die Edelfrau wippte im bequemen Schaukelstuhl gemäch- Frühe solchen schrecklichen Lärm?"
sich hin und her. Ihre Augen strahlten vor Glück und über „Ach, liebes Herrgottchen, der alte Wytek ist draußen dem kugelrunden Gesicht lag der Ausdruck heiterer Zufrieden- und will partout in's Haus Und da» geht doch nicht an
heit. Gräfin Antonia blätterte in französischen Journalen, Der mfame Trunkenbold! Mit solcher Package geben wir uns während ihr Gatte, eine Cigarette rauchend, mit langsamen nicht ab, nicht wahr? - Die halten wir uns vom W* Schritten das Zimmer durchmaß. „Wir können ja anhören, was er von uns wlll, sagt
„Wann wollen wir abretsen, Stanislaw?" fragte die I ruhig der Graf. „Er hat vielleicht etwas über feine Pflege*


