Ausgabe 
28.8.1894
 
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Gott erbarme sich unser! Ein solches Unglück!" jam­merte die Mutter-Ich hab's gleich gedacht, gleich gefürchtet, als ich Dich mit dem Lieutenant kommen sah! Ach Gott, es ist schauderhaft, höchst traurig, so etwas zu erleben! Reiße ihn heraus aus dem Herzen, armes Kind, wende Deine Gedanken von ihm ab, vergiß ihn, es muß ja sein. Ihr könnt Euch nie heirathen!"

Dann legte sie zärtlich ihren Arm um die Schultern der immer noch schwankenden Tochter und führte sie sorglich in ihr Schlafstübchen.

Da leg' Dich hin und ruhe ein bischen, bis Dir besser wird, mein armes Kind," sagte sie.Und verliere nur nicht gleich den Kopf! Du bist noch ein Kind und es ist das erste Herzeleid, aber Du kannst nicht wissen, was Dir noch für Glück im Leben bevorsteht und war für Freuden Dich erwar­ten. Viele Mädchen haben noch schwerere z Prüfungen über­winden müssen und Du wirst noch einen Andern lieben lernen noch früher vielleicht, ehe Du alt genug bist, eine gesetzte Hausfrau zu werden. Annie, hörst Du mich?"

Ja, Annie hörte, was die Mutter sprach, aber ihr Herz weigerte sich leidenschaftlich, aus ihren Worten Trost zu schöpfen. Sie fühlte, daß sie niemals einen andern Mann lieben konnte, al« Franz Bernthal, und daß sie ihm die Treue halten würde bis zum Grabe.

Auf dem weichen Mädchenbette lag ein neues Kleid, das sich Annie zur nächsten Reunion gewünscht hatte und mit dem die gute Mama sie heute überraschen wollte.

Nimm das Kleid weg, nimm es weg!" schrie sie auf, als ihr Auge darauf fiel, und sie deckte zusammenschaudernd ihr Gesicht mit den Händen.

Die Räthin seufzte leise, dann trug sie still das schöne Kleid aus dem Zimmer.

Das Mädchen ist ganz von Sinnen," murrte sie,und daran ist nur der stattliche Offizier schuld. Wie konnte er es nur über sich bringen, einem so jungen Dinge den Kopf zu verdrehen!"

Annie sank wie vernichtet auf ihr Bett, sie wäre am liebsten gestorben. Stundenlang lag sie regungslos da, mit auf der Brust zusammengekrampften Händen und weitgeöffneten, thränenlosen Augen, und starrte in'« Leere. Die Thür hatte sie verschlossen, sie wollte allein sein mit ihrem Schmerz, selbst der Mutter öffnete sie auf ihr Klopfen nicht.

Der Tag verrann und die Nacht brach an. Annie sah den Mond auf- und untergehen.

Jetzt war Bernthal wohl schon fort und fern von ihr, ganz fern, und sie sah ihn niemals wieder auf der Welt. Aber vergessen wollte sie ihn nicht und wenn er tausend Meilen da­von wäre. Ihr Herz wollte vor Jammer brechen.

Unten im traulichen Parterrestübchen Fräulein Brunners, der liebenswürdigen Hauswirthin, saß die Frau Rath auf dem grünen Plüschsopha und klagte dieser ihr Leid. Das alte Fräulein war ganz Ohr und zeigte viel Theilnahme, wenn sie auch nichts dazwischen redete und still in ihrem Sessel saß.

Sehen Sie, er hatte gar keine Ahnung von unsern Ver­hältnissen," erklärte die Räthin,trotzdem bethörte er das Kind. Ich kann ihm nicht so viel Geld geben, um seine Schulden zu bezahlen und dann auch noch Caution stellen, damit er den Consens zur Heirath bekommt. Ich bin keine reiche Frau! Das hätte er als Offizier, der nicht ohne Weiteres heirathen kann, vorher bedenken sollen, ehe er sich mit Annis verlobte! Oder soll sie ihre Jugend vertrauern und zehn Jahre auf ihn warten, bis er vielleicht zum Major befördert wird? Da wird ihm die alte Jungfer auch nicht mehr gesallen man kennt das! Es fiel mir recht schwer, meine Einwilligung zu versagen, doppelt schwer, weil ich sah, wie sehr er selbst unter den traurigen Umständen litt, aber ich konnte nicht anders. Nicht aus Mangel an gutem Willen, sondern lediglich aus Mangel an dem nöthigen Geld mußte ich meine Einwilligung zu der Heirath versagen."

Sie erzählen mir da recht traurige Dinge, gnädige Frau und ich hatte auch schon so eine Ahnung," sagte Fräulein Brunner bewegt.Du lieber Herrgott, mir thun die beiden

Liebesleute herzlich leid und ich möchte ihnen gern helfen. Ich will dem Oberlieutenant Geld borgen, er kann es mir im Laufe der Zeit mit Zinsen wiedergeben!"

Einen Augenblick war die Räthin sprachlos, dann er­widerte sie erregt:Um Gotteswillen, Sie sind wohl nicht bei Tröste, Fräulein Brunner! Nehmen Sie es mir nicht übel aber was denken Sie wohl, wie viel er braucht? Zehntausend Gulden hat er allein nöthig, um seine Schulden zu bezahlen. Ich fiel beinahe in Ohnmacht, als ich's hörte! Zur Caution gehören aber rund fünfzigtausend Gulden. Das sind große Summen!"

So viel? Das dachte ich nicht dann allerdings bin ich auch nicht wohlhabend genug, um beizustehen. Ich bildete mir ein, ich könnte ihm mit ein paar tausend Gulden, die ich auf der Bank habe, aus der Noth helfen. Ich hätte es gern gethan, schon um die jungen Leute glücklich zu machen, denn was gibt es für uns Menschen im Alter wohl eine größere, edlere Freude, als das Glück der Jugend zu fördern. Schabe, daß ich nicht über mehr Geld verfügen kann, denn mein bis­chen Vermögen ist in zwei Häusern angelegt. Aber vielleicht kann ich doch eine Vereinbarung treffen, die dem Herrn Lieu­tenant Bernthal hilft- Ich will einmal mit meinem Rechts­anwalt darüber sprechen!"

Sie sind außerordentlich gütig, Fräulein Brunner, aber ich mag Ihnen nicht dazu rathen," rief hartnäckig die Räthin. Das Geld müßte Ihnen doch sichergestellt werden, das wird der Lieutenant aber nicht können, und ich übernehme so große Verpflichtungen nicht. Keine Ruhe würde ich haben bei Tag und bei Nacht, denn nichts ist mir mehr zuwider, als Schulden­machen. Er muß schon sehen, wie er fertig wird in der Welt, denn leichtsinnig ist er doch auch gewesen und Annie ist noch jung, sie wird ihn vergessen lernen."

Ehe sie das thut, da glaube ich eher, daß dort der Berg einfällt," sagte das alte Fräulein Brunner mit ungläubigem Kopfschütteln.

Aber Sie bedenken gar nicht, wie jung sie ist," versetzte die Räthin ungeduldig,und wenn sie noch häßlich wäre und sich kein Anderer um sie kümmerte, als er, so wäre die Sache allerdings sehr traurig. Aber Annie ist doch ein hübsches, und noch sehr junges Mädchen und wird wohl noch einen anderen Verehrer finden, den sie lieben und heirathen kann."

Aber Fräulein Brunner schüttelte wieder den Kopf.

Nachdem die Frau Rath Göhren sie verlassen hatte, ging Fräulein Brunner nachdenklich im Zimmer auf und nieder. Dann setzte sie ihren besten Hut auf, band die altmodische seidene Mantille um und machte sich auf den Weg zur Stadt,

In größter Aufregung war Bernthal in seiner Wohnung angelangt. Oft war der unglückliche junge Mann wie geistes­abwesend. Er warf sich in einen Sessel und stöhnte und ächzte wie in Todesqualen. Jetzt war er allein und durfte ungesehen seinen grenzenlosen Schmerz austoben lassen.

Lange Zeit blieb er in diesem entsetzlichen Zustande, er­schüttert bis in« tiefste Innere- Im Geiste erblickte er Annies bleiches, trostloses Gesicht, wie er es zum letzten Mal gesehen, starr, versteinert, in hilfloser Angst und Qual.

Es war furchtbar für ihn, sich vorwerfen zu müssen, daß er die Herzensruhe des unschuldigen Mädchen» zerstört hatte.

In leidenschaftlich hervorbrechender Aufwallung vergoß er Thränen- Unaufhaltsam strömten sie hervor er weinte, wie er seit seinen Kinderjahren nicht geweint hatte. Ein Klopfen an seiner Zimmerthür ließ ihn auffahren.

Es war sein Bursche, der herein kam und ihm ein in ein rosafarbenes Couvert geschloffenes Schreiben überreichte.

Von Lady Campello," berichtete der Bursche,das Kammermädchen der gnädigen Frau brachte ihn soeben!"

Mit Gleichgiltigkeit nahm Bernthal den Brief entgegen, öffnete langsam den Umschlag und entfaltete den parsümirten Bogen. Keine Miene verzog sich in seinem Gesicht, als er die feinen Schriftzüge überflog. Dann wandte er den Kopf und

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