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Donnerstag? den 29. Mrz.
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Die Wallfahrt nach Czenstochau.
Roman von Johanna Berger.
(Fortsetzung.)
Der junge Edelmann kam schneller näher. Al« er die hell vom Monde beschienene schlanke Mädchengestalt bemerkte, war er mit wenigen hastigen Schritten an ihrer Seite. Er faßte nach den kleinen kalten Händen, die sie ihm willenlos überließ.
„Jadwiga!"
„Sie, Pan Roman, Sie?" sagte sie fast unhörbar.
„Ja, ichl — Und Gott sei gepriesen, ich finde Dich end» lich, nachdem ich Dich lange vergeblich gesucht habe- Aber wie kalt Du bist, armes, armes Kindl Wie konntest Du nur nach diesem verrufenen Orte gehen, so spät, in tiefster Nacht? Siehst Du nicht die giftigen Dünste aus dem See steigen, die Dein Leben in Gefahr bringen?"
„Wer fragt danach?" erwiderte sie leise und traurig.
„Ich, ich, Jadwiga! Ach, ich bin beinahe vergangen vor Angst um Dich. Aber nun laß uns schnell heimgehen, hier ist's schaurig I Komm!"
Sie preßte die Lippen aufeinander und versuchte ihre Hände aus den seinen zu befreien. „Lassen Sie mich, Pan Roman," stammelte sie, „Ihr Weg ist nicht der meine — ich kehre nicht wieder nach Lygotta zurück — ich kann keinem Menschen dort unter die Augen treten. Nein, nein, niemals mehr!"
Sein Gesicht verfinsterte stch, er umschloß die zitternden Mädchenhände noch fester-
„Sprich nicht mehr davon, ich weiß Alles! Arme Jad> wiga, man hat Dir entsetzlich wehe gethan. Doch von nun an stehst Du unter meinem Schutz. Keiner soll wagen, Dir auch nur ein Haar zu krümmen. Und wenn man Dich ver- achtet, will ich Dich verehren und Dich niemals verlassen!"
Sie schüttelte abwehrend da» Haupt. „Sie sollen keine Mühe davon haben, Pan Roman, ich gehe noch in dieser Stunde fort, vielleicht nach Posen, wo Niemand mich kennt."
Ronian» braune Augen ruhten voller Wehmuth auf ihren schönen, todtblaffen Zügen
„Ich bitte Dich, gib diesen Gedanken auf. Du willst in die unbekannte Ferne ziehen, — Du, die Du fast niemals von hier fortgekommen bist? Du, ein schwaches, zartes Mädchen, willst den Kampf mit dem Leben aufnehmen, Dich Gefahren aussetzen, von denen Du kaum eine Ahnung hast, um endlich unter fremden Leuten ein klägliche» Unterkommen zu finden?
— Und hast Du schon daran gedacht, was Dein Fortgehen Denen bedeutet, die Dich lieb haben, die Deiner lieben Nähe bedürfen? Hält Dich denn kein Gefühl der Pflicht, der Zuneigung für Die zurück, welche Deine Kindheit beschützt und behütet haben?"
Sie schluchzte laut auf, ihr Kopf sank ihr auf die Brust nieder. „Sprechen Sie nicht so, das bricht mir das Herz. Wie sollte ich jemals meine Wohlthäter vergessen, wie sollte ich sie nicht lieben? Wie sollte ich Lygotta vergessen? Dort war meine Heimath, meine Welt- Gottes reichster Segen über Alles! Doch ich — ich muß scheiden, ich muß meine süße Hei» math verlassen!"
Ihre Lippen zuckten im heißesten Schmerz, ein weicher Schimmer, ein Ausdruck namenlosesten Kummer» lag in den blauen Sternen, die stch angstvoll in die seinen senkten.
„Aber warum denn, warum?" brauste er auf. „Warum willst Du un» verlassen?"
„Ich kann nicht mehr leben hier, ich kann'» nicht!" schrie sie auf. „Die Schande bringt mich um, der Boden brennt mir unter den Füßen, ich muß fort, sonst ersticke ich!"
„Du bist thöricht, Jadwiga, und Deine Aufregung reißt Dich hin, morgen wirst Du ander» darüber denken. Bor allen Dingen mußt Du Dein Vorhaben aufgebe«, denn ich lasse Dich nicht. Mir mußt Du folgen, mit mir mußt Du gehen, ich bringe Dich nach Lygotta zurück, Deiner Heimath, wie Du sagtest. Komm', folge mir, vertraue mir, Du sollst e» niemals bereuen!"
„Nein, ich kann nicht, ich darf nicht!" stieß sie hastig au». „Es wäre so schön in Ihrer Hut, Pan Roman, aber es kann nicht sein, ©intnal werden Sie mir vielleicht noch danken für den Schmerz, welchen ich Ihnen jetzt bereite. Möge Gott mir verzeihen, wenn ich Unrecht thue !"
„Ja, Du thust Unrecht," entgegnete er im ernsten, eindringlichen Ton. „Du denkst nur an Dich und SDdne vermeintliche Schande. Du mußt das verschnnrzen und an Deine nächsten Pflichten denken -■ ja, Deiner Pflicht mußt Du Dich beugen, die zuerst darin besteht, Deine Wohllhäter nicht durch Dein Fortgehen zu verletzen und zu betrüben- Meine Mutter kann Dich nicht entbehren, doch Du willst in die Weite ziehen, Dir und Deinem Stolz zu Liebe, während die alte Frau Dei- ner Hülfe bedarf und mit Groll des undankbaren Mädchens gedenkt, das sie schmählich verlassen hat!"
Jadwiga sah nachdenklich vor stch hin, ihre blauen Augen waren in die Ferne gerichtet, nach jener stelle, wo der Edelhof lag. Kalter Schweiß stand ihr auf bet Stirn und Röche und Bläffe wechselten in rascher Folge aus ihrem Angesicht. Sie zögert» mit der Antwort.


