so habe ich in dieser Sache weiter nichts zu sagen. Ich be­dauere, daß Sie einer so unangenehmen Scene ausgesetzt waren, Frau Baronin.....Sie haben zwar meine Liebe

zurückgewiesen, doch meine Freundschaft nehmen Sie an, nicht wahr? ... Als ersten Freundschaftsdienst ersuche ich Sie um den, Lord Rawdon bitten zu dürfen, daß er sich zurückziehen möge."

Es würde das Beste fein," flüstert Lola.

Eine dunkle Röthe bedeckt Arnos soeben noch so bleiche

Wangen.

Ja, ich gehe," murmelt er finster.Ich gehe, bevor ich den letzten Rest von Männlichkeit und Selbstachtung verliere. Haben Sie mir nicht« mehr zu sagen, Baronin Medsort? Kein einziges freundlicher Wort?"

.Nein."

Lola wendet ihm ein hochmüthiges, kaltes Antlitz zu.

Mit einer tiefen Verbeugung verläßt Lord Rawdon das Zimmer.

Welch' eine Scene," sagt Lola tief aufathmend.Wie kann ein Mann so heftig sein l" ~ c

Es thut mir für Lord Rawdon leid," entgegnet Gerald ernst.Ich weiß, wie er Sie liebt"

Wollen Sie mir auch noch eine Lection erteilen?" fragt sie in neckischem Tone.Auch Du, Brutus?"

Er tritt dichter an sie heray und blickt ihr tief in die

Augen.

Theure Frau Baronin, sehen Sie mich an! Besinnen Sie sich! Haben Sie keine andere Antwort sür mich, als wie vorhin?"

Es thut mir wirklich leid. Rein."

Traurig neigt er das Haupt.

Sie sind sehr jung," sagt er ernst,und kennen vielleicht die Welt noch nicht genügend. Sie sind schön und liebens, werth. Deshalb sollten Sie sich hüten, in dem Herzen eines Mannes falsche Hoffnungen zu erwecken. Es schmerzt so tief."

Unwillkürlich fährt er bei den letzten Worten mit der Hand nach dem Herzen.

Schnell ergreift Lola dieselbe und dOckt sie warm.

Ich möchte nicht, daß Sie leiden," sagt sie lebhaft,ich habe Sie sehr gern."

Er lächelt schmerzlich.

Gern haben und lieben ist zweierlei, Lola. Ich hatte gehofft, Sie in mein trautes, verwittertes Schloß zu bringen, unter die uralten Eichen, zu meiner guten, treuen Mutter es sollte nicht sein."

Lola wendet das Köpfchen ein wenig zur Seite, um ein Lächeln zu verbergen. Ein altes Haus unter alten Bäumen mit einer alten Schwiegermutter als Wächterin! . . - Diese» Bild hat für sie durchaus nichts Verlockendes.

Ich verlaffe London in den nächsten Tagen," fährt Gerald leise fort.Ich kann hier nicht bleiben, wo all' meine Hoffnungen zu nichts wurden. Doch bitte ich Sie um Eines: Sollten Sie jemals eines Freundes, eines Beschützers bedürfen, so rufen Sie mich. ... Sie lächeln. ... Sie denken, jung, schön und reich, wie Sie sind, können Sie niemals in Roth gerathen- Ich hoffe es von Herzen. Doch vergessen Sie niemals: In mir haben Sie einen Freund für Ihr ganzer Leben."

Müssen Sie wirklich gehen?" fragt sie verstimmt. Warum denn? Ich sehe keinen Grund. Ach, wie glücklich wäre die Welt ohne die dumme Liebe!"

Wider Willen lächelt Gerald ein schmerzliches, weh. müthiges Lächeln.

Sie sind ein Kind, Lola. Leben Sie wohl!"

Er hält ihre Hand lange mit festem Druck in der feinen. Dann geht er- - . >

Als die Thür sich hinter ihm geschlossen hat, bedeckt Lola ihr Antlitz mit beiden Händen.

Sie weint weint zum ersten Male in ihrem Leben heiße, bittere Thränen.

Xi.

Eine Woche ist vergangen. . . . Lola lacht jetzt über ihre sentimentale Anwandlung nach Baron Geralds Abschied.

Welch' einen Unsinn die Beiden schwatzten! Man sollte wirklich meinen, die Männer seien alle verrückt. Mögen sie dieses schreckliche Fieber immerhinLiebe" nennen ich nenne es einfachWahnsinn"! So dachte Lola.

Dabei zuckt fie unmuthig mit den runden Schultern und zieht die feine Oberlippe spöttisch in die Höhe.

Sie will über die Männerwelt regieren, sie zu ihren Füßen sehen, sich mit ihr amüsiren aber nicht sich um sie grämen. Sie will, daß die Männer sie lieben sollen, wie der Schmetterling die Rose, daß sie eine ganze Saison hindurch ihre ergebenen Sclaven sind, sie beständig ihrer unwandelbaren Liebe versichern und ihr dann in der kommenden Saison, wenn sie ihrer Ritterdienste überdrüssig ist, unbefangen freundlich gegenübertreten, um Anderen Platz zu machen. ... So ist'r bequem!

Während der ersten Tage hatte Lola ihre beiden ab. gewiesenen Liebhaber doch ein wenig vermißt Lord Rawdon, der sie durch seine Leidenschaft erschreckt und zugleich gedemüthigt, hätte sie leichten Herzens aufgegeben.

An Geralds offene Züge jedoch, an fein stets gleichmäßig freundliches Wesen dachte sie mit einem leisen Bedauern- Aber die Episode mit den Beiden war nun einmal vorbei. Wozu sich grämen? Es gibt ja viele Vergnügungen auf der Welt! Jst's nicht diese, so ist's eine andere.

Während die schöne, leichtherzige Frau bereits wieder über neue Triumphe nachdenkt, verbringen die beiden Männer, in deren Leben sie so tief eingegriffen, trübe Tage.

Baron Gerald war sofort nach seinem alten Schloß ab. gereist. Der sonst so heitere, lebensfrohe Jüngling ist düster und in sich gekehrt- Dort, in dem großen, traulichen Wohn­zimmer, wo feine Wiege gestanden, dort kniet er vor der guten, alten Mutter nieder, birgt seinen Kopf in ihrem Schooß und schüttet ihr sein ganzes Herz aus. Dort empfängt er den Trost, den nur ein treues Mutterherz zu spenden vermag.

Die alte Dame empfindet einen ehrlichen Zorn gegen die Frau, die ihren Sohn so unglücklich gemacht, und gibt dieser Empfindung kräftigen Ausdruck. Abwehrend schüttelt Gerald das Haupt.

Nicht so, Mutter, Du thust mir wehe. Sie ist nicht so schlecht, wie Du glaubst. Nach dem heutigen Tage wollen wir nicht mehr über sie sprechen. Ich ertrage es nicht. Aber Eines versprich mir: Denk' nicht in Groll ihrer! Uebertrage die Zuneigung, die Du für Deinen Sohn hast, auch ein wenig auf die Frau, die seine einzige wahre Liebe ist."

Ein heftiger Kampf spiegelt sich in den feinen Zügen der alten Dame. Sie soll die Frau'»lieben, die ihren Sohn un­glücklich gemacht. ... Sie zögert.

Mutter," flüstert Gerald innig,liebe Mutter, thu es um meinetwillen."

Die blauen Augen blickten so flehend, so vertrauensvoll, der Baronin Hastings ist es, als sei der stattliche Mann da vor ihr noch das Kind von früher, das mit süßer, bitten, der Stimme dem Mutterherzen eine Gewährung abzuringen versucht- Noch ein kurzer Kampf dann nimmt sie den blonden Kopf zärtlich zwischen ihre Hände und murmelt: , Jch werde es versuchen, Gerald um Deinetwillen."

Lord Rawdon war gleich nach jenem unglückselige» Auf« tritt in seine Wohnung geeilt und hatte sich in seinem Arbeite, zimmer eingeschlossen. Leidenschaftliche Liebe, verletzter Stolz, Zorn, Haß, Verzweiflung die widersprechendsten Gefühle verwirren fast seine Sinne. Er fühlt sich wie zerschlagen an Leib und Seele. Nur Ruhe Ruhe. ...

Ruhe! Der Gedanke daran erscheint ihm wie Hohn. Das Blut rennt mit rasender Geschwindigkeit durch seine Adern und läßt fast den Herzschlag stocken- In seinen Schläfen klopft es, als solle er wahnsinnig werden. Wirre Gedanken jagen einander. Er ballt die Faust und preßt die Zähne fest zusammen, um nicht laut aufzuschreien.

Wie soll er sie los werden, diese entsetzlichen Gedanken,