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GenreiirnützigeS.
Mittel gegen das Wnndliegen der Kranken. Ein erprobtes Mittel gegen dieses schmerzhafte und lästige Nebel ist folgendes: Zwei oder drei weiße Rüben — Steck' rüben, Brassica rappa — werden in Stücke geschnitten, in ein Tuch gethan und der Säst ausgepreßt. 60 Gramm frische, ungesalzene Butter werden hierauf am Feuer zerlaffen, wobei man darauf zu sehen hat, daß die Butter nicht ins Kochen komme und brandig werde. In diese Butter wird der ausgepreßte Rübensaft gethan, und beides wird so lange gerührt, bis es ein salbenartiger Brei wird. Derselbe wird auf Leinwand gestrichen und täglich zweimal frisch auf die Wunden gelegt.
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Hügelpflanzung für Obstbäume. In kalten und feuchten Bodenarten, wo der Boden stch nicht gehörig erwärmt, ist es sehr zu empfehlen, Obstbäume auf künstliche Erhöhungen des Bodens zu pflanzen, die sich P/2 bis 2 Fuß über das Niveau de» Terrains erhöhen können.
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Um die Raupen von den Obstbäumen ferne zu halten, bespritzt ein Gärtner im Frühjahr, wenn die Knospen schwellen, die Bäume mit Kalkmilch, welcher Tabaks- brühe beigemischt ist. Zum Spritzen benutzte er die Werder'sche Spritze, welche stch ausgezeichnet dazu eignet. Soll das aller» beste Mittel zur Vertilgung der Raupen fein!
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Porzellan-Nesteier. Wie jedem Hühnerzüchter bekannt ist, bedürfen die Hühner zum Eierlegen einer gewissen Anregung. Zu diesem Zwecke läßt jeder Züchter ein oder zwei Resteier in dem Reste liegen- Am besten hierzu empfehlen sich die Porzellan-Nesteier, welche im Innern hohl und am stumpfen Ende mit einem feinen Loche versehen sind, welches die Plaggeister des Geflügels, die Milben, Läuse und sonstiges Ungeziefer, benutzen und durch dasselbe sich in die innere Höhlung des Eies zurückziehen, in welcher sie nun ungestört mit ihrer Brut warm und sicher sitzen. Dem Züchter liegt nun ob, sein Geflügel von diesen Blutsaugern auf einfache und kostenlose Art zu befreien, indem er zeitweise die Porzellan- Eier aus dem Neste nimmt und in siedendes Waffer während einiger Minuten legt, wodurch das Ungeziefer vernichtet wird. Aus diesem Grunde sind alle anderen Nesteier, wie solche von Gyp», Glas, Holz, entschieden zu verwerfen. Die vollen Nesteier von Gyps sind überdies zu schwer, während die natürlichen Eier, welche viele Züchter einfach als Nesteier liegen loflen, rasch faul werden, also verloren sind, dann auch in diesem Zustande leicht zerbrechen, das ganze Nest mit Inhalt verunreinigen und die Stallluft verpesten.
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Behandlung der Goldfische im Aquarium. Die Fütterung geschehe nie mit Brot oder einer Nahrung mit Gerbstoff, sondern mit Oblaten, Ameiseneiern, Fliegen, Eidottern, Salat u. s. w. Namentlich ist Salat eine Lteblings- speise der Goldfische. Man gebe aber nur am dritten oder vierten Tage Futter, weil das Ueberfüttern Brand und Verstopfung verursacht, woran sie sterben. In den Monaten November, December, Januar und Februar füttere man sie gar nicht, was in der Natur des Fisches begründet ist, und im März, April und Mai sehr mäßig, weil der Magen an den Futterstoff nur nach und nach sich wieder gewöhnt. Wer diese Regeln befolgt, behält den Goldfisch 10 bis 12 Jahre frisch und gesund.
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Kalbsgekröse mit abgefchmälzten Nudelfleckchen. 2 Pfd. Kalbsgekröse, Salz, Fett und 3/4 Pfund Mehl nebst 4 Stern in Nudelflecke ausgerollt, in kleine viereckige Stückchen geschnitten, in Salzwaffer rasch abgekocht, ab- gegossen und mit Butter und kleiner Zwiebel abgeschmälzt.
Eingesandt.
Da ich auch in diesem Jahre öfter wegen Bücher, die zu Confir- mationsgeschenken geeignet sind, gefragt werde, so lass- ich das im vorigen Jahre veröffentlichte Verzeichniß nochmals abdrucken. Wenn diejenigen, welche davon Gebrauch machen können, sich dieses Blatt vielleicht ausheben wollten, so würde es dann in künftigen Jahren genügen, nur auf neu erschienene Bücher aufmerksam zu machen.
Ein besonders schönes Geschenk für Eonfirmanten ist ja immer die Heilige Schrift. Da möchte ich besonders auf Sie neue revidirte Ausgabe (Halle, Kanstein'scher Verlag, Mk. 5) aufmerksam machen, ferner auf die schöne illusirirte Sternbibel (Leipzig Hinrich's Verlag, Mk. 16), ferner auf die ganz treffliche Ueberf setzung des Neuen Testaments von Weizsäcker (Freiburg, Mohr, Mk. 4.)
Treffliche Hilfsmittel zum Verständnis der heil. Schrift sind: Behrmann: Einleitung in die Heil. Schrift.
Schneller: Kennst du das Land? Bilber aus dem gelobten Land (Leipzig, Wallmann, Mk. 6).
Ninck: Auf biblischen Pfaden, (Hamburg, Mk. 6).
Aus der religiösen Erbauungsliteratur nenne ich:
Kolde: Gebetswort mit Gotteswort auf alle Tage des Jahres, jungen Christen dargeboten, (Hamburg, Rauhes Haus, Mk. 1,20, in Goldschnitt Mk. 2,20).
W. Baur: Beicht- und Communionbuch, Mk. 3.
Delitzsch: Beicht- und Communionbuch, Mk. 4.
Wiese: Wie wird ein Jüngling seinen Weg unsträflich gehen? Berlin Wiegand und Grieben, Mk. 2,75.
W eitbrecht: Heilig ist die Jugendzeit, Mk. 5. Maria und Martha.
E. Siedel: Der Weg zur ewigen Jugend. (Leipzig. E. Naumann, Mk. 3,50.)
Blau: Die Jünglingsgestalten der heiligen Schrift. Karlsruhe. Evang. Schristenverein. Mk. 2.
H. Rocholl: Gedenke an Deinen Confirmationstag. Gotha. F. A. Perthes. Mk. 3
Gerok: Palmblätter, Stuttgart, Greiner und Pfeiffer, Mk. 3—18.
— Blumen und Sterne, — — Mk. 5.50.
Spitta: Psalter und Harfe, Bremen, Heinsius, Mk. 1,30—15. Rogge: Allzeit im Herrn, Leipzig, Hirt und Sohn, Mk. 12,50. Julius Sturm: Palme und Krone, Bremen, Heinsius, Mk. 6. Hammer: Leben und Heimath in Golt, Leipzig, Amelang, Mk. 6. Lud. Richter: Christenfreude in Lied und Bild, Leipzig, Dürr, Mk. 4,50. Paul Gerhardt: Geistliche Lieder (in verschiedenen Ausgaben).
Zur Förderung der Kenntniß und Erkenntniß des Christenthums dienen z. B.
Uhlhorn: Kampf des Christenthums mit dem Heidenthum, Stuttgart, Gundert. Mk. 4.
Baum: Kirchengeschichte für das evangelische Haus, München, Beck, prachtvoll illustrirt, Mk. 14.
Sell: Aus Religions- und Kirchengeschichte Mk. 4.
— Kirchcngeschichte in Vorträgen Mk. 4.
Rade: Luther's Leben, Thaten und Meinungen, 3 Bände, Neusalz, Oeser, Mk. 18.
Blaikie: Leben Livingstones.
Bornemann: Unterricht im Christenthum.
Für Mädchen sei noch ganz besonders empfohlen: Amalie Sieveking: An meine jungen Freundinnen, Mk. 1,50.
Für gereiftere auch:
Wiese: Euphrosine, Mancherlei Frucht zur Geistesnahrung weiblicher Jugend, Berlin, Wiegand und Grieben, Mk. 4.
Aus weiterem Kreise wären zu nennen:
Freytag: Bilder aus der deutschen Vergangenheit, Leipzig, Hirzel, Mk. 34,25, auch in einzelnen Bänden.
Gedichte von Uhland, Geibel, (für Knaben, Bef. „Juniuslieder" und „Heroldsrufs") und der treffliche „Christoforus" vom Rocholl.
Für musikalisch Gebildete eignet sich unser neues Choralbuch, auch die schöne Sammlung „Geistliche Lieder", Herausgegeben von Dr. Kretzschmar, Leipzig, Grünow, Mk. 7 und 12.
Zugleich möchte ich hier auf die schöne Ausgabe des Gesangbuchs mit Noten Hinweisen und seine Anschaffung recht empfehlen.
Ein besonders schönes Geschenk sind immer Bildwerke. Das Beste vom Besten bleiben immer die köstlichen Werke von Ludwig Richter, sein „Vaterunser", „Sonntag", „Unser täglich Brot", „Die vier Jahreszeiten", „Neuer Strauß füt'S Haus" re. (Mk. 4—12). Sinnigeres, gemüthvolleres und zugleich reizvolleres hat unsere deutsche Kunst kaum hervorgebracht. Leider sind sie in ihrem bescheidenen Holzschnittgewand durch die aufdringlichen modernen Prachtwerke zu sehr in den Hintergrund geschoben worden. Aber während man dieser bunten Eintagsfliegen bald überdrüssig wird, kehrt man immer wieder von Neuem zu Richter zurück, und entdeckt darin immer neue Tiefen. Neben ihm seien noch die beiden Werke von Hofmann: „Gedenke mein" und „Kommt zu mir" (Breslau, Wiskott, je 25 Mk.) genannt, die zwar etwas weich, aber von weihevoller Schönheit sind.
Gießen, den 21. März 1894.
Gg. Schlosser, Pfarrer.
Redaktion: 21. Scheqda. — Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (3 r. Ehr. Pietsch) in Gießen.


