Ausgabe 
25.1.1894
 
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Gemeinnützige*.

Versengte Wäsche. Hat man mit dem Plätteisen die Wäsche versengt, so kann man, ohne der Wäsche im Ge« ringsten zu schaden, diesen Uebelstand wie folgt beseitigen: Man bereitet aus 100 Gramm Chlorkalk und 900 Gramm heißem Wasier eine Chlorkalklösung. Nachdem sich dieselbe ge­klärt hat, taucht man darin einen Wattenbausch oder ein leine­ner Läppchen und bestreicht damit leise die versengten Theile der Wäsche. Hat man gestärkte Wäsche, z- B. Oberhemden, Kragen, Manschetten rc. mittels des Plätteisens versengt, so muß vor der Behandlung der Wäsche mit der Chlorkalklösung die Stärke mittels heißen Wafferr beseitigt Werden. Sobald die versengte Stelle verschwindet und die Wäsche wieder heiß wird, wäscht man mit kaltem Waffer gründlich die Chlorkalk­lösung aus.

Vermischtes.

Woher die Sitte der Silberhochzeit stammt, darüber mag Mancher schon nachgedacht haben, ohne sich des­halb darüber klar geworden zu sein. Der Mönch de Clugny, der dieChronik vom Jahre 1000-1040" verfaßt hat, be­richtet in derselben hierüber Folgendes: Als Hugo Capet, der um's Jahr 987 König von Frankreich wurde, einst die Vor­städte von Paris besuchte, um hier die Erbschaft eines ver» storbenen Oheims zu regeln, der in den verschiedenen Orten große Besitzungen hatte, fand er auf einer derselben einen im Dienste seines Verwandten ergrauten unverehelichten Diener vor. Derselbe war seinem Herrn von ehedem 25 Jahre hin­durch so ergeben gewesen, daß er von diesem fast als Familien­glied betrachtet wurde- Auf derselben Farm aber und ebenso lange Zeit wie jener Alte befand sich eine nicht minder be­jahrte Dienerin, welche ebenfalls niemals verheirathet gewesen war. Auch sie war die arbeitsamste, ergebenste der weiblichen Untergebenen des Oheims des Königs gewesen. Nachdem dieser nun, der in der Geschichte als liebenswürdig und human ge­schildert wird, von jenen Beiden gehört, ließ er dieselben vor sich kommen und redete zuerst die Frau folgendermaßen an: Dein Verdienst ist groß, größer noch, als der dieses Mannes, der immerhin groß genug ist; doch die Beständigkeit bei der Frau hinsichtlich der Arbeit und des Gehorsams ist viel schwerer. Und deshalb will ich Dir einen Lohn zu Theil werden lasten. In Deinem Alter aber wüßte ich keinen besteren, als eine Mitgist und einen Gatten. Die Mitgift ist bereits da; diese Meierei gehört von heute ab Dir. Wenn nun dieser Mann, welcher 25 Jahre hindurch mit Dir gearbeitet hat, ein­willigt, Dir seine Hand zu geben, dann ist der Gatte ebensalls da."Majestät," so stotterte jetzt verwirrt der greise Bauer, wie ist's möglich, daß wir uns verhetrathen, da wir schon Silberhaare haben?"So wird es eine Silberhochzeit sein," gab der König zurück,und hiermit gebe ich Euch den Hochzeits­ring." Gleichzeitig zog der Herrscher einen kostbaren, reich mit Steinen besetzten silbernen Ring vom Finger, steckte ihn auf die Hand der Frau und führte die Hände der beiden in Rührung und Dankbarkeit sich ergehenden alten Leute zusammen. Dieses Vorkommniß, das mit Blitzesschnelle in ganz Frankreich bekannt wurde, brachte hier einen solchen Enthusiasmus hervor, daß es bald nach Verlauf von 25 Jahren der Ehe als Sitte ange­nommen wurde. Und auch die goldene Hochzeit, so fügt der Mönch de Clugny in seiner Chronik hinzu, ist nur eine getreue Nachahmung, nür eine Wiederholung eines Gebrauches nach abermals 25 Jahren.

Die Ballschuhe. Fräulein Elise B., schreibt die Wiener Dtsch. Ztg., war ganz außer sich. Ueber diesem un­

glückseligen Ballabend schwebte ein wahrer Unstern. Jeden Augenblick klappte etwas an der Toilette nicht. Was ein junges Mädchen nur an Bändern, Schleifen, Blumen zu einem Ballstaat braucht, wurde wie von Geisterhänden im entschei­denden Augenblick verlegt, daß jedes einzelne Stück eine halbe Stunde gesucht werden mußte. Und jetzt waren um das Unglück voll zu machen sogar die weißseidenen Ballschuhe verschwunden. Cousin Fritz, der schon in vollem Ballstaat taubengrau und dunkelblau zur Stelle war, rannte wie besessen aus einem Zimmer ins andere, und suchte in allen Winkeln. Umsonst! Die Ballschuhe waren verschwunden. Der gute Kerl nahm sogar seinen Wunderrock und rannte davon, um ein Paar andere Schuhe zu beschaffen; aber er kam mit traurigem Gesicht und der Botschaft zurück, daß schon alle Geschäfte geschlossen seien.Aber, um Gotteswillen!" jammerte Else,ich kann doch nicht in schwarzen Schnürschuhen gehen!" Aber da half kein Jammern. Die Schuhe blieben verschwunden, und Fräulein Else riß sich endlich weinend den ganzen Staat vom Leibe und verschloß sich verzweifelt in ihr Zimmer. Mit dem Ball war es also nichts. Am nächsten Mittwoch traf sie Cousin Fritz auf dem Eislaufplatz. Er machte ein ungeheuer vergnügtes Gesicht.Nun, Glichen, ist der Jammer schon ausgeschlafen?" rief er, in großem Bogen heransegelnd. Sie sah ihn vorwurfsvoll an:Ich meinerseits," fuhr er heiter fort,habe mich dort ausgezeichnet amüstrt." - Also Du warst dort ..."Natürlich, ich mußte doch sehen, was Du versäumt hast."Barbar I"Und jetzt," fuhr er mit unerschütterlicher Ruhe fort, indem er ein kleines Päckchen aus der Tasche zog,kann ich Dir auch Beine Ball­schuhe wiedergeben." Sie sah ihn erstaunt an und nahm daß Päckchen mechanisch aus seiner Hand-Ja, um Gottes- willen, wo hast Du denn die gefunden?"In meiner Fracktasche!"Aber wie ist denn das möglich ? Wie kann man aus Versehen ein Paar Schuhe einstecken?"Ver­sehen? Keine Spur! Mit Absicht!" Sie sah fassungslos in sein unverschämt zufriedenes Gesicht.Du wirst mich sofort verstehen, Elschen, komm nur mit." Und er zog die Willenlose in eine stillere Ecke.Was glaubst Du, Kind, wer auf dem Balle war?"?"Max H." -Hu! Jetzt bin ich erst froh, daß ich nicht dort war."Gut. Weißt Du auch, warum Dein Papa durchaus wollte, daß Du gerade diesen Ball besuchst, dem H. vor seiner Abreise noch beiwohnte?" Sie erschrak.Weißt Du auch, was ich ihm für einen Bären aufqebunden habe? Ich habe ihm zu verstehen gegeben, daß Du Migräne bekamst, als ich Dir erzählte, dast er auch dort sein werde."Du bist doch ein unverschämter Schwindler!' Schwindler! Gelt, aber es ist Dir rrcht, daß er daraufhin schon heute Morgen abgereist und Dein. Papa mit seinem schönen Heirathsproject durchfällt." Sie sah ihn dankbar und zärtlich an.Ja aber, Fritz, was ist damit für uns ge­wonnen ? Deshalb wird doch Papa nicht einwilligen.' Unbesorgt! Heute Abend kommt mein Alter nach Wien, der wird Deinem bockbeinigen Papa schon den Kopf zurechtsetzen.' Ein neuer zärtlicher Blick.Nun begreifst Du auch, warum mir soviel daran lag, gerade für diesen Abend die Zusammenkunft Papas mit H. zu verhindern?" Sie nickte- Aber ein Schwindler bist Du doch I Wie Du nur die Schuhe gesucht hast? Und sogar davongerannt bist Du, um andere zu holen I" Er schmunzelte.Ich hätte doch keine bekommen; denn, was Du für Füßchen hast, Else I Ich hab die Schuhe die ganze Nacht in der Tasche gehabt und mir standen die Frackschöße nicht so weit weg."Unglaublich! Sie bückte sich, griff hastig nach einer Handvoll Schnee, und schwapp! hatte er das ganze lachende Gesicht voll.

Gut parirt.Ihnen, mein Fräulein, trau' ich zu, daß Sie noch einmal den ersten besten Dummkopf heiratheni, Auf einen so plötzlichen Heirathsantrag war ich allerdings nicht vorbereitet!"

Redactton: A. Scheyda. Druck uick Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen-