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Blick und Lächeln mich begeisternd über die Sorgen der Welt erbeben I"
Ja, Dein bin ich für ewig!" flüsterte sie leidenschaftlich. »Laß uns nun berathen, Liebster, wie unsere Flucht am besten zu bewerkstelligen ist."
„Ich muß noch heute fort, mein Liebling!" erklärte Bella« rino mit fliegender Hast. „Morgen Abend hole ich Dich aber mit meinem Wagen ab. Halte Dich bereit und nimm allerlei zum Verhüllen mit, daß Du nicht erkannt wirst. Auf dem Wege zwischen Schwarzendors und Bergenhöhe werde ich Dich morgen erwarten." „ , n ,
„Gut, ich werde am Nachmittag Sude besuchen und Albrecht sagen, wenn ich zum Abendeffen nicht da sei, möge er um acht Uhr anspannen laffen und mich in Bergenhöhe ab« holen. Bis er ankommt, sind wir längst in Sicherheit."
„Meine kluge, liebe Thekla! Wie Du Alle» so gut überlegst! Nun denn, so lebe wohl bi» morgen! — Aus Wieder« sehen. Dann gibt'» keine« Abschied mehr zwischen uns!'
Sie lehnte den dunklen Kopf lächelnd an seine Schulter und litt es, daß er sie bei dem Abschiede mit glühenden Küssen bedeckte.
zogen." I
„Leo!" schrie dar schöne Mädchen entsetzt und deutete aus seine blutende Wange. „Was ist geschehen? Was ist Dir zugestoßen?"
„Es ist Deines Bruders Hand gewesen, die mich mißhandelt hat," knirschte der Italiener, „und wenn es nicht Deinetwegen wäre, liebe Thekla, so müßte er mir mit der | Waffe für diese Beleidigung büßen."
„Albrecht," rief sie zornig, „er hat gewagt, Dich, meinen Geliebten, zu schlagen! Was ist zwischen Euch vorgesallen?"
„Ach — nichts von Bedeutung. Er raste wie ein Wilder und erklärte mir, in Schloß Schwarzendorf sei meines Blei« bens nicht länger. Nun denn, ich gehe auch, aber nicht — ohne Deine Liebe, meine Thekla."
„Mein armer Leo," klagte sie, seine Wange mit ihrem • Batttsttuch trocknend; „er hat auch mich in Dir bele digt. Ich bleibe nicht länger unter dem Dache, welches er Dir verweigerte — ich komme mit Dir als Dein Weib."
„Thekla!" rief Bellarino entzückt. „Du willst mich nicht allein hinausziehen laffen in die ferne Fremde? Willst meinen Ruhm und mein Glück mehren? Ja, ja, ich nehme Dich be,m Wort - Du sollst meine Muse, mein Weib werden, deffen
Auf dem Heimwege hatte Gräfin Bergen keine Silbe mit Lucie gesprochen, erst als diese ihr im Wohnzimmer gegenüber- stand, das Köpfchen gesenkt, die Augen voll Thränen, sagte die Gräfin traurig: „O, Kind, Kind, wie konntest Du mir dies anthun! Habs ich Dich nicht streng in den Regeln des Anstandes und der guten Sitte erzogen — und muß Dich nun bet einem Rendez-vous mit einem sremden Manne treffen!
„Großmama," murmelte Lude verwirrt, „ich — '4 dachte nichts Schlimmes dabei und er sagte — daß er mich liebe!
„Wenn er es wahrhaft ehrlich und ohne leben Hintergedanken thäte, so würde er zu mir gekommen fein und nicht zuerst Dich compromittiren. Denke, wenn Jemand aus der Nachbarschaft Dich mit dem Fremden getroffen hätte, sie würden schon heute Abend im ganzen Dorfe Uebles von Drr erzählen. Zudem, mein Kind, glaubst Du wirklich, daß ich, die Gräfin von Bergen, es jemals erlauben würde, ihre Enkelin als Gemahlin an der Seite eines heimathlofen Künstlers zu sehen ? Lieber stürzte ich mich noch in dieser Stunde in den Schloß« teich, um nochmals ein solches Unglück zu sehen. Ich schwüre I DK ^Schwöre nicht, Großmutter, laß Dich anflehen um mein Glück! Wenn Du wüßtest, welch' ein edler Mann er st -
„Ich weiß das Gegentheil. Doch beruhige Drch! Herr von Laffow sagt ihm vielleicht in diesem Moment, daß> Du,m Falle Du darauf bestehst, Herrn Leo Bellarino »» heirathen - von mir enterbt wirst. Wenn der Geiger das er ährt, wird wohl auch feine Liebe einen gründlichen Stoß erhalten.
„Großmama, wie kannst Du so niedrig von ihm denken, I von ihm, der mir mit heiligen Eiden seine Liebe versicherte! I erwiderte erregt die Comteß.
I „Lucie, Du kennst den Künstler seit drei Tagen, Du kennst die Welt überhaupt nicht und willst doch urtheilen? O, Kind, glaube mir, die Dich tausendmal mehr liebt, als es lerer
I Abenteurer thut — er will nur unser Geld, nicht Dich uno
I Lucie ging darauf schluchzend und tief unglücklich
I in ihr Zimmer; der erste große Schmerz des Lebens war uver
I sie gekommen, sie meinte, daß es wohl keinen fchwereren gäbe, I als zu entsagen. * ,
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Am nächsten Tage kam Thekla von Laffow nach Schloß Bergenhöhe. Lucie hatte der Großmutter versprochen, nichts I von all' dem, was sie bewegte, der Freundin zu sagen und u würde es auch nicht vermocht haben, den Namen des Geliebten I der Freundin zu nennen. , , .. , .
I Thekla schien bei ihrer Ankunft ganz heiter und un befangen zu sein und nur ein fcharfer Mchologe >hätte um ihren Mund ein leises, nervöses Zucken und in den Augen em I eltsames Flimmern wahrgenommen. Sie lachte viel, beinahe
über ihm zusammenschlugen, schoß er sich eine Kugel durch den g Kopf. Hm, dazu habe ich allerdings noch gar keine Lust und | es ist daher wohl beffer, auf das stille Blauäuglein —"
„Sie wollten sagen: Comteß Lucie von Bergen."
„Allerdings! Also auf diese Dame völlig zu verzichten. | Mein Herz wird darüber nicht gleich brechen." |
„Elender Schuft," brach Laffow jetzt endlich los und riß, | seiner selbst kaum mächtig, eine Gerte ab, um den Italiener | zu züchtigen, „wenn es nicht unter meiner Cavaliersehre wäre, | so müßtest Du vor bett Lauf ber Pistole um dieser Ehrlosig- | keit willen. Darf bentt ein ehrbares, schutzloses Mädchen ein« | fach bethört und bann bei Seite geschoben werben? Hier, biesen | Hieb nimm als Andenken an dieses schändliche Thun — und | komme mir nie wieder vor die Augen!"
Pfeifend sauste die schlanke Gerte auf des Getgers Wange, | noch ehe er zurückspringen konnte- Eine wilde Wuth flammte I aber in Bellarinos Blicken und er stieß zischend hervor: „Das sollst Du mir büßen, verfluchter, hochmüthiger Aristokrat; ich j werde Dich tiefer treffen, als es eine Waffe jemals im Stande | feht wird I"
Dann war Bellarino verschwunden, die Zweige rauschten | knisternd hinter ihm zusammen, die Tritte verhallten in der | Ferne und einsam stand Albrecht von Laffow da. |
„Also doch," murmelte er erregt, „sie liebt ihn, wie ich es geahnt und gefürchtet! O, was haben diese drei Tage sür Unheil über unser stilles Heim gebracht, denn auch Thekla ist verzaubert von dem Geiger. Und ich Thor, ich hoffte auf ein Glück mit ber Geliebten, welches ich mir im Traume schon ausgemalt. Berauscheub im lieben Heim eingesponnen, fern von ber Welt, nur für» unb miteinander lebend. Aber — es hat nicht sollen fein! Der Traum ist vorbei!"
Schwermüthig setzte er sich nieder auf den Felsblock, aus dem vorhin Lucie geseffen. Regungslos starrte er in die Sonne, welche dort am blauen Himmel stand, nach bett lichtgrünen Bäumen des Walbes — unb den zwitfchernben Vögeln in ber Luft, — aber er sah nichts von all' den Naturschönheiten, nur das scharfe Weh des Entsagens erfüllte feine Brust.
„Lucie, armes Kind! Sie wirb etenb werden, wenn sie den Nachstellungen des Italieners zum Opfer fällt, unb ich kann sie nicht bavor erretten — Gott im Himmel, hilf Du ihr, bewahre sie vor jenem Elenben!"
Stunbe um Stunbe verrann, längst hatte bie Mittags» glocke geläutet unb noch immer rang ber starke Mann mit sich, als er endlich noch ernster unb stiller beim sonst heimkehrte.
Im Schloß war inbeffeu fein Gast, Herr Leo Bellarino, fchon abgereist. Als er zurück aus bem Walde kam, hatte Bellarino sogleich Thekla ausgesucht.
„Ich komme, um von Dir Abschied zu nehmen, Geliebte," hatte er verzweifelnd ausgerufen unb ihr beibe Arme entgegengehalten. „Dein »ruber hat mir feine Gastfreunbschast ent»


