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Frau ist doch eine Hexe, wie könnten sonst die Kinder nirch ihren Besuchen alsbald erkranken?"
„Es ist unfaßlich, Durchlaucht, man mag sich drehen und wenden wie man will, überall stößt man auf unerklärbare Dinge."
„So ist esl" antwortete die Landgräfin. „Ich danke der Jungfrau für ihre Nachrichten."
Malwine zog sich unter tiefen Knixen zurück und eilte zur Kammerjungfer, um ihr Alles zu berichten. „Ich bin ganz verwirrt über Das, was Durchlaucht meinen," rief sie erschüttert. „Wenn ich nur wüßte, ob sie die alte Beilstein für eine Hexe oder eine gute Christin hält, damit man sich ein wenig darnach richten könnte."
„Seid unbesorgt, es kommt baldigst heraus und ich werde dafür sorgen, daß Ihr rechtzeitig Nachricht erhaltet," tröstete die Kammerjungfer, welche sofort begriff, daß die Fürstin absichtlich hin und wieder fragte, um das klatschsüchtige Wesen der alten Jungfer zu studiren.
„Binnen wenigen Minuten behauptete diese liebesbedürftige Jungfrau: die alte Beilstein sei eine Haupt- und Wetter- Hexe und eine gute Christin," sprach die Landgräfin zu sich selber. „Was ist nun das Richtige? Daneben brüstet sich die Person mit ihrer Menschenliebe und Unparteilichkeit. Um sich bei der Herrschaft beliebt zu machen, reden die Menschen so, wie wir es gerne hören. Bet nächster Gelegenheit muß Malwine behaupten: das Waffer der Horloff liefe aufwärts von Reichelsheim gen Gettenau und Echzell."
Ehe Malwine nach Haufe ging, trat sie bei der Frau Schultheißin Schöffer ein. Diese war eine abgesagte Feindin der alten Beilstein und hetzte heimlich, wo sie konnte, besonders seit der Rentmeister mit Sibillen entflohen war.
„Wie freue ich mich, Euch zu sehen," rief die Schult- heißin, als sie Malwinen erblickte; „seid ja schon acht Tage lang nicht mehr über unsere arme Schwelle gekommen."
Malwine erzählte, was ihr in den letzten Tagen begegnete und daß sie gerade von der Landgräfin komme. „Nein, was müßt Ihr in hohem Ansehen bei der Landesmutter stehen," rief die Schultheißin, „daß Ihr so gemüthlich mit ihr sprechen dürfet. Ich brächte kein Wort herfür, wenn ich so dastehen müßte."
Von dieser Rede geschmeichelt, erzählte Malwine den Inhalt der Unterhaltung mit der Fürstin, doch mit Hinweglaffung der Widersprüche.
„Wisset Ihr was, vielvermögende Jungfrau!" rief die Schultheißin, nachdem sie Alles vernommen, „diese Haupt- und Wetterhexe muß zu Ehren der heiligen Dreifaltigkeit von Gottes Erdboden vertilget werden. Sie blähet sich auf, feit dis Dirne mit dem Narren davon gelaufen; sie dünket sich mehr, als andere Frauen und ist doch gar nichts."
„Das meinen alle kluge Menschen in Bingenheim, nur der Hofprediger will nichts davon wissen. Dem Commiffarius wäre es recht, der Landgräfin auch, aber Niemand will den Antrag stellen."
„Was? Niemand! Wofür sind denn die Schöffen Merten Frickell, Klar Pfcyl und Emanuel Stall im Lande! Können die nicht ihre Mäuler von selbst aufthun, wenn Noth an Mann geht? Lauter Memmen und Schlashauben sind es. Wir Frauen wollen zusammentreten und zeigen, daß wir der gütigen Frau Landgräfin Wünsche beffer zu erfüllen wissen, als solche Dreh- peter."
„Doch ohne Aufsehen und viel Gerede, liebwertheste Frau Schultheißin, wir dürfen nicht an die Oeffentlichkeit treten."
„Ein richtig Wort, hochmögende Jungfrau Malwine. Die Waffen der Frauen sind Klugheit und List und sie sollen uns sicher zum Ziele führen."
„Wisset Ihr, wer uns noch eine gute Freundin und treue Mithelferin werden könnte, wertheste Schultheißin?"
' „Lasset hören!"
„Das ist die Schulpräceptorin Fischer; sie erfährt alle Neuigkeiten zuerst und ist geschickt im Reden und Sprechen wie wenige und sagt von allen Menschen, bekannten und unbekannten, nur Uebeles aus."
„Dann nehmt nur noch gleich des Peter Wentzels Frauen und die Marx Gichelmannin hinzu, die drei zusammen werden mit der Beilstein fertig, also daß wir dabei keinen Finger krumm zu machen brauchen."
„Das heißt: wir müssen den Dreien die Musketen laden und sie drücken los, so meint Ihr es doch, meine liebwerthe Frau Schultheißin."
„Ei ja freilich! Hihihi! Was wird der alte Drache pusten, wenn ihn Meister Zacharias beim Schlafittchen packt. Und ich sage Euch, der Drache muß aus dem Dorfe, sonst bekommt weder Herrschaft noch Unterthan Ruhe."
„Er muß fort, Frau Schultheißin. Es kommt auf ein altes Weib mehr oder weniger nicht an, überall brennen sie die Hexen zu Ehren der Dreifaltigkeit nieder. Wir verrichten ein gutes Werk, wenn wir unserem Lande Ruhe verschaffen."
„Dabei bleibt es, liebwertheste Jungfrau und wartet diesmal nicht so lange mit Eurem werthen nächsten Besuche. Mich verlanget stets nach Eurer lieben Nähe und Eurer lieblichen Rede. Wie konnte der vernarretheide Rentmeister an einer so würdigen, klugen, hochweisen, lieben, köstlichen Jungfrau vorübergehen und einem gänsigen Lasten nachlaufen, ich begreife das nicht."
„Beruht es nicht vielleicht auf Hexerei, liebwerkhe Frau Schultheißin?"
„Alleweil habt Ihr wieder recht, sehr liebe Jungfrau; also muß die Hexe weg, zu Ehren der Dreifaltigkeit, zum Glück und zur Ruhe der Unterthanen."
Malwinchen eilte nach Hause. Der Besuch bei der Schultheißin hatte den Mißerfolg bei der Landgräfin völlig verwischt. „Wir kommen zum Ziele," sprach sie. „Helmine und Alwine brauchen von dem Plane nichts zu wissen, sie würden mehr verderben als nützen. Beide haben keinen rechten Begriff von Muth und Willenskraft." (Fortsetzung folgt.)
Der Bienen-Vetter.
Eine Heide - Novelle von C. Crome-Schwiening.
(Fortsetzung.)
„Marie —" drang es in heißen Tönen an ihr Ohr — „Marie — nicht länger vermag ich zu schweigen — Du fühlst es, Du mußt es fühlen, was mein Herz bewegt--
„Fritz!" schrie das junge Mädchen und hob wie abwehrend die Hand.
— „meine Augen haben es Dir längst gesagt, wenn sie bewundernd an Dir hingen — Marie, Du süße, Einzige — ich liebe Dich — I" Und vor ihr niedergleitend, schlang Fritz die Arme um sie und barg sein Antlitz in den Falten ihres Kleides!
»Fritz — Fritz — ich bitte Dich!" kam es bang von den Lippen des Mädchen. Da verfinsterte ein Schatten den Laubeneingang, und eine hohe Mannesgestalt trat heran, aber mit einer fast entsetzten Bewegung zurück. Fritz sprang auf. Er sah Hinrik vor sich stehen: „Morgen wird Ihnen Aufklärung!" rief er und trat in den Garten hinaus.
Marie löste die Hände von dem Antlitz. Ihr Auge forschte angstvoll in Hinrtkr Antlitz. Das war bleich und steinern. Ein namenloses Weh erfüllte sie. Ihr war, als müsse sie ihm zu Füßen sinken und ihm bekennen: Sieh, ich weiß alles, o heb' mich auf zu Dir! Sie streckte wie beschwörend eine Hand gegen ihn aus.
„Hinrik!"
Er trat zurück: „Es wird finster! Onkel und Tante wollen fort. Hierher geht der Weg."
Er schritt voran. Sie folgte ihm. Mechanisch nahm sie Hut und Tuch im Zimmer, mechanisch stieg sie in den Wagen.
„Na, Mädel!" rief erstaunt der Oberamtmann. Dustehst ja aus wie das Leiden Christi!"
„Ach, laß!" sagte feine Gattin, die mit mütterlichem Instinkt Fritz Gerdings Verlegenheit und Mariens Bläffe in


