Besorgung.
VII.
Doctor Kugler hatte aber leider nicht recht behalten. Werthers Befinden ward von Tag zu Tag wieder schlechter und der Gebrauch eines Bades nothwendig. Die Eltern begleiteten den theuren Sohn nach dem eben entdeckten Bade Lippfpringe, dessen Wassern man besonders Brustkranken gegenüber große Heilkraft zusprach. Strenge hielt Werthers Vater auf Durchführung des Kurreglements und das half. In der Zwischenzeit hatte ein Vetter der Grafen von Falkenberg mit Werther Verhandlungen angeknüpft und diese endeten damit, daß der junge Doctor die Rentamtmannsstelle zu Arn- bürg zum 1. October definitiv acceptirte.
Neuer Lebenemuth fing an, die Brust des schwergeprüften Werther zu schwellen, und eines Tages gestand er der Mutter: „Ich dachte nicht, Mütterchen, daß ich es so gut überstanden hätte I Ich habe mir aber vorgenommen, sie nie wieder zu sehen; ihr Anblick, glaube ich, würde alles Errungene über den Haufen stoßen I"
So verging der Sommer und Ende August schickte der Brunnenarzt den Patienten zur Nachkur in das Seebad Norderney.
Adrian Helbig dachte mit seiner Frau, daß Werther so gut als geheilt wohl die Reise nach Norderney allein unternehmen könne; nur der alte Gröhlmann sollte bei ihm bleiben und ihm Gesellschaft leisten. Sie selbst dagegen wollten heim und alles zur Uebersiedelung nach Arnburg bereit machen. In diesen Plan stimmte Werther ein und nahm herzlichen Abschied von den Eltern.
In dieser Zeit traf ein Brief Reißners an Werther ein, welchen wir hier mittheilen:
„Mein lieber, guter Werther I
Wenn mich die vielen Advokaturgeschäfte nicht neben den Reizen meiner kleinen lieben Sophie festhielten, wäre ich längst bei Dir gewesen, aber so geht es wirklich nicht.
Du scheinst nach allem, was Du mir letzthin mit- theiltest, die Sache doch besser zu überwinden, als ich dachte. Sophie hat mir den Brief, den Du damals an Herrn Woland geschrieben, als ein Souvenier an Dich überlassen- Darin fällt mir auf, was Du über Goethe sagst, indem Du sein Leben in dulci jubilo tadelst, weil er vergessen wollte. Wenn ein so großer Geist sich also über seine erste Liebe Hinwegsetzen konnte, sollten wir Kleineren cs denn nicht auch ohne Gewiffensskrupel können? Du wirst gut thun, zunächst einmal wieder mit dem Strome des Lebens zu schwimmen, und wenn Du den Gleichmuth der Stoiker wiedergefunden, Dich unter den Töchtern des Landes umzusehen. Dem Menschen soll unter Umständen mehr als einmal der Lenz der Liebe blühen können, sagen sie alle. Und nun hoffe ich, Dich bald in alter Gesundheit an mein Herz zu drücken! Lebe wohl und befolge den Rath
Deines treuen Freundes Doctor Reißner."
Auf Gröhlmann« Bericht zupfte sie an der Haube und meinte dann: „Gott fei Dank, nun wird er's wohl überwinden!"
Der Brief, den Werther jetzt schrieb, war an den Herrn Amtmann Busch auf Hennigstedt gerichtet und lautete:
„Schwalbheim, den 23. März 1785.
Lieber Freund Paul!
Indem ich nach überstandener Krankheit zu Deiner Verbindung mit Laura meine herzlichsten Glückwünsche bei- steure, bitte ich, die Vergangenheit zu vergessen und mir Eure Freundschaft bewahren zu wollen. Möget ihr Beide recht, recht glücklich werden, wie ihr es ja auch verdienet!
Wir Menschen sind nur Bälle auf dem Billard des Schicksals; wie sie geschoben «erden, so lausen sie. Vergebt mir meine Heftigkeit in meinem Schmerze und bleibt gut Eurem Werther Helbig."
Er adresstrte das Schreiben und gab es Gröhlmann zur
Werther schüttelte nach der Seetüte des Briefes den Kopf und meinte: „Mir blüht kein Lebenslenz mehr, Reißner 1 Ja, wenn ich wie die Anderen wäre!"
(Fortsetzung folgt.)
Die Kücken wollen nur trockenes, festes Körnerfutter — unvergleichlich mit allem Anderen ist geschälte Hirse oder Bruchreis — und nur reines Wasser zum Trinken haben. Das Fehlerhafteste ist da» auf dem Lande so sehr beliebte Füttern von sauren Brodkrumen, wonach die armen Thierchen ost sterben. Mit einem Pfund Bruchreis, welches etwa 13 Pfg. kostet, füttert man eine kleine Schaar von neun Hühnchen die ganze erste Woche.
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Um stets große Johannisbeeren zu erhalten, ist es eine Hauptsache, immer junge Pflanzen nachzuziehen, weil alte Sträucher kleinere Früchte liefern. Das Begießen mit Rindsblut ist von großem Einfluß, noch mehr die Veredelung großer Sorten, und wenn es mit Reisern der Sorte auf sich selbst ist, da jede Pfropfstelle oberhalb die Früchte vergrößert. Veredelte Johannisbeeren tragen auch mehr.
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Pstanzenkrankheit. Die gewöhnlichste Krankheit bei Zimmerpflanzen ist die Wurzelfäule. Sie entsteht hauptsächlich durch fehlerhaftes Begießen. Umpflanzen und Beschneiden der kranken Wurzel, regelmäßiges, vorsichtiges Begießen mit lauwarmem Wasser sind die Mittel dagegen. Die bekannten Blatt- und Schildläuse, die schwarze Fliege (ein kaum sichtbares schwarzes Pünktchen) und die rothe Spinne sind weitere Feinde. Man vertreibt sie am besten durch häufiges Abwaschen mit Seifen- oder Tabakswasser, oder mit reichlicher Bestreuung durch Jnsectenpulver. Man begieße die Hauspflanzen nur dann, wenn die Oberfläche der Erde in Töpfen trocken erscheint. Ein zu reichliches und häufiges Begießen ist ein Erzeuger der Wurzelfäule.
Drei Mtten.
Zertritt das Blümlein nicht mit hartem Fuß, Das dort den Rand des Wegs bescheiden ziert! Es bringt vom Frühling Dir den ersten Gruß, Wenn Dich Dein Weg an ihm vorüberführt. Es schaut Dich an mit holdem Unschuldsblick, Es fleht zu Dir sein Blumenangesicht: „Rur wenig Tage dauert ja mein Glück, Ob bitte, Mensch, zertritt, zertritt mich nicht!"
Verscheuch' das Vöglein nicht, das dort am Hain Sein Nestlein baut mit Fleiß und emf'gen Müh'n. Es will ja auch sich seines Daseins freu’« Und seine junge Brut d’rin groß erzieh'«. Wohl strömt sein Lied frohlockend aus der Brust; Doch jeder Ton spricht flehend auch das Wort: „O gönne, Mensch, — gönn' mir die kurze Lust! Nur wenig Wochen noch, dann zieh' ich fort!" O störet nicht der Kindheit frohes Spiel! Laßt sie genießen doch die sel'ge Zeit! Der Kindheit gold'ne Tage sind nicht viel. Und ach! Der Ernst des Lebens liegt nicht weit- Ein jeder Jubelton aus Kindesmund Sei eine Bitte an uns allzumal:
„O gönnt der Kindheit gern die frohe Stund'! Des Lebens Mai, er blüht ja nur einmal!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.


