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jedenfalls mein Mann schreiben, sobald er dazu im Stande ist. Auf jeden Fall kann ich Ihnen aber nur nochmals ver« sichern, daß meine jetzt schwer leidende Tochter nicht gerade in Todesgefahr schwebt, daß aber ihr Gemüthszustand und auch andere Gründe es nicht gestatten, daß Sie Carola sehen und sprechen."

Professor Galen drang jetzt nicht mehr darauf, weitere Aufklärungen zu erhalten, sondern stumm und mit bitterem Gram in seinem edel geformten Antlitz stand er vor der Frau Bankdirector, ein tiefer Seufzer, der das ganze Weh seines Herzens verrieth, entrang sich hierauf noch seiner Brust, dann machte er eine tiefe Verbeugung vor der Dame des Hauses und ging.

Glücklicher Weise war der Character des Profeffors Galen derartig groß und stark angelegt, daß ihn diese entsetzliche Enttäuschung und dieses räthselhaste Aufheben seiner Verlobung mit dem so innig geliebten Mädchen nicht ganz und gar zu Boden schmetterte.

Aber es war ein Schlag, der des Professors Gemüths« leben doch auf das Tiefste erschütterte, der seinen Glauben an Menschenliebe und Menschentreue wankend machte und seinen ideal angelegten Geist in die Fesseln des Zweifels und der Schwarzseherei schlug.

Ja, die Menschen sind doch vorzugsweise schlecht und falsch und gerade dann am gefährlichsten, wenn sie uns erst lieb und gut erscheinen," murmelte die Stimme des plötzlich und mächtig erwachten Pessimismus jetzt in der Brust des Mannes, der bis vor einer Stunde noch alle Pessimisten ver­achtet und verspottet hatte.Ja, .fte haben mich Alle ver- lassen, die erst so bereit waren, mir das Liebste und Schönste auf der ganzen Welt, eine geliebte Frau und ein trautes Heim, zu verschaffen," dachte der in seiner Seele so tief ge- quälte Galen.

Und wo ist denn Ernst Pohlmann, mein lieber, treuer Freund, den ich schon besaß, ehe ich das unglückselige Haus seines Vaters betrat?" hätte Galen laut aufrufen mögen, als er nun draußen vor der Pohlmann'schen Villa stand und mit düsterem Blick das Gebäude und den dazu gehörigen Garten anfchaute, dessen Anblick sonst einen wahren Jubel in seinem Herzen zu entzünden pflegte.

Es war inzwischen Nacht geworden und eiligen Schrittes verschwand der unglückliche Mann auf der in diesem Stadt- theile noch spärlich beleuchteten Straße. Aber eine zweite Ge- ftalt folgte ihm wie ein Schatten, leise und fast unsichtbar. Der Professor wählte seinen Weg nicht durch die auch des Abends noch sehr belebten Straßen der Hauptstadt, sondern ging durch das sogenannte Villen- und Gartenviertel, und ge­wandt und lauernd wie ein Raubthier schlich sich die Gestalt immer noch hinter ihm her. Aber ahnungslos und auch ganz der gewöhnlichen Tagessorgen entrückt, nur seinen unendlichen Schmerz im Herzen empfindend, eilte Galen dahin. Jetzt schritt er am Ufer des tiefen Flusses entlang und kein Mensch schien in der Nähe zu fein. Da umkreiste den Professor auf einmal die düstere, verdächtige Gestalt, er erhielt einen surcht- boren Stoß und stürzte mit einem jähen Aufschrei in den Nuß. Der Verbrecher floh und keine rettende Hand war in »er Nähe, man hörte nur, wie der Unglückliche mit den Wellen des Flusses kämpfte. Und eine Weile darauf wurde es wieder ganz still.

* *

Am darauffolgenden Tage veränderte sich Vieles in der Pvhlmann'schen Villa. Carola, der die Mutter die Krankheit und das verhängnißvolle Unglück des Vaters in einer geeig­neten Stunde anvertraut hatte, raffte sich zu einem heroischen ©ntfäjluffe auf. Sie erklärte, daß ihr Zustand sich wesentlich gebessert habe und daß sie den Vater sprechen müsse.

Frau Pohlmann, die edle und großmüthige Seele der ^dchier richtig beurtheilend, ahnte, wie dieselbe plante und ließ Carola gewähren.

Ernst und sehr bleich trat daher eine halbe Stunde später

Carola vor das Krankenbett des Vaters, der mit heftig klopfendem Herzen der Tochter die Hand reichte.

Du bist sehr krank und sehr unglücklich, Papa," -sagte das bleiche Mädchen mit einer auffallenden Energie in ihrer Stimme,aber wenn es in meiner Macht liegt, Dich wieder gesund und zufrieden zu machen und ein drohendes Verderben von Dir und uns fern zu halten, so soll es geschehen. Ich habe in letzter Nacht mit Gottes Hilfe überwinden gelernt und will mich in Alles das fügen, was Du für gut und notb- wendig hältst."

Schluchzend sank sie dann dem Vater in die Arme und derselbe sagte von Rührung übermannt:Unaussprechlichen Dank, Du gutes Mädchen! Es ist das größte Opfer, welches Du bringen kannst, ich weiß es wohl. Aber Du edle Seele willst auch Deinen Vater nicht elend und unsere Familie nicht an den Pranger gestellt sehen. Nie, nie werde ich vergess n. was Du für uns gethan hast."

Es ist gut, Papa, ich werde mein Loos tragen, wie es so manche Frau gethan hat und noch thun wird. Ich werde Herrn Hillessen, den ungeliebten Mann, auf Dein Geheiß hei- rathen, aber um Zweierlei muß ich bitten, erstens muß es Herrn Hillessen gesagt werden, daß ich ihn nicht aus Liebe heirathen kann, und daß es noch feine Aufgabe wäre, meine Zuneigung und Hochachtung zu gewinnen und daß ferner vor Ablauf eines vollen Jahres unsere Hochzeit nicht sein darf und daß unsere Verlobung demnach auch erst in einem halben Jahre bekannt zu geben ist."

Diese Wünsche sind Dir gewährt und Herr Hillessen wird auch nichts dagegen einzuwenden haben, da er ein viel zu kluger und gebildeter Mann ist, um nicht zu wissen, daß unter den ihm bekannt gewordenen Umständen von einer sofor­tigen Verlobung und baldigen Hochzeit keine Rede sein kann."

Ich danke Dir für diese Zusage," flüsterte Carola leise und verließ am Arme der inzwischen in das Krankenzimmer eingetretenen Mutter den leidenden Vater.

Dieser fühlte sich in seinem kranken Gemüthsleben durch die Erklärung der Tochter wie umgewandelt, denn eine Centner- last von Sorge und Angst, Unruhe und Qual wälzte sich da­durch von seiner Brust. Erleichtert aihmete der Bankdirector auf und sein Zustand besserte sich von Minute zu Minute. Er klingelte dem Diener und ließ sich von demselben ein Glas Wein bringen, welches er mit Behagen trank und sich dadurch noch weiter gestärkt fühlte.

Dann kam auch der Arzt und fand den Zustand des Herrn Bankdirectors wesentlich gebessert und dieser selbst meinte, daß ein kleiner Spaziergang in den Garten ihm wohl am schnellsten zur vollständigen Genesung verhelfen würde.

Der Arzt hatte diesem Wunsche nichts entgegenzusetzen, wenn der Patient sich schon kräftig genug zu einem Gange in's Freie fühlte. Da dies der Fall war, fo kleidete sich Pohlmann mit Hilfe des Dieners rasch an, denn er lechzte nach frischer Luft und nach vollständiger Genesung und begab sich in den Garten. Dort traf er eine halbe Stunde später auch nochmals den Arzt, der ihm erklärte, daß in Carolas Zustand allerdings auch eine bedeutende Besserung eingetreten fei, daß aber das Fräulein noch einige Tage Schonung be­dürfe und dann wegen ihrer sehr reizbaren Nerven ihr ein Kuraufenthalt im südlichen warmen Theil der Schweiz oder in Oberitalien anzurathen sei. Pohlmann stimmte diesem Vorschläge des Arztes bei und meinte, daß Carola vielleicht schon in acht bis zehn Tagen mit der Mutter in die Schweiz oder nach Oberitalien reifen könne-

Das gute Mädchen ist auch hauptsächlich aus Aufregung über meine plötzliche Erkrankung selbst krank geworden," fügte Pohlmann heuchlerisch hinzu, um dem Arzte gegenüber die wahre Ursache von Carolas Erkrankung zu verdecken, die nur ein Seelenleiden infolge der entsetzlichen Zumuthung, mit dem heiß und innig.geliebten Professor Galen zu brechen, war.

Doch der Rath des Arztes stimmte ja ganz vortrefflich mit Pohlmanns Plane, Carola durch eine große Reife auf andere Gedanken zu bringen und das Bild des Profeffors Galen in ihrem Herzen erblassen zu machen. Ebenso paßte