Ankerhaltungsblatt z»»n Siebener Anzeige» (Seneral-Anzeiger)
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Dienstag, den 18. September.
(Fortsetzung.)
Der gute und arglose Professor ahnte nicht, welche schänd, liche Jntrigue bereits gegen ihn und seine reine und edle Liebe zu Carola in Vorbereitung war, als er an diesem Abend nach Hause ging, wenn ihm auch das plötzliche Zusammenschrecken des Directors Pohlmann vor seinem Blicke sehr räthselhaft vorkam.
Der Bankdirector spielte inzwischen die Rolle, welche er sich durch die verhängnißvolle Zusage an seinen College« Hillessen selbst auferlegt hatte.
Auf die wiederholten Fragen seiner Frau, ob er sich ernstlich krank fühle und ob es nicht besser sei, daß noch an diesem Abend nach dem Arzt geschickt werde, erklärte Pohlmann, daß ibm kein Arzt helfen könne, daß sein Leiden viel mehr ein seelisches als ein körperliches sei und daß er durch die Verhältnisse in ein furchtbares Dilemma gedrängt worden sei. Er könne eine Entscheidung treffen,, wie er wolle, so würde es doch immer böse Folgen haben.
Diese seltsamen und Besorgniß erregenden Mittheilungen der Gatten weckten natürlich in hohem Grade Frau Pohl- manns Theilnahme und Wißbegier und sie begehrte Ausschluß über den Zwiespalt und die Sorge, die sich ihres Manner Gemüth bemächtigt hatte.
Eine Zeit lang starrte der auf dem Sopha seines Schlafzimmers sitzende Bankdirector vor sich hin und brachte kein im ^er Lippen, es schien, als ob er ihm Mühe koste, em Geständniß zu machen und einen Entschluß zu fassen, dann raffte er sich aber seufzend auf und sagte zu seiner Frau: »Da Du mir von allen Menschen am nächsten auf dieser Welt stehst, liebe Minna, so muß ich Dir auch zuerst sagen, welche Hwere Sorge mich bedrückt und welches Unhsil uns droht. Die Central-Commerzbank befindet sich infolge großer Verluste, die wir vor längerer Zeit erlitten, in einer schweren Krisis. Verschärft wurde die Krisis noch durch den Tod Rustans und sehr schwer war es, einen geeigneten Ersatzmann für Rustan unter diesen Umständen zu finden, denn es galt vor allen Dingen, die Verluste der Bank zu verdecken, das Ansehen und den großen Credit derselben zu wahren, und einen tüchtigen Finanzmann zu gewinnen, der mit mir energische Versuche zu machen bereit war, um die Bank zu retien. In dieser Hin- M ist mir nun viel gelungen, ich habe, nicht ohne Mühe und Wagniß, in Herrn Hillessen einen äußerst tüchtigen und ge- !
In den Fesseln der Schuld
Criminal-Novelle von C. Sturm.
wandten Mitarbeiter gefunden, und die Verhältnisse der Bank haben sich bereits wesentlich gebessert. Aber denke Dir dar Unglück, welches mir bevorsteht. Hillessen hat mir heute er- klärt, daß seine Liebe zu unserer Tochter Carola so mächtig in ihm sei, daß sie ihm die Seelenruhe raube, und daß er unbedingt nicht ertragen könne, daß Carola den Professor Galen heirathe. Auch müsse er unbedingt seinen Posten als zweiter Director der Central-Commerzbank niederlegen, wenn seine Werbung um Carola kein Gehör finde, denn in diesem Zustande sei er ganz unfähig, von früh bis Abends für die Bank so zu arbeiten, zu sorgen und zu wetten und zu wagen, wie es nöthig sei. Auch fühle er gar keine Verpflichtung in sich, unter diesen Verhältnissen seine Arbeit, seine Capitalien und seinen großen Ruf als Finanzmann für die Rettung der Bank einzusetzen, und Lust und Neigung habe er erst recht nicht mehr dazu. Dies würde sich aber mit einem Schlage ändern, wenn er unser Schwiegersohn werden und Carola zur Frau bekommen könnte. Dann wäre sein Herz und Gemüth befriedigt, dann athmete er glücklich auf und unser und sein Interesse wäre dasselbe. Was meinst Du nun zu dieser schweren Frage, Minna? Das Bleiben Hillessens als Director der Bank ist für mich und für die Central-Commerzbank soviel wie eine Lebensfrage, aber die Aufhebung der Verlobung Carolas mit dem Professor Galen droht ein Familienunglück zu werden."
Statt einer Antwort hörte Pohlmann seine Frau nur heftig schluchzen, denn vor einen solchen Conflict gestellt, wußte Frau Pohlmann tatsächlich nicht, welcher Weg einzuschlagen sei. Auch galt ih^oas Glück der geliebten Tochter an der Seite des Professors Galen für viel zu wichtig, als daß sie den Gedanken hätte aussprechen mögen, daß Carolas Verlobung aufgehoben werden sollte.
„Bitte, antworte, rathe mir doch!" begann aber Pohlmann ibald von Neuem. „Ich muß eine Entscheidung treffen und will Deine Ansicht über diese schwierige Frage hören."
„Ich kann Dir nur sagen, daß ich es nicht über mein Mutterherz bringe," erklärte nun Frau Pohlmann unter Thränen, „zu Carola zu sagen: Du darfst den Professor Galen, den Du von ganzer Seele liebst und der bereits Dein Bräutigam ist, nicht heirathen, sondern Du mußt verzichten, weil es nöthig ist, daß Du auf den Wunsch Deines Vaters den Bankdirector Hillessen heirathest."
„Ich bitte Dich dringend, in dieser Frage nicht nur mit Carolas Glück zu rechnen, sondern daran zu denken, daß unser Wohl und unsere Ehre im höchsten Grade dabei auf dem Spiele steht. Ich will Dich nicht in Einzelheiten einweihen, liebe Frau, aber das muß ich Dir rundweg erklären, daß,


