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Armen über das Parquet, welcher, ganz geblendet und ver­wirrt über diese Huld der Cousine, sogleich beschloß, heute ein entscheidendes Wort zu sprechen.

Aber o wehl Wo sollte er die Gelegenheit dazu finden? Immer ein Tänzet nach dem anderen stellte sich zu Extra­touren ein, der Walzer verrann und Egon mußte sich auf de« Cotillon vertrösten.

Mit Herzklopfen vernabm Ada die intonirenden Klänge der Quadrille, und schon stand ihr stattlicher Tänzer vor ihr, um ihr den Arm zu bieten.

Dort drüben ist unser Carröe, Fräulein Ada." Zum * ersten Male nannte er ihren Namen, ein Gefühl süßer Sicher­heit überkam sie, als sie so an seinem Arm dahinschritt.

Und dann begann der Tanz.

Gerade die Quadrille, obwohl einer der graciösesten Tänze, bietet nur wenig Gelegenheit zur Conversatlon und dennoch meinte das junge Mädchen, noch nie so glücklich gewesen zu sein als jetzt, wenn seine Hand fest und innig die ihre um­schloß oder sein Blick beim chasse leuchtend den ihren traf.

Das wäre nun auch vorbei," bemerkte der Major nach Schluß der Quadrille, seine Partnerin in ein Nebenzimmer geleitend,all' die Freuden, welche dem Menschen bevorstehen, verrauschen nur zu bald und dann kommt der Abschied."

Ada wußte nicht mehr, woher sie die Kühnheit genommen, aber sie blickte ernst und bittend zu dem schönen Manne an ihrer Seite auf und sagte leise, mit tiesbebenden Tönen: Aber es gibt ein Wort, welches auch über den Abschied hin­weg hilft. Wenn Menschen auseinandergeh'n . . ."

Da brach ein erstickter Jubelruf aus dieser Mannesbrust, preßte Sendrach fester den Arm des jungen Mädchens an sich und murmelte, sich zu ihr niederbeugend, halb unbewußt: Dann sagen sie: Auf Wiederseh'n! O, mein Liebling, darf ÖU$ Me^Ada^zu antworten vermochte, fluthete die Gesellschaft lachend um sie her; ihr Arm löste sich aus dem Sendrachs und mit tiefer Verbeugung war er verschwunden.

Unser guter Major ist sicherlich ein recht langweiliger Partner gewesen," lachte einer der jüngeren Osfiziere, welcher Ada zum Rheinländer abholte,ich habe kaum einige Male gesehen, daß er mit Ihnen, meine Gnädigste, converstrte."

D, das war auch nicht nöthig," schnitt Ada die Be­merkung kühl ab,man muß bet der Quadrille so aufpaffen, daß man zum leeren Wortaustausch gar nicht kommt."

Und dann erschien der Tanz aller Tänze, der heiß herbei­gewünschte CotillonI Marie rauschte, ganz selig vor Wonne,, an die Freundin heran und flüsterte ihr hastig zu:Ada, mein Herz, nun habe ich meine Ansicht doch geändert I Ritt­meister Werder ist der charmanteste der ganzen hiesigen Herrn Offiziere und gar nicht zu vergleichen mit dem einsilbigen, langweiligen Major Sendrach, der kaum die nöthigsten Höf­lichkeiten für eine Dame hat. Rittmeister Werder geht zu­fällig ebenfalls nach Wiesbaden"

Baron Egon erschien mit strahlendem Gesicht, um seine Partnerin an den von ihm reservirten Platz zu führen, doch auch hier verfolgte ihn heute ein tückisches Mißgeschick, denn keine fünf Minuten blieb Ada an seiner Seite. Endlich kam die Ordenstour und zögernd wählte Fräulein von Bärfeld unter den flimmernden Ehrenzeichen, welche für die Tänzer bereit lagen, aber die Mama hatte es ja gewünscht und so schritt sie, wie mit Blut übergossen, aber ruhig und sicher, aus den hohen ernsten Mann zu, der dort hinten im Saale an einer Säule lehnte. Jetzt stand sie vor ihm und heftete mit bebender Hand ihren Orden dicht neben das eiserne Kreuz, welches seine Brust zierte. Und dann flog sie an seinem Arm dahin wie im Traum, sie meinte, es könne gar nicht aus­hören es war zu schön-

Fräulein Ada," sagte er leise während des Tanzes, daß nur sie es zu verstehen vermochte,also darf ich sagen: Auf Wiedersehen?"

Ja," kam's wie ein Hauch zurück und Sendrach hielt still an dem Platz, den Ada einnahm.

Wie lange soll ich fern bleiben, Ada?"

Höre, Ada," flüsterte letztere geheimntßvoll,heute Mittag habe ich neben Major Sendrach gesessen, ach und er war so reizend! Er erzählte nur immerfort von seiner Kleinen und seinem einsamen Leben, frug mich, ob ich gern tanze und nun, ich sage Dir, Herzchen, ich bin fest entschlossen, wenn er um mich anhält, Ja zu sagen."

L iAber Marie, Du weißt ja noch gar nicht, ob er das thun wird?"

O, man hat so seine Ahnungen! Beim Dessert ließ er mich einen Bonbon knallen und und da war ein Vers darin!"

Nun, das ist gewöhnlich großer Unsinn! Wie hieß es denn darin?"

Laßt uns vereint im Denken und Handeln Im Polkaschritt durch dieses Dasein wandeln!"

citirte erröthend und besangen das Fräulein.Ach, und er lachte dabei so herzlich"

Hm, Major Sendrach sieht gar nicht aus, als ob ihm am Polkaschritt etwas läge," meinte Ada etwas ironisch, das müßtest Du an dem von ihm zurückgewiesenen Walzer doch wohl wissen."

Hm, wir wollen sehen. Er ist zu reizend und wenn ich ihn nicht bekomme, weine ich mir die Augen aus dem Kopfe. Apropos, ich muß schon übermorgen abreiien, meine Cousine hat mich sür einige Wochen nach Wiesbaden ein­geladen."

Endlich war das große Werk der Toilette beendet. Beide Mädchen trugen weiße, duftige Gewänder; an Marie flimmerte und glitzerte weiche Silbergaze, hier und da von träumerischen Wasserrosen gehalten, auch im dunklen Haar steckte eine gleiche Ranke, deren Enden an der Schulter besestigt waren. Sie sah sehr schön aus und doch kam Adas lieblich mädchenhafte Schönheit auch neben ihr voll und ganz zur Geltung, trotz­dem sie nur schlichte Apfelblüthen im Haar und am Silber­gürtel trug. Träumerisch blickte sie ihr Bild im Spiegel an, eine helle Röthe särbte die zarten Wangen, als Sendrachs leuchtendes Auge vor ihrer Seele austauchte.

Seid Ihr fertig?" frug die Baronin an der Thür und betrachtete beifällig die beiden graciösen Erscheinungen.Nun, dann hüllt Euch gut ein, der Wagen ist vorgesahren." ' Sie nickte Ada nochmals liebevoll zu und wandte sich dann hinaus.Ach, ich vergaß meinen Fächer," ries sie plötz­lich stehen bleibend,Kind, hole ihn doch bitte aus meinem Zimmer." x

Marie schritt indessen voran, denn st« hörte unten schon die Stimmen der Herren und Frau von Bärfeld hatte ihren Zweck schon erreicht! Als Ada mit dem Fächer wi der kam, küßte sie sie zärtlich auf die Wange und sagte:Mein Lieb­ling, Gott, sei mit Dir und mache Dich glücklich! Deine Augen leuchten heute so besonders hell!"

Ich freue mich auch so sehr, Mama," antwortete das junge Mädchen,ach ich hätte Dir so viel zu sagen wenn wir wieder allein sind."

Bei den Worten wandte sie sich ab, denn wieder stürzten verrätherische Thcänen aus den blauen Augen und nur mit Mühe gelang es ihr, die Fassung wieder zu erlangen.

Mein Liebling," nickte zärtlich die Mutter,sage mir immer Alles, was Du auf dem Herzen hast! Und roch Eins, ehe ich es vergesse: Du mußt beim Cotillon eine Tour mit Major Sendrach tanzen, das erfordert die Höflichkeit."

Sie sah noch die glühende Röthe, welche Adas Gesicht­chen über floß, dann schritt sie hinaus, dem Wagen zu.

Strahlender Lichterglanz fluthete den Ankommenden ent­gegen aus dem bereit» übervollen Ballsaal und im Nu waren die jungen Mädchen von Tänzern umringt, welche ihre Namen in die zierlichen Elfenbeinkarten eintrugen. Nur dis Quadrille behütete Ada sorgsam und als plötzlich Sendrach, wortlos, mit tiefer Verbeugung, zu ihr trat und nach der Tanzkarte griff, reichte sie sie ihm ebenso schweigend.

Ich danke unterthänigst!" Mit dem für die Umstehenden bestimmten Wort und einem einzigen warmen Bücke trat er zurück und Ada flog gleich darauf selig lächelnd in Egons