Ausgabe 
13.11.1894
 
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Dienstsg, de« 13. November.

Mit einem tiefen Seufzer löst sie sich aus den sie um- Mmgenden Armen. Vorwärts I Es muß fein 1 Da fällt ihr «lick auf den Fürsten. Alles Blut drängt ihr zum Herzen.

Der Fürst nähert sich langsam seiner Gemahlin. Mit einer tiefen Verbeugung reicht er ihr den Arm.

Lächelnd blickt sie zu ihm empor wie trägt sie Sorge, daß Jeder dieses Lächeln bemerkt I - r " '

I stch plötzlich etwas verschoben haben. Sie bedarf beider Hände, um es in Ordnung zu bringen. Als sie an dem Wagen angelangt sind, will er ihr beim Einsteiqen behilflich fein. Wieder lächelt sie es stehen Diener ganz in der Nähe lächelt höflich kühl, während ihre Lippen, nur ihm verständlich, murmeln:Berühren Sie mich nicht!"

Er zuckt zusammen und tritt lächelnd einen Schritt zurück. Fast hat es den Anschein, als habe sie ihm einen Scherz oder ein Liebeswort zugeflüstsrt.

_ ^®e£erQ[ er in heiterem^Tone,die Fürstin

wünscht Ihre Hilfe." M

Lächelnd sieht er zu, .wie der alte Offizier Lola in den Wagen hilft, wie er ihr zum Abschied die Hand küßt und darauf militärisch salutirt. Dann nimmt er schweigend neben ihr Platz.

Hochrufe ertönen. Ein Schauer von Reiskörnern über­rieselt das Paar. Der eins der beiden seidenen Brautschuhe fliegt hoch in die Luft und nachdem so dem alten Brauch Genüge geschehen, kracht die Wagenthür zu.

Der Wagen rollt davon- ..."

Die Wolken haben sich verdichtet; einige Regentropfen fallen bereits hernieder. So fährt das junge Ehepaar hinaus in die Welt, der Fürst und die stolze Schönheit der Aben­teurer und die getäuschte, bedauernswerthe Frau.

Beide schweigen- In Lola tobt ein Zorn, wie sie ihn noch nie empfunden. Convulsivisch krampft sie die Hände zu­sammen. O, hätte sie eine Peitsche, um diesen Menschen wie einen Hund zu züchtigen!

Der Mann an ihrer Seite blickt mit finster gerunzelten Brauen zum Fenster hinaus. Roch nicht ein einziges Mal hat er gewagt, seine Augen auf dem Weibe neben ihm ruhen zu lassen.

So geht es lautlos weiter. Schon erreicht der Wagen London Bridge, die Station, von welcher ihr Zug abfährt. Roch einmal streckt der Fürst feine Hand aus, um seiner Gattin aus dem Wagen zu helfen. Und wieder sagt sie kalt, verächtlich:Rühren Sie mich nicht an! Ich sagte es schon einmal!"

So wissen Sie Alles?"

Ja."

(Fortsetzung.)

. ®JS bat Lola sich musterhaft beherrscht. Nur der Gedanke, den Abenteurer, der sich ihr Gatte nennt, wieder­zusehen, flößt ihr Grauen ein ... . Wie im Traum fühlt sie die zärtlichen Umarmungen ihrer Freundinnen, die dank­baren Handküsse der Dienerinnen in ihrem Kopf hat nur der einzige Gedanke Platz:Werde ich ihm, dem Betrüger, ruhig entgegentreten können?"

_ -»Der Wagen ist da. Der Fürst erwartet die Frau Fürstin!" meldet ein Diener.

^Vorwärts, meine Gnädigste! Die Hochzeitsreise beginnt!" reu rn,Jen in jovialem Ton gesprochenen Worten tritt General Leigh auf Lola zu. Noch einmal umarmen sie die Freundinnen.

f,r "3$ muß den letzten Kuß haben!» ruft Frau March schluchzend.Ich! Sie ist ja mein eigen Fleisch und Blut,

Der alte Haudegen lächelt. Er begreift den Stolz der Mutter.

»Jeder Zoll eine Fürstin!" murmelt er mit einem be­wundernden Blick auf die königliche Gestalt, auf die bleichen, vornehm ruhigen Züge.

Unten in der Vorhalle haben sich die Gäste versammelt, um von der Fürstin Orlowsky Abschied zu nehmen; auf der einen Seite, dicht an der Ausgangsthür, steht die Diener­schaft. Noch einen Abschiedsgruß für sie - dann wirst sie sich zum letzten Mal der Mutter in die Arme, die sie fest an ihr Herz drückt. Sie schließt für einen Moment die Augen. Em unbezwingliches Verlangen überfällt sie, hier, an der treuen Mutterbrust, unter dem zärtlichen Blick der sorgenden Mutteraugen, sterben zu dürfen. Hatten diese treuen Augen S zuerst erspäht, daß der Fürst nicht das ist, was er scheint? Hatte die Mutter sie nicht wiederholt vor ihm ge­warnt ?

Lola.

Roman frei nach dem Amerikanischen von Erich Friese«.

Sie wendet sich kurz um und begibt sich auf den Perron. Einsam und unbemerkt fleht sie in einer Ecke sie, die ge­feierte und vielbeneidete Baronin Medfort! An dem Fürsten­titel denkt sie gar nicht mehr. O, könnte sie erst diesen Be- dak *» »»*»* trüger verlassen! Könnte sie ihm seine ganze Erbärmlichkeit

vaß Jeder dieses Lächeln bemerkt! Aber sie nimmt nicht in s Gesicht schleudern! Was später werden, was sie mit ihrem ven dargebotenen Arm. An den Falten ihres Kleides muß ; Leben ferner anfangen soll sie weiß es nicht. Sie denkt