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Donnerstag, den 11. Octover.

Im Strome des Lebens.

Roman von Jenny Piorkowska.

(Fortsetzung.)

Unsere Abreise war für den folgenden Tag festgesetzt und Josephine sowohl wie Martha hatten ihre Koffer auf den Corridor gestellt, um bequemer packen zu können. So mußte ich mich wieder zu Tische setzen, ohne ihn vorher gesehen zu haben.

Wie schade, daß es morgen schon fortgeht!" meinte Martha.Mir ist gar nicht, als wären wir fast vierzehn Tage hier gewesen."

Vierzehn Tage? Mir kommt es wie ein Jahr vor," rief ich unwillkürlich aus.

Das spricht wenig für Dein Amüsement," bemerkte Josephine,da wird Herr Rodegg Dich wohl sobald nicht wieder einladen, nicht wahr?" setzte sie, zu diesem gewendet, hinzu.

Leider werde ich auf das Vergnügen, so werthe Gäste wieder bei mir begrüßen zu dürfen, auf lange verzichten müffen. Ich gedenke, in den nächsten Wochen wieder einmal nach Amerika zu reisen."

Allgemeine Verwunderung, während Josephine sichtlich die Farbe wechselte.

Gedenken Sie länger wegzubleiben?" fragte Tante Aurelie anscheinend ruhig; ich aber wußte, daß es in ihrem Innern ganz anders aussah.

Das ist noch ganz unbestimmt. Jedenfalls werde ich meine Angelegenheiten so ordnen, daß ich zwei Jahre weg» bleiben kann."

Ich sah, wie Josephine die Lippen öffnete, um etwas zu sagen, aber offenbar hatte sie ihre Stimme nicht genug in der Gewalt, und sich bückend, strich sie mit zitternder Hand lieb» kosend über Tigers dickes Fell.

Ich horchte inzwischen angstvoll auf ein leises Geräusch, das, direct über unseren Köpfen, zweifelsohne aus dem gehei­men Zimmer kam.

öStill! Was ist das?" rief da Martha plötzlich, eben» falls lauschend.Ich hab' diesen Ton schon heute früh ge­hört und Sie sagten doch, da» Zimmer hier über uns sei stets unbenutzt und verschloffen."

. . Alle hörten auf zu reden und horchten.

Es spukt hier im Hause," sprach Josephine.Schon während der letzten zwei Nächte habe ich ganz dicht an meinem Zimmer so eigenthümliche Laute vernommen."

Ein sonderbarer Ton was kann das wohl sein, Herr Rodegg?"

Einer der Dienstleute wird oben sein," erwiderte der Gefragte leichthin.Beunruhigen Sie sich nicht, ich werde gehen und sehen, was es ist."

Ich werde gehen!" rief ich, indem ich aufsprang und ihm zuvorzukommen suchte.

So verließen wir Beide das Zimmer. Tiger, eifrig schnüffelnd, lief uns voraus die Treppe hinauf; vor der Thürs zu Victors Zimmer blieb er bellend und scharrend stehen.

Tiger, hier! Hierher kommst Du!" rief ich erregt.

Was mag der Hund nur haben?" sprach Rodegg, in» dem sein Auge von Tiger zu der geheimnißvollen Thür und von der Thüre zu mir schweifte.

Nichts hat er; er ist nur unartig! Tiger, hierher kommst Du hierher zu mir!" befahl ich, heftig mit dem Fuße stampfend.

Das hilft Ihnen nichts," sagte Rodegg,der Hund folgt der Spur, die er wittert."

Wenn ich ihn nur packen könnte! Tiger, hierher kommst Du augenblicklich. So, mein Tiger komm', hier!"

Ich benutzte den Augenblick, !wo er in seinem Vorhaben schwankend ward, packte ihn mit kräftiger Faust beim Fell und warf ihn förmlich in mein Zimmer.

Schweigend, mit finster zusammengezogenen Brauen, sah Rodegg meinem Beginnen zu.

Inzwischen hat man unten im Salon geplant, zum Ab­schied noch recht munter zu sein, und da das trübe, regnerische Wetter jedwedes Vergnügen im Freien für diesen Tag verbot, war beschloffen worden, nach Tisch Verstecken zu spielen.

Ich wollte mich auf dem Corridor hinter dem großen Schrank verbergen; wenn ich mich recht beeilte, konnte ich vorher schnell bis Victors Thür schlüpfen und ihm wenigstens einen kurzen Gruß zuflüstern.

Leise klopfte ich an die Thüre keine Antwort.

Victor," flüsterte ich durch das Schlüffelloch,komme doch nur eine Secunde an die Thür."

In dem Augenblick hörte ich Jemand die Treppe herauf­kommen, und um die kostbare Zeit nicht zu verlieren, öffnete ich rasch entschloffen die Thüre, trat ein und zog das Schloß leise hinter mir zu. Doch in der nächsten Minute schon er­kannte ich, was für eine Thorheit ich begangen hatte. Rings­um herrschte eine fast grabesähnliche Stille und Finsterniß.

Wieder hauchte ich Victors Namen keine Antwort.

War er geflohen und ich allein in diesem unheimlichen Zimmer um vielleicht stundenlang hier eingeschlossen zu sein? Da plötzlich beschlich mich eine so wahnsinnige Furcht,