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trauen zu Ihnen ein. Im Namen des Aufsichtsrathes trage ich Ihnen deshalb den Posten des zweiten Directors der Central-Commerzbank an und stelle an Sie die Anfrage, ob Sie geneigt sind, diesen Posten anzunehmen."

Hilleffens Äugen glänzten vor Stolz und Freude und in seiner Brust regte sich gewaltig sein bisher so wenig befriedig­ter Ehrgeiz, während er Pohlmanns schmeichelhafte Worte ge­hört hatte, und dann sagte er in großmüthigem Tone, als hätte er eine Gunst zu verschenken:Ich nehme den ehren- vollen Antrag an, Herr Director, und bitte meine Zusage dem Aufstchtsrathe der Central-Commerzbank zu übermitteln."

Ich danke Ihnen verbindlichst für die Zusage und gratu- lire Ihnen und unserer Bank, daß sie einen solchen tüchtigen zweiten Direc'or gefunden," entgegnete Pohlmann und athmete innerlich auf, denn er hatte schon befürchtet, von dem hoch- müthigen Manne eine Absage zu erhalten.Wegen der ge­schäftsmäßigen Ordnung Ihres Engagements möchte ich Sie nun noch bitten, lieber Herr Hillessen, Ihre Zusage an den Aussichtsrath mir schriftlich zu übergeben und Ihr Einverständ- niß mit den hier verzeichneten Bedingungen für die Wahl und die Anstellung des zweiten Directors zu erklären. Die Be­dingungen sind, wie Ihnen wahrscheinlich auch schon bekannt sein dürfte, sehr günstig. Die Anstellung erfolgt auf sechs Jahre; bei der Wiederwahl, die bei Ihnen so gut wie sicher sein dürfte, findet aber die Anstellung auf zwölf Jahre statt. Das jährliche Gehalt des zweiten Directors der Central- Commerzbank beträgt zwanzigtausend Mark und die übliche Proviston vom Reingewinn. Ferner tritt bereits nach dem siebenten Dienstjahre Pensionsberechtigung ein. Als Caution sind hunderttausend Mark in feinen Staatspapieren zu leisten und wird Ihnen jede Erleichterung gewährt werden, falls Sie Ihr Vermögen anderweitig derartig festgelegt haben, daß Sie bis zur Uebernahme Ihrer Stellung die Caution nicht in natura stellen könnten. Ich selbst bin auch gern bereit, die Caution für Sie mit stellen zu helfen, lieber Herr Hilleffen."

Sehr freundlich von Ihnen, Herr Director," antwortete Hilleffen mit katzenartiger Schönthuerei, aber stolz und selbst­bewußt fuhr er fort:Es ist aber nicht nöthig, daß ich Ihre Gefälligkeit in Anspruch nehme, denn ich bin in der Lage, die Caution selbst jeden Augenblick stellen zu können."

Das konnte ich mir schon denken, werther Hilleffen," entgegnete Pohlmann lächelnd,denn Sie sind ja als reicher Mann und glücklicher Speculant stadtbekannt, es war nur meine Pflicht, im Falle, daß Sie gegenwärtig Ihre Capitalien anderweitig festgelegt haben sollten, Sie auf die Coulanz der Central-Commerzbank bezüglich der Stellung der Caution auf­merksam zu machen. Bitte, wollen Sie hier die Annahme­bedingungen, welche in der Hauptsache nichts anderes enthalten, als was ich Ihnen bereits sagte, unterzeichnen und Ihre An­nahme-Erklärung noch schriftlich für den Aufsichtsrath schreiben."

Hilleffen nahm das ihm von Pohlmann dargebotene Schriftstück und schritt damit an seinen Schreibtisch. Dort setzte er sich nieder und la« scheinbar sehr langsam und sorg­fältig die Engagementsbedingungen nochmals durch. In Wirklichkeit erfüllten aber noch ganz andere Gedanken den Kopf des verschlagenen und ehrgeizigen Hilleffen, und ohne den Engagementscontract unterzeichnet zu haben, erhob er sich jetzt langsam und sagte halblaut und mit lauernder Geberde zu Pohlmann:Ein Wort im Vertrauen, Herr Director I Ich erfuhr wohl hier die Bedingungen meines Engagements als Director für die Central-Commerzbank, aber von den inneren Verhältnissen der Bank, die ich leiten soll, wurde mir bisher nichts mitgetheilt. Es ist nun allerdings nicht üblich und würde auch in den meisten Fällen nicht klug sein, die Geheim- niffe eines Bankinstituts schon vor dem Engagement der für den Directorposten in Aussicht genommenen Persönlichkeit an­zuvertrauen, ich glaube aber in dieser Hinsicht von dem mir geschenkten Vertrauen auch noch insofern Gebrauch machen zu sollen, daß ich zu wissen begehre, wie der wirkliche Vermögens- stand und die Geschäftslage der Central-Commerzbank ist. Darf ich mich in dieser Hinsicht unbedingt auf die Vermögens­ausweise und Bilanzen verlassen, welche in der letzten General­

versammlung den Actionären der Central-Commerzbank vor­gelegt wurden, Herr Director?"

Lauernd wie ein Fuchs und seine grauen Augen rollend­blickte bei dieser heiklen Frage Hilleffen den Director Pohl- mann an, der seinerseits mit der Antwort zögerte und in eine dem schlauen Fragesteller nicht entgehende Verlegenheit gerieth.

Jedes Bankinstitut hat Geheimntffe," begann Pohlmann dann ausweichend,und es dürste Ihnen auch bekannt sein, Herr Hilleffen, daß nicht jede Finanzoperation realisirt werden kann."

Weiß ich, weiß ich," entgegnete Hilleffen und mit über­legener Miene lächelnd,aber mir, dem zum zweiten Director der Central-Commerzbank erkorenen Manne, können Sie es doch nicht Übel nehmen, wenn er in die Geheimnisse dieser Bank einzudringen sucht, denn die Versicherung muß ich Ihnen schon jetzt geben, verehrter Herr Pohlmann, daß ich meinen Directorposten mit offenkundiger Entrüstung niederlegen würde, wenn der Vermögens- und Geschäftsstand der Bank ein ganz anderer wäre, als man nach den jüngst veröffentlichten Bilanzen annehmsn darf."

Ich kann nur weiter über diesen Punkt mit Ihnen ver­handeln, wenn Sie mir die sorgsamste Verschwiegenheit ganz besonders auf Ehrenwort zusichern, Herr Hilleffen, denn ich bin der erste Vertrauensmann der Central-Commerzbank und habe die Pflicht, deren Geheimniffe zu wahren."

Selbstverständlich, Herr Director, ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, daß niemals, auch wenn mein Engagement als Director der Bank noch scheitern sollte, irgend eine Angelegen­heit, die Sie mir anvertrauen, an Andere verrathen werden wird."

Die Sache ist für die Bank so wichtig, daß ich Sie gleich jetzt als deren Director verpflichten muß," erklärte Pohlmann.Bitte, schreiben Sie Folgendes, Herr Hilleffen: Als erwählter Director der Central-Commerzbank verpflichte . ich mich hiermit auf Ehrenwort, alle mir von Herrn Director Pohlmann anvsrtrauten Mitthsilungen über den Vermögens- siand und die Angelegenheit der Bank strengstens als Geschäfts­geheimnisse zu behandeln."

Hillessen trat wieder an seinen Schreibtisch und schrieb eilig den verlangten Garantieschein. Mit befriedigter Miene steckte darauf Pohlmann denselben in seine Brieftasche, ging dann aber wieder unruhig im Zimmer auf und ab, denn in feinem Vorsatze, Hilleffen das ganze schwere Geheimniß der Central-Commerzbank, den Verlust der größeren Hälfte des Betriebscapitals zu enthüllen, war Pohlmann trotz aller Vor­sichtsmaßregeln wieder wankend geworden, denn er befürchtete, daß Hilleffen, wenn er erfahren würde, daß die Bank von dem ursprünglich acht Millionen Mark betragenden Betriebscapitals fünf Millionen verloren habe, seine Zusage zurücknehmen und auf den Directorposten verzichten werde.

Um e» kurz zu sagen, lieber Herr Hilleffen," begann dann endlich Pohlmann,wir sind in unseren Finanzoperationen, zumal mit den amerikanischen Werthen, in den letzten Jahren nicht glücklich gewesen und haben auch Verluste an einheimischen Actien gehabt, wir verloren im Ganzen ungefähr zwei bi« drei Millionen Mark."

Zwei bis drei Millionen MarkI" flüsterte Hillessen, geisterbleich zurückschreckend.Eine solche Riesensumme ist verloren worden? Doch ich ahnte es, ich konnte es mir denken, denn als umsichtiger Speculant sah ich mehrere Male, daß Sie und Director Rustan Ihr Glück auf die falsche Karte gesetzt hatten. Aber wer hieß Sie denn speculiren, wenn Sie es so schlecht verstehen oder wenn Sie kein Glück haben? Zwei bis drei Millionen Mark sind verloren! Man könnte rasend werden, wenn man sich ausmalt, welch' ungeheurer Verlust dies ist und wie man arbeiten und sparen, wetten und wagen, sorgen und bangen muß, um eine solche Summe wieder zu erlangen."

(Fortsetzung folgt.)