Ausgabe 
8.2.1894
 
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Nnt-phaltrrngsblatt zum Gietzenev Anzeigen (Genevcrl-2lnzergev)

Nr. 16.

M

1894.

Donnerstag, den 8. Februar.

Nach drei Tagen war der kranke Bauer fieberfrei und wieder völlig bei Sinnen. Josef saß gerade am Gestndetisch und, als er zu dem Bauer gerufen wurde. Das Gesinde sah den Vertreter des Bauern gern, denn er war milver als der Bauer und gerechter. Das gewann ihm die Herzen der Dienstboten und Alle redeten nur Gutes von ihm. r

Als Josef in das Krankenzimmer trat, reichte ihm der

Der Rosenhof

Novelle von C. Western.

Bauer die unversehrte rechte Hand und sagte:Hab nochmals Dank, Josef, für alles Gute, was Du mir gethan. Verkünde mir nun aber auch, was Du die drei letzten Tage geschafft

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Die zwei Breiten am Flurwanger Weg hab' ich lassen düngen und pflügen unb, mit Winterkorn bestellen, die lange Matte hab' ich hauen lassen und die Weinernt' kann in drei bis vier Tagen auch angehen. Es ist viel Gewächs am Stock, aber manches noch hart," berichtete Josef.

Du hast Dein' Sach' gut gemacht, ich bin stolz auf Dich!"

O, Vater," fiel hier Loni, die am Bett saß und Josef mit einem zärtlichen Blick begrüßt hatte, zärtlich ein,Du hast Recht!"

Der Bauer fah Loni verwundert, ja, wie versteinert an- Kam ihm eine Ahnung? - Er sagte nichts, aber sein Gesicht blieb ernst und streng. Loni schwieg verlegen still und der Vorfall wurde vergessen- .

Ein paar Tage darauf stand Josef tm Kuhstall und schaute nach etwa nöthigen Reparaturen. Der Stall war teer, denn das Vieh war noch auf der Alm, nur ein krankes Kalb war im Stall, dem Loni eben das Futter bringen wollte.

Die Liebenden nahmen die Gelegenheit zum Austausch einiger Worte wahr, da sie, der dringenden Arbeiten wegen, sonst sehr selten und nur für einige Augenblicke zusammenkamen.

Sieh' da!" rief plötzlich die Stimme der Bäuerin da- zwischen.Ich hab' es immer gedacht und auch nicht ungern gesehen, Josef, daß Du die Loni lieb hast; ich lege Euch nichts in den Weg; sieh' nur zu, daß Du den Bauern herumbrmgst, Josef. Er hält auf Dich, aber sei vorsichtig!"

Voll Entzücken fiel Loni der Mutter um den Hals und Josef drückte ihr dankbar die Hand.

* *

Inzwischen waren die Tage herangekommen, in denen Weinernte gehalten wurde und lustig schallte der bekannte Schnadelhüpfel in den Bergen:

Wir heimsen den Segen Der Trauben nun ein, Bald wird allerwegen Der Wein fertig fein. Holdrioho, holdrioho, Holdrioduaduaduado!

Dann greif' ich zum Glase Und schenk' tapfer ein, Bis jedwede Rase Mag tupferroti) fein. Holdrioho, holdrioho, Holdrioduaduaduado!

(Fortsetzung.)

Josef hing nun wieder feinen Gedanken nach. Ja, er wollte gern den Bauern nur spielen; speculirte er doch nicht auf Haus und Hof, Geld und Gut, das dem jetzigen Herrn und dessen Sohn Tont bleiben follte, fondern Josef wollte nur den schönsten Schatz des Rosenhofes, die Loni- Sie würde sich schon in seine einfachen Verhältnisse schicken, dachte Josef, wenn nur der Bauer einwilligte.

Ueber solchen Gedanken kam denn auch die Bäuerin und löste Josef bei der Krankenwache ab.

Nimm'« Frühmahl erst ein, Josef," sagte die Haussrau freundlich,das Gestnd' wartet schon auf den neuen Herrn."

Es hat noch Zeit, Bäuerin; halt' den Arm nur recht kühl; müßt auch wohl wieder etwas Arnika aufgießen. So!"

Du kennst die Krankenpflege, Josef!"

Hab' Erfahrung leider g'nug in der Krankenpflege. Ein Jahr und sechs Monat im Lazareth, das ist halt kein Spaß!"

Gott sei nur Dank, daß Du gerad' den Weg kamst! Bist Du noch geschwächt von der langen Krankheit?"

Ein wenig, Bäuerin!"

Wie leicht hätten Dich dann aber die wilden Gäule mit fortreißen können und es hätt' zwei Leichen gegeben!"

Daran dacht' ich nicht, Bäuerin, ich meint', ich mußte so handeln und nicht anders!"

Hab'Dank, Josef, tausend Dank, Du hast nur den Mann und meinen Kindern den Vater erhalten. Jeder hätt es nicht gethan und auch nicht gekonnt."

Und sie blickte mit Dankbarkeit im Herzen auf den statt­lichen Burschen.

Er aber meinte:Dankt Gott, Bäuerin, der mir Kraft gab, die wilden Pferde zu halten!"

Er ging davon- Sie sah ihm freundlich nach und meinte: Es ist schade! Er wär' ein Mann für die Loni, wenn er nicht ein armer Knecht wäre!"