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ihr wissen wollen; er hatte sich entschieden geweigert, zu ihr i m reisen oder ihr auch nur ein Wort der Verzeihung zu senden. (Schluß folgt-) |
Jom Kinheizen.
Nun ist die Sommerreise vorüber- Der Instruction gemäß sind nur Briefe nachgeschickt worden; Aller, was wie eine gedruckte Ankündigung aussah und die „Dreiermarke" au? der Stirn trug, ist zurückgeblieben. Aus dem stattlichen Berge, der nur einer Sichtung unterzogen wird, klingt es heraus wie eine Mahnung an die Vergänglichkeit aller Dinge: Die Holz- und Kohlenhandlungen stellen uns ihre Vorräthe zur Verfügung, sie mahnen an das Dtchterwort: In Sommertagen rüste Deinen Schlitten. Und es ist erfreulich, wie so- lide das Geschäft in Deutschland geworden. Es gibt in all diesen Anpreisungen nur beste Qualitäten- .
Endlich liegen die Vorräthe in dem Keller und auf dem Boden. Ein Merkmal, ob die Hausfrau umsichtig ihres Amtes waltet: an der Thüre stehen mit Kreide gehemmiß- volle Runen, immer vier vertikale Striche mit einem Querstrich, neben einander. Die Briquetts sind nachgezählt worden.
Die Briquetts! Wie leicht hat man es heute, wo die Frage, ob man sich sür Dame „Ilse" oder „Marie" ent» scheiden soll, fast die einzige ist, die beim Einfahren der Vorräthe auftaucht. Die beiden Damen gehören zu dem Geschlechte der Schwarzen, sind sauber und ansehnlich und machen fast den Eindruck von Chokoladenblocks. In der That erwecken sie in der Seele der Kleinsten dunkle Vorstellungen von etwas Süßem und so oft sie derselben ansichtig werden, strecken Sie verlangend die Hände aus: „ . . . lade".
Das Feuerungsmaterial hat im Ganzen eine Wandlung durchgemacht wie dis Beleuchtungsmittel, so schnell und so radikal. Wie die letzteren von der Thranfunzel zum Rüböl, dann zum Petroleum, zum Gas und endlich zur electrischen Glühlampe fortgeschritten sind, so ist man beim Heizen vom Holz zur Kohle, zum Torf, zu den Briquetts gekommen, zu der Warmwasserheizung und der Anwendung der heißen Lust, und heute tönt sie uns halb kategorisch und kurz entgegen, die Weisung: „Heize mit Gas," wie uns ja schon seit längerer Zeit und nicht ohne Erfolg unausgesetzt unterbreitet wird „Koche mit Gas."
Vielleicht kommt in großen Städten schneller als man -s meint, der Moment, in welchem man in der That nur den Hahn aufzudrehen braucht, um die von einer Central- stelle aus über die Stadt vettheilte Wärme sich nutzbar zu machen- Das wäre nicht einmal eine Neuerung fm de siede, sondern nur die practische Durchführung eines Prinzips, das düngst feststeht. In einzelnen Häusern, ja in größeren Pri- vatcomplexen hat man die ausgedehnten Centralheizungsan- iagen schon jetzt. Nur materielle Erwägungen würden für Durchführung im großen Maßstabe schließlich entscheidend sein. Wenn man heute das Wafler, das Gas, die Unter» iliung schon von Centralstellen aus bezieht, warum soll man dicht gerade so wie vom Keller in den sünften Stock auch seine Portion Wärme aus dem nächsten Vsrmittelungsamt be- - ehen. Fehlt dann nur noch die Centralernährung. Allerdings müßte das Röhrensystem dann etwas complicirter werden und auf Braten müßte man verzichten. Aber dis Verab- -eichung der Suppe ließe sich ganz gut so bewerkstelligen. Es drängt eben alles auf die Centralifation hin. Der Mensch uilbet sich ein, daß er mit jedem Tage freier und selstständiger wird, und in Wahrheit wird er immer abhängiger von dem Maschinisten, der den Keflel heizt.
Wenn von den Briquettes, die einstweilen aber noch dis Herrschaft führen, als der hauptsächlichsten Feuerungsart gebrochen wurde, so ist das mit einer gewißen Einschränkung zu verstehen. Die Feuerungsart richtet sich nach dem Ofen
und der Ofen im Allgemeinen nach dem Klima. Man darf sagen, jede Gegend hat den Ofen, den ihr Klima fordert, obwohl auch hier andere Gründe mit entscheidend sind. In Sachsen, Schlesien und Westfalen sprechen das gewichtigste Wort die Kohlenlager mit, die man gewissermaßen vor der Thür hat. Wo die Kohle herrscht, da dominirt der eiserne Ofen. Ich kenne den Burschen aus Amerika und bin gar nicht von ihm entzückt- Denn wenn er ununterbrochen brennt, verbreitet er eine trockene, ungesunde Wärme, deren schädliche Wirkung auch durch das verdunstende Wasier nicht völlig aufgehoben wird. Und wenn man das Feuer aus Versehen aus» zehen läßt, dann macht man die Reiss von der heißen nach )er kalten Zone ohne Uebergang in allerkürzester Frist. Dis wahre Heizung ist nicht die, welche es zu Wege bringt, daß )ie Knie braten und der Rücken vereist, wenn man sich an den Ofen setzt.
Auch bei dem Heizen gab es eine gute alte Zeit. Damals war das Holz vermuthlich noch billiger als heute, die Waldungen stellten nicht ein so kostbares Gut der Nation dar. Das offene Feuer regte die Phantasie zweifelos mehr an, als der ursprünglich weiße Kachelofen, den die Keramik heute zu einem farbigen Kunstwerke mit Etagenaufsätzen, Figurenschmuck und bildnerischer Ausstattung gemacht hat. Damals war der Versammlungsort des Hauses am Winterabend von selbst gegeben. Man setzte sich im Kreise um den Kamin- Und es bedurfte kaum der lebhaften Unterhaltung. Wenn das Feuer knisterte und die Funken sprühten, dann raunte es geimniß» volle Weisen dem zu, der sie zu hören verstand. Das war der Mittelpunkt, aus dem heraus die Märchenwelt entstand. Kein Platz so geeignet, wie er, die Welt phantastisch zu bevölkern. In dem Halbdunkel des Zimmers hörten sich die Zaubergeschichten noch einmal so wonnevoll schaurig an. Sie vertragen das Gasglühlicht nicht. In der hellen Beleuchtung kann man ihnen zu sehr ins Gesicht sehen.
Schon die Verdrängung des Holzscheits durch die Kohle hat diese Poesie in alle Winde gejagt. Mir wenigstens verging die Poesie, wenn ich mit ansah, wie mancher Amerikaner am offenen Kohlenfeuer sich hauptsächlich in der Kunst übte, von seinem Sitz aus eine bestimmte Kohle mit dem Ueberbleibseln seines Kautabaks zu treffen . . .
(Schluß folgt.)
Vermischtes.
Der Sonntagsjäger im Restaurant: „Bringen Sie mir Hasenbraten!" — „Bedaure, mein Herr, Hase ist schon fort!" — „Donnerwetter — jetzt treff' ih nicht 'mal im Restaurant mehr einen Hasen!"
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Die junge Hausfrau- Bräutigam: „Die beiden Eier haben mir ganz vorzüglich gemundet, liebe Irma!" — Braut: „Ich habe sie aber auch, damit sie recht gut werden — in Fleischbrühe gekocht!"
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Sicheres Zeichen. A.: „Woher wissen Sie denn, daß Müller zu Vermögen gekommen ist?" — B.: „Na, früher sagten die Leute immer, er ist verrückt, jetzt meinen sie, er ist originell."
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Schiedsrichter: „Aber wie können Sie reicher Mann behaupten, dem Doetor Salbreich nichts schuldig zu sein und ihn nicht bezahlen zu wollen, während Sie doch zu- gestehsn, daß er die ganze Zeit Ihren gebrochenen Arm behandelt und curirt hat." — Bauer: „Na, gerade deßwegen! Ich bin doch nur deshalb zu dem Doetor Salbreich gegangen, weil an seiner Thür angeschrieben steht: Arme werden gratis behandelt."
Rcdactivn: A. Schsydg. ■— Druck und Verlag der Brühl'scheu Druckerei (Fr. Thr. Pietsch) in Gießen.


