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HM leuchtet, von Millionen Sonnenstäubchen belebt und fast undurchsch "3^L^ie fommt das Verhalten der Luftwärme des Seeklimas in Betracht. Die specifische Wärme des Wassers ist höher, als die der festen Erdrinde; ersteres mmmt die Sonnenwärme langsamer auf, hält sie aber auch länger zurück, als das Festland. Hieraus folgt für das Seeklima ein kühler Frühling und Sommer, aber ein warmer Herbst und Wmter; langsam nimmt das Meer im Frühjahr die erhaltene Sommer- wärme auf und läßt langsam im Herbst sie wieder entströmen. Sehr wesentlich sür das Seeklima ist die eigenthumlrchs Erscheinung, daß die Schwankungen der Luftwärme während ernes Tages so gering sind, daß Abends, selbst im Herbst und Winter, kaum ein Unterschied gegen die Tageswärme wahrzunehmen tjt. Daher die Gleichmäßigkeit, Milde und Weichheit des Seeklimas, welche es ermöglicht, daß die Kranken sich zu jeder Tageszeit in der freien Luft aufhalten können. Die in der Seeluft vor- herrschende kalte Lustströmung bewirkt eine mechanische Durch- lüftung des Körpers und der Kleidung, indem der Wind Staub und Keime aus den Kleidern entsührt und die in denselben ent- haltens verunreinigte Luft durch chemisch reme ersetzt. Die Wärmeentziehung von der Haut durch den Seewind macht sich zwar anfangs als Frostgefühl bemerklich. Indessen tritt bei der Milde und Gleichmäßigkeit des Seeklimas schon nach wenigen Tagen Gewöhnung ein, so daß der Seewind kaum noch unangenehm empfunden wird. Diese abhärtende Wirkung des Seeklimas macht sich ganz besonders auf der Schleimhaut der oberen AthmungSwege geltend, also der Nase, des Rachens, des Kehlkopfes und der Luftröhre. Diese Organe werden nach einem vier- bis sechswöchentlichen Aufenthalt an der See gegen dre Gefahr einer Erkältung im Herbst und Winter geschützt. Tue gesteigerte Wärmeentziehung hat auch eine Steigerung der Wärmebildung im Körper zur Folge. Es äußert sich diese Wirkung in einer schon in den ersten Tagen eintretenden Zunahme des Appetites und der Verdauungrkraft; etn ^eU der aufgenommenen Nahrungsstoffe wird zur Wärmebildung un Körper verwandt. Bei Störungen der Ernährung und Erkrankungen des Stoffwechsels, wie sie beispielsweise der Bleich- sucht und Blutarmuth zu Grunde liegen, wirkt der Genuß der Seeluft erfahrungsgemäß überaus günstig, indem der Stoffumsatz gesteigert und die Gesammternährung des Körpers gehoben wird. Die Dauer der Einwirkung der bewegten See- lüft ist ganz abhängig von der Lebensweise des Kranken, d. h. von der Zeit, welche er im Freien und im geschloffene Raume zubringt. Wer den ganzen Tag über am Strande sich aufhält und nur des Nachts im Zimmer verweilt, wird die wohlthuen- den Wirkungen des Seeklimas in ausgiebigerem Maße verspüren, als Derjenige, welcher nur einige Stunden im Freien zubringt.
Bezüglich der Häufigkeit der Seewinde zeigen dre Nord ee- bäder durchweg ein weit günstigeres Verhältniß als die Ostseebäder. Denn bei den ersteren bilden die Seewinde den ganzen Sommer hindurch geradezu die Regel. Obenan steht Helgoland, welches aus jeder Himmelsrichtung Seewind bekommt, mithin ohne Unterbrechung, Tag und Nacht, dem Kurgast dre reinste Seeluft darbietet. Diese herrliche Nordseemsel stellt gewissermaßen das Ideal eines Seeklimas dar, indem hier der Sommer kühl, der Herbst warm, der Winter mild, der Frühling kalt ist. Der Salzgehalt der Seeluft, welcher unmittelbar am Strande seine Wirkung entfalten kann, spielt auf Helgoland eine wichtige Rolle, wie es bei der Kleinheit der Insel und Düne gegenüber der großen Waffermaffe leicht verständuch fft. Allerdings ist dieser Salzgehalt nur als ein mechanisch anhaftender, nicht als chemischer, zu betrachten, weil der Wind bisweilen bei wogender See von dem Gischt der Wellen Wafferchnlchen mit fortführt, welche man dann am Strands gelegentlich salzig schmecken kann. Denn das durch Verdunstung vom Meere m die Luft aufsteigende Waffergas ist stets salzfrei. Der Mangel jeden Hemmnisses auf der See selbst ist die Ursache der großen Gleichmäßigkeit und Stetigkeit, welche den Seewind vor dem Landwinde in gesundheitlicher Beziehung so vortheilhaft aus-
Redaction: A. Scheyda. - Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in G-eßen.
zeichnet. Dabei ist Helgoland während des Sommers von heftigen Winden ganz frei. Alle diese Verhältnisse machen Helgoland und die anderen Nordseeinseln zu Luftkurorten ersten Ranges. Weniger eignen sich hierzu die Ostseebäder, ber denen die Landwinde über die Seewinde überwiegen. Diese Küsten- bäder haben überdies während des Sommers nur an wenigen Tagen wirklich reinen, d. h. staub- und keimfreien Seewind, ft daß von einem regelmäßigen Kurgebrauch der Seeluft nicht wohl die Rede fein kann. Hingegen haben die Ostseebäder eine gewisse Bedeutung als Sommersrischen, welche sich durch reine Lust und freie Luftbewegung, sowie durch eine anmuthige, Auge und Gemüth ersrischende Verbindung von Meer und bewaldetem Land vor den Sommerfrisch-.n des Binnenlandes auszeichnen. Die freiere Lage und die Kleinheit der Nordseemseln bedingt es, daß die Winde von allen Seiten freien Zutritt haben, daher beständig wehen, aber ihrer großen Gleichmäßig- feit wegen von der Haut nach kurzer Gewöhnung nicht unan- genehm empfunden werden. Wer daher von einem Seeaufenthalte nicht allein Erholung, sondern auch eine bestimmte Heilwirkung der Seeluft auf seinen Körper erwartet, der findet sie nur in den Nordseebädern.
Gemeinnütziges.
Zähes Fleisch weich $u kochen. Da wegen des herrschenden Futtermangels auch viel älteres und dabei unge- mästetes Vieh geschlachtet wird, so seien unsere Hausfrauen und Köchinnen darauf aufmerksam gemacht, daß sich auch alter zähes Fleisch durch nachfolgende Behandlung recht welch kochen läßt. Man gießt nämlich nach dem Abschäumen des Fleisches (auf acht Pfund einen Löffel) Branntwein und selbst das härteste Fleisch wird hierdurch erweicht, ohne im Geringsten nach Branntwein zu schmecken. Auch das Hmzuthun von Nesselblättern wird guten Dienst thun, und läßt man Fleisch zehn Minuten lang im Waffer liegen, welches mit dem Taste der Melone versetzt wurde, so soll es bei dem Kochen zum Zer- fallen weich werden. * *
Eier kochen. Eine Eieruhr ist ein sehr zweifelhaftes Dina mit deren Hilfe man die kernweichsten Eier ganz hart kochen kann. Die wissenschaftliche Forschung, der kem Ding zu gering ist, hat auch hier Abhilfe geschaffen: Man wende das Thermometer an und beachte Folgendes: Legt man die Eier in dar Waffer, sobald es eine Temperatur von 50 Grad Reaumur zeigt, so ist in ihnen, wenn dieselbe auf 70 Grad ^stiegen, das Weiße eben im Beginn des Festwerdens, das Gelbe aber noch dünnflüssig; bei 73 Grad zeigt das Weiße sich vollständig fest, das Gelbe 'm Beginn der'Festwerdens, bei 75 Grad ist es „pflaumenweich , bei 76 Grad ist auch das Gelbe fest und seine Härte steigert sich, je länger man es kochen läßt. * ,
Blumenkohl an Eier. In Salzwaffer abgekochter und abgetropfter Blumenkohl wird mit nach unten gerichteten Stielen auf eine Schüssel, welche die Hitze verträgt, geschichtet, und mit einer dicklichen Sauce überzogen, die man aus 2 mm Rahm mit 20 Gramm Butter und zwei Löffeln Mehl über dem Feuer abgerührt und mit Salz, zwei Eiern und Muskat- nuß vermischt hat; hat man den Blumenkohl hiermit bestrichen, so streut man noch geriebene Seunnel und Parmesan- käse darauf, gießt Krebsbutter darüber und läßt dies auf einem Dreifuß im Ofen zu.einer Kruste backen.
Speck mit Eiern (englisch). Man befreit Speck von der Schwarte, schneidet ihn in Würfel over Scheiben, setzt den selben in einem Tiegel auf gelindes Feuer und läßt ihn unte österm Umrühren braten, dann wird er auf eine erwärmt Schüssel gelegt, schlägt in das Fett des Speckes Setzeier, welche man auf dem Speck anrichtet. __


