Ausgabe 
29.4.1893
 
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Die beiden Freunde kamen gerade früh genug, um der nach den rauschenden Klängen einer Jägerkapellr aufgeführten Polonaise zuschauen zu können, welche ein schöner, flotter Rrtt- meister in der Uniform der rothen ungarischen Husaren mit der klassisch schönen Tochter des Hauses an der Seite dirrglite. Ein schönes Paar war es wahrhastig, welches an der Spitze der Polonaise schritt. Die vielfachen Wendungen und Ver- schlingungen, die das führende Paar in immer neuen Varian­ten ersann, boten den Zuschauern hinreichend Gelegenheit, die ganze Gesellschaft in allen verschiedenen Elementen zu mustern.

Die beiden Ankömmlinge mußten übrigens bei dem Haus­herrn in sehr hoher Achtung stehen, denn Herr von Eppinger, welcher seine Augen überall zu haben fchren, eilte nach ihrer Ankunft sofort zu ihnen und begrüßte sie herzlich-, An emeni der Büffets tranken die Freunde nun in aller Eile einige Glaser echten Champagners und wandten sich dann den Tanzenden E^Wäh'rend der Zug derselben die entgegengesetzte Saalseite entlang ging, flüsterte Doetor Löwe seinem Freunde ms Ohr: Alexandrine versteht sich wahrhaftig auf Labyrinthgänge. - Auf Wiedersehen, ich muß zu Beate!"

Die nächste Pause benutzte Doctor Hiller dazu, die Damen des Hauses aufzusuchen und ihnen sein Compliment zu machen.

War Frau Bella von Eppinger schon eine Schönheit ersten Ranges zu nennen, in den vierziger Jahren noch lugendsrisch, so durste ihre Tochter Fräulein Alexandrine mit rhren zwanM Jahren als das Prototyp echt weiblicher Schönheit gelten. Es war eine junonische Gestalt, die zugleich doch etwas von der Zierlichkeit der Hebe an sich trug. Das griechische Oval des I Gesichtes war durch ein Paar mandelförmig geschnittener, strahlender blauer Augen belebt und von dem prachtvollsten Kastanienbraun eines üppigen Haarschmuckes umrahmt; der rothe Kirschmund konnte so lieblich lächeln und plaudern, daß I man fast darüber vergaß, die prachtvollen, perlenartigen Zahn- reihen^M xbewundmi^lein a(e?anbrine neben der Mama und bei den Damen waren auch der Sohn des Hauses, Victor von Eppinger, Oberlieutenant bei den Kaiserlägern, und der schon erwähnte Rittmeister von den rothen Husaren, Guido von

^Mer stellte sich verbindlich grüßend ben Damen vor und nahm auch Anlaß, Fräulein Alexandrine in Anbetracht des heu» tiaen Tages herzlich zu beglückwünschen. Alexandrine saß sinnend da. Die Worte, in welchen der berühmte Schriftsteller zu ihr sprach, klangen so wahr, so herzlich, daß die Mge Dame sich unwillkürlich tiefer verneigte, als es sonst bei ihr der Fall war, wenn sie für eine Huldigung dankte.

Man ist es bei Ihnen gewohnt, Herr Doctor," gab sie dann zurück,aus Ihrem Munde so geistreiche Worte zu hören, daß man sich stets von Ihnen angezogen findet !

Hiller verneigte sich und trat, um die Ehre der nächsten Mazmka Atttnd^zurück^ ^^isch und schrieb seinen Namen auf ihre Tanzkarte.

Indem trat Victor, Alexandrinens Bruder, mit der Ver­traulichkeit eines alten Bekannten an Hiller heran und zog auch Gilzingen mit sich; man verwickelte sich, leicht ein Gespräch

I über das bevorstehende Carnevalsfest, bei welchem Lothar Hiller als Dichter und Guido von Gilzingen als der tüchtigste Reiter betheiligt waren. Gilzingen warf jedoch nur mißachtende Blicke aus den Schriftsteller, was dieser jedoch nicht zu bemerken schien-

Während Alexandrine noch über Lothars Worte nachsann, die in ihrem Herzen eine neue Saite erklingen machten, tute jenes seelenvolle Gedicht, welches heute früh mit einem pracht­vollen Bouquet als erster Geburtstagsgruß anonym au ihre Adresse gelangt war, und die Frau Bankdirector die Compll- mente der älteren Damen in Empfang nahm, hatte Docwr Löwe sich Fräulein Beate Pauli, die sich neben dem weißen Atlas Alexandrinens im einfachen blauen Kleide wie das ve scheidene Veilchen neben der stolzen Lilie ausnahm, zu nähern I gewußt.

Ah so!"

Schon trat das Haus des Bankdirectors, von oben bis unten festlich erleuchtet, in Sicht, als Doetor Löwe abermals das Wort nahm:Lothar, Du weißt, ich bin Dein Freund, Dein treuer Freund, der, wie man sagt, mit Dir durch Dick und Dünn geht. Ich liebe Beate, des Directors Richte, und habe dabei vielsach Gelegenheit gehabt, Fräulein Alexandrme zu beobachten; meinst Du, glaubst Du, daß dieser Marmor zu I bcfcclctt I

Lothar stand still und schaute einen Moment zum funkeln­den Sternenhimmel auf, dann entgegnete er:Daß Alexandrine eine Seele besitzt, weiß ich; aber diese träumt, sie muß erst erweckt werden. Franz, laß es Dir gestehen: dem einen Streben gilt all mein Ringen, mein Denken, Fühlen, Schaffen ; ich will Alexandrinen mir erwerben, sie durch Liebe zur Liebe und zu einem neuen, glücklichen Leben erwecken!"

Möge es Dir gelingen, Lothar!"

Doctor Löwe reichte dem Freunde die Hand und beide traten durch das Portal in das Haus des Bankdirectors, wo die Diener geschäftig Pelzröcke und Hüte in Empfang nahmen. Das Haus war vom Blüthendust großer Topfpflanzen durch­weht, Marmortreppen und Corridore waren mit feinen Smyr­naer Teppichen belegt, mit großen Kübeln voll exotischer Ge­wächse besetzt, an den Wänden sah man überall feine Bilder der neuesten deutschen Schule und durch große, mattgeschliffene Kugeln von Glas drang das Gaslicht von hohen, vergoldeten Kandelabern bis in die entferntesten Winkel. Einem Feenpalast glich der große Saal im ersten Stock. Welch' eine fast orien­talische Pracht ans tausend und einer Nacht, welch' ein bunt­scheckiges Wogen eleganter Damen und Herren, darunter viele in den Uniformen des Kaiserstaates und der Nachbarländer!

röcke fester um sich und schritten dem Ausgange des Nestau- i ronts^m j,er orientalischen Bank, Ritter Leopold von Evvinqer, bewohnte ein prachtvolles Haus am Ring, ganz in der Nähe der Bank selbst. Dorthin lenkten die Freunde ihre ^S'ein, wie komisch," fuhr Doctor Löwe fort, »daß wir uns unser Ziel nicht gleich nannten. Da sitzen wir bei Ster- zinger und verlieren eine kostbare halbe Stunde. Was mag denn heute bei Eppingers los fein?"

Heute? Das weißt Du nicht, der geheime Verehrer Fräulein Beatens?" srug Hiller erstaunt.

In der That, ich gestehe meine vollste Unwissenheit ein. I erwiderte Doctor Löwe gutmüthig. , n

Fräulein Alexandrine feiert ihr zwanzigstes Wiegenfest !

Ei, ei, Lothar, und Du hast nicht einmal Blumen bei Dir? Ich dächte doch, Du sähest die junge Dame nicht mit gleichgültigen Augen an!" . _ ,

Stille!" gebot hier aber Lothar so heftig, daß Doctor Löwe förmlich zusammenschrak,lieber diesen Punkt laß uns nicht scherzen. Es ist gewiß, Alexandrine ist mir nicht gleich­gültig, aber nie soll sie erfahren, daß

Ein so stolzes Herz wie das Deinige sie geliebt hat! ergänzte Löwe sarkastisch.O Lothar, ich fürchte für Dich, denn Alexandrine scheint sich mehr für Pferdehufe als für Vers- süße zu interessiren und schmucke Husarenoffiziere scheinen ihr näher zu stehen als Jamben und Trochäen!"

Du spielst offenbar auf den Rittmeister von Gilzingen an, Franz! Victor, der Sohn des Hauses, hat ihn als Kameraden mitgebracht. Und wenn Alexandrine die Werbungen des Rittmeisters erwidert, umsomehr, Franz, habe ich Ursache, meine Gefühle zu verbergen; ich denke, das leuchtet ein!

Ich schweige! Aber Eins noch! Die Huldigungen dieses Gilzingen scheinen doch mehr der Mitgift als der Person Ale­xandrinens zu gelten."

Glaub's auch!" gab Hiller trocken zurück.

Woher mag eigentlich der Reichthum des Bankdirectors stammen?"

Lothar zuckte die Achseln.

Ich habe mich nie darum gekümmert, übrigens soll er m den Donaukriegen sehr klug speculirt haben."

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