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Genrernnntziges.
Um Sauerkraut vor Ueberförierung zu fichern, bestreiche man die betreffenden Gesäße mit Kalkmilch und entferne die Kalkrinde erst beim Einfüllen des Krautes mit heißem Wasser. Da der Kalk die Säure sättigt, wird das Kraut besser schmeckend und hält sich länger. Nach dem Einsüllen empfiehlt! es sich, einen birkenen Pfahl in das Kraut zu stecken, da derselbe die Uebergährung, sowie das Welk- und Käsigwerden verhindert. ,
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Laßt die Schlehen nicht unbenützt! Nach einer Mittheilung des Frankfurter „Pr. Rathg." geben dieselben, reif eingeerntet und getrocknet, mit Zucker, Gewürznelken und ganzem Zimmt gekocht, ein angenehmes Compott. Ganz vorzüglich schmeckt dasselbe, wenn man beim Kochen einen Eßlöffel voll Arak und etwas Zitronenschale beigibt. Auch lassen sich die Schlehen, am Abend vor dem Gebrauch mit Zimmt und Zitronenschale gekocht, nach dem Abtropfen auf einem Sieb mit Zucker überstreut, gleich Kirschen zum Kuchenbacken verwenden. Also sammelt die besonders Heuer massenhaften Schlehen.
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Der Wachholderstrauch ist eines unserer nützlichsten Gewächse, denn von ihm lassen sich alle Theile verwenden. Das Holz sowie die auf Kohlen verbrannten Beeren geben Rauch, der rasch das Zimmer von schädlichen Dünsten befreit und eine gesunde Luft erzeugt.; Aus den Wurzeln, in Wein oder Wasser gesotten, erhält man ein vorzügliches Blutreinigungsmittel. Jeden Morgen nüchtern zehn zerquetschte Wachholder- beeren in Wasser genommen, bringt Jedem, der an Kpofweh leidet, baldige Linderung.
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Maiblümchen auf dem Weihnachtstisch! Man pflanzt jetzt die Keime in Töpfe (10 bis 12 Keime in einen 4 zölligen Topf), stellt sie in das Freie, damit sie einen Frost von 3 bis 5° E. bekommen, senkt ste Anfang December in das Treibbeet in Sägespähne oder Moos bei 25 bis 28° Wärme ein und überdeckt sie mit Moos.
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Cactus durchwintert man in einem warmen Zimmer und stellt sie in eine halbdunkle Ecke, wo sie bis Anfang April nicht mehr begossen werden. Dann giebt man ihnen einmal in der Woche ein wenig kaltes Wasser. Anfangs Mai stellt man ste an ein sonniges Fenster und gießt reichlicher bei bis September, wo man die Pflanzen wieder allmählich in Ruhestand treten läfet
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In Hh aeintheugläsern kann man das Wasser vor dem Verderben schützen, indem man in jedes Glas eine Messerspitze voll Holzkohlenpulver oder Salicvlsäure zusetzt.
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Rothe Milchspeise, sehr fein. Ein Liter gute Vollmilch (nicht abgerahmt) wird aufgekocht, kalt gestellt, doch so lange gerührt, bis sich keine Haut mehr oben bildet, 300 Gramm zugesetzt und dann recht schnell 30 Gramm aufgelöste rothe Gelatine, unter welcher jedoch 1/3 bis 1/4 weiße sein kann, damit die Speise zart rosa erscheint, die abgeriebene Schale von einer, der Saft von vier Zitronen darunter gerührt. Man läßt die Speise in einer mit Mandelöl ausgestrichenen Form kalt, womöglich auf Eis gestellt, gerinnen. Ausgestürzt, giebt man sie mit einer Boullionsauce.
Nankin. Den bisweilen sehr empfindlichen feinen Nan- kin zu waschen hat oft seine Schwierigkeit. Folgendes einfache Verfahren hat sich stets als zweckmäßig erwiesen. Der Nankm ' wird 24 Stunden in frisches Wasser gelegt, in welchem eine Hand voll Kochsalz ausgelöst ist. Darauf wäscht man mit schwacher Seifenbrühe und zuletzt blos mit Wasser, oder den
abgebrühten Thee trockne man, koche zwei Hand voll! im Wasser und wasche den Nankin darinnen, der dadurch seine Farbe be» hält.
Vermischtes.
Eine Stecknadel ist freilich ein sehr unbedeutender Gegenstand, allein die Art und Weise, wie sie verwendet und zum Beispiel in ein Kleidungsstück gesteckt ist, offenbart nicht selten den Character der Hand, die es bewerkstelligte. Ein geriebener Bursche, so wird erzählt, sah sich einst nach einer Frau um und machte zu diesem Zwecke einer Familie mit Töch- tern seinen Besuch. Die Schöne, die ihm besonders gefiel, trat eines Tages mit flüchtig geordnetem Haar und einem Kleide in's Zimmer, dessen aufgegangene Nähte sie an einer Stelle mit Stecknadeln zusammengeheftet hatte. Die Folge war. Jener ging nicht wieder hin. Man kann sagen: ein solcher Geselle sei keine Stecknadel werth, aber er war wirklich ein geriebener Bursche und wurde später ein glücklicher Ehemann. Er beurtheilte die Weiber wie die Männer nach Kleinigkeiten, und er hatte Recht, denn aus tausend Kleinigkeiten ist der Mensch zusammengesetzt. Ganz ähnlich verfuhr ein junger, reicher Gutsbesitzer, indem er zu einem Freunde sagte: „Hier, sieh' diesen Besenstiel, ihn bestimme ich, um mir eine Gattin zu wählen." Er hatte eine zahlreiche Gesellschaft eingeladen, worunter sich viele junge Mädchen befanden, die er nach der Tafel im Garten spazieren führte. Auf einem der sorglich geebneten und mit Sand bestreuten Wege lag der Besen, über den Einige stolperten, Andere Hinwegschritten. Endlich kam ein Mädchen, das ihn aufhob und in eine Ecke stellte. Ihre Ordnungsliebe imponirte dem heimlichen Heirathscandidaten, er suchte ihre nähere Bekanntschaft, lernte eine Fülle anziehender Eigenschaften an ihr schätzen und heirathete sie. Er hatte es nie zu bereuen.
„Der Beruf als Eisenbahnbeamter scheint in Ihrer Familie erblich zu sein?" wurde ein Bremser gefragt, dessen Vater ebenfalls auf dem Bremsersitz gesessen, worauf dieser mit Stolz erwiderte: „O ja, einer meiner Vorfahren war während des siebenjährigen Krieges schon — Locomotiv- führerl"
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Fein gegeben. Herr (beim Walzer): „Wie Sie schweben, mein Fräulein I Ich glaube, Sie berühren den Fußboden gar nicht I" — Junge Dame: „Doch — ab und zul Unglücklicherweise rutsche ich dann fast jedesmal unter Ihre Füße!"
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Sarkastisch. Aelteres Fräulein: ,Ja, ich sag'Ihnen, Herr Lieutenant, um mich haben sich die jungen Männer schon duellirt!" — Lieutenant: „Wie, so reich sind Sie?"
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Vor Gericht. „Angeklagter, aus welchem Grunde haben Sie eigentlich diese alten Schuhe gestohlen?" — „Sehr einfach, Herr Präsident, weil ich sie für neue hielt."
Eine gute Antwort. In einem Gebirgsdorfe. Ein Tourist zu einem Eingeborenen: „Das ist also das Dorf, in dem es so viele Trotteln gibt?" — „Jawohl, mein Herr, aber sie reisen im Sommer hier nur durch."
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Das schwierige Wort. „Warum haben Sie die Allee mit Apfelbäumen bepflanzt und nicht mit Akazienbäumen, wie ich Ihnen ausdrücklich dictirt habe?" — „Ich war froh, daß ich habe „Aeppel" schreiben können, Herr Landrath!"
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Ach so! A.: „Warum betrachtest Du denn Deinen Hausschlüssel so genau?" — B.: „Morgen — heirathe ich!"
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


