Ausgabe 
22.6.1893
 
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Donnerstag, den 22. Juni.

Verschlungene Pfade.

Roman von Max Hochberg.

(Fortsetzung).

Fräulein Ehrenberg ist ein ganz armes Mädchen," fuhr Götz nach kurzer Pause fort,und wurde von ihren Eltern in die Balletschule gegeben. Das Kind mußte ihnen von frühester Jugend an Geld verdienen und widmete sich nicht au» Liebe diesem Beruf. Sie hat Stolz und Ehrgeiz und will nicht Tänzerin bleiben, sondern strebt nach Kräften vorwärts. Sie darbte sich am Esten und an der Kleidung die Ausgaben für Papier ab, um sich Rollen auszuschreiben, nähte am Tage für Geld und schrieb und studirte in der Nacht. Sie hat sich aus einer verwahrlosten Umgebung emporgehoben, wie die Lilie aus dem Sumpf. Wer im Ueberfluß und Reichthum aufgewachsen ist, wird das freilich nicht zu würdigen misten! Wem jeder Wunsch, jede Laune gewährt wird, weiß nicht, was es heißt, zu darben und sich im harten Kampf um's Dasein die heiligsten Güter zu bewahren. Ich will Ihnen keinen Vor­wurf daraus machen," fügte er milder hinzu, denn ihre Zer­knirschung ging ihm doch zu Herzen.Bitte, zürnen Sie mir nicht wegen meiner freien Sprache. Sie zwangen mich dazu! Sind Sie mir böse?"

Sie schüttelte leise den Kopf, ohne aufzublicken.

Er glaubte, auf ihrer Wange einen feuchten Streifen zu sehen, doch war das wohl nur Täuschung. Wie er sich aber jetzt unter dem Kronleuchter im Tanz mit ihr drehte, gewahrte er in einem der aufwärts strebenden Maiglöckchen an ihrer Brust eine Thauperle, die sich bei der raschen Bewegung löste und herabtropfte. Im Innersten bewegt, drückte er die zarte Gestalt für einen Augenblick fest an sich.

Ihr verging fast der Athem vor Schreck, allein Asta kand ihn deshalb nicht unausstehlich, wie Herrn von Fernow. Sie waren durch den Saal gewirbelt und reihten sich dem Zuge wieder ein. Da nahte Ruler von Steffeck und holte sich Asta; nach ihm nahm Fernow sie in Anspruch und darauf Prinz Alexander. Als Götz sie später noch einmal auffordern wollte, vereitelte es ihm Erna, indem sie behauptete, ihr Mann habe da» ältere Recht. Hans sei schon zweimal abschlägig be- fchieden morden und habe sich darüber beschwert- Er würde es der Schwägerin ernstlich übel nehmen, müßte er wieder zurückstehen. Die Mama nickte mit wichtiger Miene zu den Beweisgründen ihres Lieblings und Götz mußte sich wohl oder ' bescheiden. Andern Tages wollte er sich erkundigen, wie

den Damen der Ball bekommen sei. Es hieß, die Herrschaften seien ausgefahren.

Den Schaukästen, in welchen die Theaterzettel ausgehängt waren, hatte man eine rothe Affiche zugsfügt. Die Besucher der Festvorstellung lasen mit Verstimmung und nicht geringem Staunen:Wegen plötzlicher Erkrankung des Fräulein Eckstädt wird Fräulein Felicitas Ehrenberg die Rolle der Viola über­nehmen- Sie läßt um gütige Nachsicht bitten."

Der rothe Zettel rief ein lebhaftes Hin- und Herreden in den Theaterräumen hervor. Das Publikum war Dank der Geschwätzigkeit der Garderobedamen bald informirt. Fräulein Eckstädt hatte sich am vorhergehenden Abend mit dem Regisseur überworfen und im Laufe des Vormittags aus Bosheit absagen lasten. Der Intendant war rathlos gewesen, welches Stück gleich geben, in dem die betreffende Dame nichts zu thun hätte- Herr Selter, der Intrigant, hatte sofort Aushilfe gewußt; er schlug Fräulein Ehrenberg, feine Schülerin, vor. Sie habe die Rolle der Viola gerade jetzt bei ihm studirt; was ihr an Routine abginge, ersetze Jugend und Begeisterung- Sie fei für die Partie wie geschaffen, habe Temperament, große Innig­keit des Ausdrucks und werde sich überdies mit ihrer schlanken, knabenhaften Figur bester ausnehmen, als dasstattliche" Fräulein Eckstädt.

Es war noch in der Eile eine Probe abgehalten worden, die zur leidlichen Zufriedenheit des Intendanten ausfiel und nun harrte das Publikum gespannt der Dinge, die da kommen sollten.

Herr Selter hatte sich mit der Annahme nicht verrechnet, daß seine Schülerin schon aus Opposition gegen Fräulein Eck- städts Sosheit eine warme Aufnahme finden würde- Felicitas Jugend und Schönheit thaten das ihre- In der ersten Scene merkte man ihr die Sefangenheit an, dann aber spielte sie mit zunehmender Wärme; die Segeisterung für ihre Rolle trug sie und ihr weiches, schönes Organ gewann sich alle Herzen im Sturm- Nach dem ersten Act mußte sie mit der Vertreterin der Olivia erscheinen. Der Applaus galt zumeist dem Debüt der jungen Tänzerin- Die Fürstin, der von der Caprice der Eckstädt Kunde geworden, gab ihren Beifall kund, ein Signal für die Insassen des ersten Ranges, mit ihrer Zufriedenheit nicht zu kargen.

Götz war während der Anfangsscene in größter Unruhe gewesen. Er ängstigte sich über die Maßen um seinen Schützling.

Würde mir an Deiner Stelle wie eine Hühnermutter vorkommen, deren Entenjunges munter schwimmt. Muß ein ähnliches Gefühl für Dich sein?" neckte ihn Steffeck.

Heinz hörte und erwiderte nichts. Vor Aufregung ver­stand er von Rulers Bemerkungen keine Silbe,