Ausgabe 
21.1.1893
 
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Lied, gan» für sich allein, das klang anders, wie alle anderen Lieber, die ich jemals hörte. Es war eine fremde, verrückte Sprache und als mich das Frauenzimmer sah, da lachte sie hell auf.Das ist für den Schreck, guter Freund!" damit warf sie mir einen Thaler zu."

Du hast ihn doch nicht aufgehoben, Michel?"

Wie werde ich denn! Wenn nun das Weibsbild wirklich ein Währwolf ist, dann könnte ja"

Pst! Der Herr kommt!"

Aber Erich ging an den Leuten vorüber, ohne stehen zu bleiben. Er hatte sich jetzt nach hartem Kampf zum Entschlüsse durchgerungen und war in sich ruhiger geworden. Die schul­dige Summe mußte fort aus dem Hause; der aufreibende Zwie­spalt ließ sich nicht länger ertragen. Nein, nicht länger I Wir hatte er nur bis jetzt zögern können!

Und in diesem Sinne begrüßte er den alten Herrn, der auch während den entscheidenden Stunden nicht zu Bette ge­gangen war.Es ist Alles hin, Großvater, viel mehr noch, als ich dachte wir müssen Geld aufnehmen, um nur einiger­maßen balanciren zu können."

(Fortsetzung folgt.)

Elektrische Thiere.

Bon Dr. Ludwig Staby.

(Nachdruck verboten.)

In dem großen Kampfe um's Dasein ist ebenso wie in jedem anderen Kampfe eine der wichtigsten Voraussetzungen für das erfolgreiche Bestehen desselben das genügende Vorhanden­sein von Waffen, und zwar von Waffen, die sowohl zum Schutze und Trutze dienen, wie auch dazu, ihrem Besitzer Beute zu verschaffen, ihn zu befähigen, seine Mitgeschöpfe, die ihm zur Nahrung dienen, in seine Gewalt zu bekommen. So mannigfaltig wie die Formen des Thierreichs selber sind nun auch diese Waffen gestaltet, neben den weit verbreiteten, wie Zähnen, Krallen, Stacheln, Gehörn u. s. w-, finden wir ganz sonderbare und eigenthümliche Mittel, die diesem Zwecke dienen, ich erinnere nur an das Gift der Schlangen, die Abschreckungs­mittel des Lamas, Stirikthieres, an die Verstellungskünste man­cher Thiere, an die Eigenschaften vieler Reptilien und Jnsecten, das ergriffene Glied einfach fahren zu lassen und dem dadurch verdutzt gemachten Angreifer zu entfliehen und anderes mehr. Eine der seltensten und interessantesten Bildungen zur Wehr und Waffe finden wir unter den Fischen, eine Waffe, die sich äußerlich an der Gestalt des ThiereS nicht kennzeichnet, sondern die im Innern des Körpers verborgen ist, aber unter der harmlosen Marke von gefährlicher und verderbenbringender Wirkung ist, nämlich die Eigenschaft einiger Fische, electrische Schläge austheilen zu können. In dem ganzen Thierreich lind nur einige wenige Fische mit dieser characteristischen Waffe ausgerüstet und es dürste gewiß interessiren, die ältesten aller vorhandenen electrischen Maschinen einer näheren Betrachtung zu unterziehen.

Als ersten der drei vorkommenden electrischen Fische nennen wir den Zitterwels (Melaptcrurus electricus), einen ungefähr ein bis zwei Fuß langen Wels, dessen glatte schlei­mige Haut auf grauem Grunde zahlreiche schwarze Flecken aufweist. Sein Vorkommen beschränkt sich auf den Nil, Sene­gal und einige andere Flüsse des afrikanischen Continents. Das electrische Organ des Zitterwelses liegt zwischen der Körperhaut und den Muskeln, wo es sich als dünnes, aus mehreren Häuten bestehendes Gewebe, die eine gallertartige Masse einschließen, hinzieht und zwar über den ganzen Körper. Am Bauche ist diese Masse am größten und umfangreichsten und sie besteht aus einer großen Anzahl von Säulchen, in denen ähnlich wie in einer Volta'schen Säule die Electricität erzeugt und von den vielfach verzweigten Nerven geleitet wird. Der electrische Schlag des Zitterwelses ist nicht von bedeuten­der Kraft, er vermag nur kleinere Thiere zu lähmen resp. zu tödten.

Die Meere der südlichen Länder beherbergen die zweite Familie der electrischen Fische, die Zitterrochen, unter denen der Marmelzitterrochen (Torpedo marmorata) wohl der be­kannt ste ist. Der Marmelrochen erreicht bei einer Länge von 5 Fuß und einer Breite von 21/2 bis 3 Fuß ein Gewicht von 50 bis 60 Pfund, die Unterseite des Fisches ist hell gefärbt, während die braune Oberhaut mit mehr oder weniger weißen Marmelflecken geziert ist. Das electrische Organ liegt zu bei­den Seiten des Kopfes bis zu den Brustflossen hin, es besteht aus einer großen Zahl sechseckiger, prismatischer Säulen, die senkrecht von unten nach oben gehen und deren jede durch Querwände in eine große Anzahl scheibenförmiger Zellen, die mit einer klaren, gallertartigen Flüssigkeit gefüllt sind, getheilt ist Diese electrische Batterie, durch zahlreiche Nerven und Adern genährt und erhalten, kann eine bedeutende Kraft ent­wickeln und ein ausgewachsener Fisch vermag Schläge auszu- theilen, die einen erwachsenen Menschen sofort betäuben und umwerfen. Die positive Electricität ist an der Rückseite, die negative an der Bauchseite angesammelt, einen Schlag kann man nur erhalten, wenn man mit zwei Punkten des Fisch­körpers von verschiedener Electricität in Berührung kommt. Der Rochen vermag, wie alle electrischen Fische, seine Schläge willkürlich zu ertheilen, je größer die Körperfiäche ist, die man beim Schlage berührt, desto heftiger ist die Wirkung der elec« Irischen Entladung

Der im Mittelmeer vorkommende Zitterrochen war den Griechen und Römern eine bekannte Erscheinung, sie kannten ebenfalls die merkwürdige Kraft, die den Thieren innewohnte, wenn sie dieselbe auch nicht zu d mten wußten. Der alte N ckur- forscher Konrad Geßner, wegen seiner Vielseitigkeit der deutsche Plinius genannt, sagt von dem Z tterrochen unter Anderem: Wiewohl die Z tteifiich von Natur im schwimmen langsam und träge sind, so hat doch dieselbig Natur ihnen eine solche Kunst und Kraft verliehen, daß sie auch die allerschnellsten sisch zu ihrer speiß und Nahrung kriegen mögen, nemlich was sie beriert, daß solches zu stund entschläfft, müd, lam und tobt wird. Sömliche Kraft erzeigt sie nit allein gegen den Fischen und Thieren, so in Wassern waren, sondern auch gegen den Menschen, gegen den Fischern, welch sie zu Zeiten in die Garn kommen; solches ist den Flschern wol bewust, werden von keinem angetastet, denn so sie mit der Hand berührt werden, vorauß so sie verletzt oder truckt, so entschläfft das Glied, bekompt von großer mächtiger Kälte, so von solchem Fisch fleußt, ein un- entpfindlichkeit und entschlaffen." Also ihm mar es schon be­kannt, daß der Zitterrochen, ein ausgeprägter Raubfisch, sich seiner Beute dadurch bemächtigt, daß er sie durch einen elec* irischen Schlag betäubt und die Bewegungslosen dann in aller Ruhe verschlingt.

Der gefürchtetste und gefährlichste unter den electrischen Fischen ist der Zitteraal (Gymnotus electricus), der Trembla- dor der Spanier Südamerikas, ein Fisch von beinahe gleichem Aussehen wie unser Aal, der eine Länge bis zu 6 Fuß bei einer Sckwere b.s zu 40 Pfund erreichen kann. Der Zitter­aal kommt in einem großen Theil Südamerikas vor, wo er besonders in den Flüssen, Seen und Lachen Nordbrasil'enS und der angrenzenden Länder sehr häufig ist, er findet sich nur in Wasser von durchschnittlich mindestens 25 Grad Celsius, in kälteren Strömen, wie z B. in den Gebirgsflüssen, fehlt er gänzlich. Sein Lieblingsaufenthalt sind die warmen Gewässer der weiten unendlichen Ebene, der Pampas Südamerika», und hier kommt er oft in großer Anzahl in jedem Bach und jener Pfütze vor. Trocknet zu Beginn der heißen Zeit sein Wohn­gebiet aus und kann er sich nicht in liefere Tümpel zurück« ziehen, so bohrt er sich in den Schlamm ein und verbleibt darin in einer Art Winterschlaf bis zur nächsten Reaenzeit. Der Züteraal verräth seine Anwesenheit in einem Wasser da­durch, daß er alle halbe Minute mit dem Kopf an die Ober­fläche des Wassers kommt, um mit hörbarem G.räusche Luft einzuathmen, die er bei dem sofortigen Untertauchen durch die Kiemenspalten wieder entweichen läßt Das Bemerkenswertheste an ihm ist das electrische Organ, das fast vier Fünftel des ganzen Körpers einnimmt. In zwei größeren und vier kleineren