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»Ihre Tochter selbst, Herr Professor? Darf ich viel­leicht fragen, inwiefern"

Meine Elfriede wurde bei der Beurtheilung dieses Herrn eben von einem besseren Instinkt geleitet als ich. Ich hatte ihr auf seinen ausdrücklichen Wunsch nichts von seinem Sin* trage mitgetheilt, und als er ihr an jenem Tage, da Sie uns so plötzlich verließen, zum ersten Mal von seiner Liebe sprach, wies sie ihn ganz kurz und unzweideutig ab- Ich hatte mir also ganz überflüssiger Weise Sorge und Kopfzerbrechen ge­macht; denn wenn er auch der vollkommenste aller Menschen gewesen wäre, würde ich doch selbstverständlich niemals daran gedacht haben, meine Tochter zu einer Heirath zu zwingen, welche nicht ihren eigenen Wünschen entsprach. Wollen Sie übrigens meiner Elfriede nicht wenigstens einenGuten Abend" wünschen, lieber Herr Staatsanwalt? Sie war es, welche Sie unter der Menge herausfand und mich auf Ihre Anwesenheit aufmerksam machte. Vielleicht würde es ihr wehe thun, wenn Sie nicht einmal einen Gruß für sie hätten."

Natürlich war Bernhard Rodewaldt mit Freuden bereit, dieser Aufforderung Folge zu leisten, und er fand Elfriede, über deren Wangen bei seinem Eintritt ein allerliebstes Er- röthen huschte, fast noch anmuthiger und holdseliger, als bei jener ersten Begegnung.

. Anfänglich zwar war man auf beiden Seiten etwas ver­legen und die Unterhaltung wollte nicht recht in Fluß kommen; dann aber gab eine Beethoven'sche Symphonie, die soeben ge­spielt worden war, doch Gesprächsstoff genug, um Beiden über die erste Verwirrung hinwegzuhelfen. Jedenfalls verließ der Staatsanwalt für den Rest des Concerts die kleine Loge nicht wieder, und da er sich, um die Nachbarschaft nicht zu stören, nur im Flüsterton mit Elfriede unterhalten konnte, mach'e wohl, ohne daß er selbst etwas davon ahnte, die Art, in welcher er sich häufig zu ihr neigte und der Ausdruck, welchen seine Züge dabei annahmen, ihrem Verkehr in den Augen et­waiger Beobachter einen Anschein von Vertraulichkeit geben, den hervorzurufen er gewiß nicht beabsichtigt hatte.

Nach Beendigung der Aufführung geleitete Rodewaldt, der sich wie in einem Rausch des Entzückens befand, den Professor und feine Tochter bis an die Droschke und reichte dort Elfrieden die Hand, um ihr beim Ernsteigen behülflich zu sein.

Gute Nacht, mein Fräulein!" flüsterte er ihr zu.Werde ich hinzufügen dürfen:Auf Wiedersehen?"

Ja!" gab sie leise zurück.Besuchen Sie uns bald; denn Sie werden immer willkommen sein!"

Und dabei verrieth ihm nicht nur der Blick ihrer schönen, glänzenden Augen, sondern auch der leichte Druck ihrer kleinen weichen Hand, wie aufrichtig die Versicherung gemeint war und eine wie köstliche Verheißung darin verborgen lag.

Mit glücklich lächelndem Antlitz sah er der davonrollenden Droschke nach, so lange er sie noch in dem Gewühl der übrigen Wagen zu erkennen vermochte.

In einer freudig gehobenen Stimmung, wie er sie bisher nur in wenigen Momenten seines Lebens empfunden, wandte er sich zum Gehen; aber er hatte kaum einige Schritte gethan, als er eine Berührung am Arme fühlte, die nur eine absicht­liche gewesen sein konnte. Er sah sich um und blickte in das fahle Gesicht des Doctor Stirner, dessen scharfe, graue Augen mit einem tückischen Glitzern auf ihn gerichtet waren.

Auf ein Wort, Herr Staatsanwalt! Ich habe Einiges mit Ihnen zu reden!"

Unwillig hatte Rodewaldt sich von ihm losgemacht.

Ich habe keine Sprechstunden auf der Straße! Melden Sie sich bei dem Bureauvorsteher auf der Staatsanwaltschaft, wenn Sie mir etwas mitzutheilen haben, und ich werde dann prüfen, ob eine Veranlassung für mich vorhanden ist, Sie zu empfangen."

Oho nicht so hochmüthig, mein verehrter Herr! Was ich Ihnen zu sagen wünsche, geht den Bureauvorsteher bei der Staatsanwaltschaft ganz und gar nichts an. Das kümmert Sie allein, denn es bezieht sich auf Ihre Bemühungen um die Gunst einer Dame, welche Ihnen niemals angehören

wird verstehen Sie wohl: niemals, da ich fest entschlossen bin, es zu verhindern!"

Ohne ihn einer Antwort zu würdigen, ging der Staats­anwalt weiter; Stirner aber blieb an seiner Seite und ging in gleichem Schritt neben ihm her.

Sie haben meinen Brief nicht beantwortet," fuhr er fort, und der heisere Klang seiner Stimme bewies zur Ge­nüge, in wie großer Aufregung er sich befand,und Sie haben vielleicht geglaubt, daß ich nicht der Mann sei, Ernst zu machen mit dem, was« ich Ihnen darin angedroht. Aber sehen Sie sich vor! Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und ich wiederhole noch einmal: Geschenkt ist Ihnen Nichts! Ein einziger Tropfen kann das Gefäß zum Ueberlaufen bringen, und der erste weitere Versuch, sich dieses Mädchen zu gewinnen, brächte Sie mit unfehlbarer Sicherheit ins Verderben! Sie wissen, von wem ich rede, und ich rathe Ihnen"

Er kam nicht weiter; denn Rodewaldt, der ihn bis dahin ruhig hatte sprechen lassen, blieb plötzlich stehen und schnitt ihm die Vollendung des begonnenen Satzes ab.

Wenn Sie mich nicht jetzt auf der Stelle verlassen, werde ich genöthigt sein, Sie so zu behandeln, wie man einen zudringlichen Strolch oder einen lästigen Bettler behandelt, bas heißt, ich werde Sie von dem ersten besten Schutzmann verhaften lassen. In Ihrem eigenen Interesse empfehle ich Ihnen, nrich dazu nicht erst zu treiben."

Es war etwas in dem Ton seiner Worte, das keinen Zweifel an ihrer Ernsthaftigkeit aufkommen ließ, und die furchtlose Festigkeit seiner Haltung mußte den ehemaligen Rechtsanwalt zugleich davon überzeugen, daß er sich von irgend welchen Einschüchterungsversuchen kaum einen Erfolg versprechen dürfe. Auch hätte es Rodewaldt wenig Mühe ge­kostet, seine Verheißung zur Wahrheit zu machen; denn sie befanden sich noch in der Nähe des Concertlocals, die Straße war stark belebt und das behelmte Haupt eines Polizeibeamten wurde in geringer Entfernung sichtbar-

So begnügte sich Doctor Stirner denn damit, ein höhni­sches Gelächter anzuschlagen und mit dem giftigsten Ausdruck, dessen er fähig war, zu erwidern:

Sie drohen mir mit der Polizei? Natürlich! Die Polizei ist ja auch dazu da, um Kinder und Feiglinge zu be­schützen. Die Hauptsache von dem, was ich Ihnen zu sagen hatte, wissen Sie übrigens nun und wir begegnen uns hoffent­lich bald an einem Orte, wo Sie mir wohl oder übel auch für das Andere Gehör schenken müssen."

Indem er mit ironischer Höflichkeit an seine Hutkrempe griff, drehte er sich um und ging nach der entgegengesetzten Richtung davon. Die beglückte Stimmung des jungen Staats­anwalts aber war durch diese Begegnung recht häßlich zerstört worden. Er hatte all' seine Selbstbeherrschung aufbieten müssen, um den frechen Patron nicht mit einem Faustschlag zu Boden zu schinettern, und stürmisch hämmerte das Blut noch lange in einen Schläfen. Wenn er bis dahin nur eine Empfindung kalter Verachtung für den ehemaligen Advocaten gehabt hatte, rer sich zum Spießgesellen eines gemeinen Mörders gemacht, o fühlte jetzt auch er etwas wie Haß in seinem Herzen empor* eimen, und er bedauerte fast, daß der Elende ohne die ver­diente Züchtigung davongekommen war.

Schließlich aber gewann doch das glückliche Ereigniß dieses Abends wieder die alleinige Herrschaft über seine Gedanken, und der holde Trauni, welcher damals ein so jähes, wehmüthiges Ende gefunden, gaukelte ihm aufs Neue allerlei herrliche, lockende Bilder vor, deren sonnige Farbenpracht durch keine Erinnerung an Doctor Julius Stirner mehr beeinträchtigt wurde. (Forts, f.)

Gin Komiker in Wakd und Kain.

Plauderei vou H ero Max.

------- (Nachdruck verboten.)

Wollte man so kühn sein und von einer unbewußten, iummen, anschaulichen Dichtung der Mutter Erde in Bezug auf ihre Pflanzenwelt sprechen, so könnte man sagen: Die Erde