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aber die ist mir theurer als das Leben und wäre mir für nichts feil. Ja, ich kann es ruhig behaupten: läge hier ein Schatz aufgehäuft und wüßte ich, daß kein menschliches Auge mich sieht, so würde ich doch eher verhungern, als mich an fremdem Eigenthum vergreifen."
„So denken Sie?"
„Ja! — Und ich bin fest überzeugt, daß Sie es ebenfalls thun."
„Natürlich, natürlich, mein Freund! Ich befinde mich heute in ausgezeichnet guter, man könnte sagen übermüthiger Laune. Aber nun Scherz bei Seite! Jetzt bin ich wieder ganz Arzt. — Also der Kopf schmerzt noch?"
„Hier über den Augen."
„Das soll gleich ein Ende nehmen: Lehnen Sie sich zurück und fixiren Sie diesen Ring."
Neubert gehorchte. Nach drei Minuten fielen ihm die Augenlider zu, er bemühte sich vergebens, sie zu öffnen. Von Frank aufgefordert, die Arme zu erheben, that er es wohl, aber langsam, ruckweise, wie ein Automat. Gefragt, ob er schlafe, antwortete er: „Ja!"
Der Doctor holte nun ein kleines Kiffen und gab es ihm in die Hand mit den Worten: „Sie fühlen doch diese Angorakatze?"
„Ganz deutlich," erwiderte der Schreiber.
„Sie können jetzt die Augen öffnen und werden das Thier sehen."
Neubert sah sich die immaginäre Katze an und streichelte sie. Als Frank das Kiffen nahm und auf die Erde legte, stand er sofort auf und holte es. Er befand sich im dritten Grade der Hypnose.
„Nun, mein Lieber," sagte der Doctor, nachdem er noch mehrere Versuche angestellt halte, „Sie sehen dort einen Schrank, an welchem zufällig der Schlüffel steckt. In der oberen Schublade liegt ein Geldtäschchen, welches zweihundert Mark enthält. Die Gelegenheit ist günstig — nehmen Sie es."
Der Schreiber zögerte. Er führte den erhaltenen Befehl nicht aus, sondern sträubte sich offenbar dagegen. Werner beobachtete ihn mit stets wachsender Aufmerksamkeit. Psychologisch sind die Willensäußerungen derjenigen Hypnotisirten, welche Handlungen ablehnen, die mit ihrem Character im Widerspruch stehen, von höchstem Jntereffe. Mehrmals wurde die Suggestion wiederholt, aber Neubert weigerte sich entschieden, Folge zu leisten.
„Ich muß mich entschließen, eine falsche Prämisse zu suggestiren," flüsterte Frank dem jüngeren Collegen zu und fuhr dann fort: „Es ist ja kein fremdes Geld, das Sie dort fortnehmen und zu sich stecken sollen, sondern Ihr eigenes. Erinnern Sie sich denn nicht, e« vor ungefähr acht Tagen dorthin gelegt zu haben?"
Nun erst ging der Mann zu dem Schranke, ergriff das Portemonnaie und verbarg es in der Brusttasche feines Rocke».
Frank strich ihm über die Stirn und sagte: „Sie werden jetzt erwachen, sich recht wohl, gestärkt und erquickt fühlen, aber jede Erinnerung an Das, was während Ihres Schlafes vorging, verloren haben!"
Es geschah wirklich.
„So leicht und frei war mir schon lange nicht mehr zu Muthe," erklärte der Schreiber einige Minuten später. Im Begriff, sich zu entfernen, wurde er aber von dem Arzte zurückgehalten mit den Worten: „Geben Sie mir erst die zweihundert Mark wieder, die dort im Schranke lagen-"
„Ich habe sie nicht!" wehrte der Erschrockene ab.
„Doch, doch! Faffen Sie nur in Ihre Tasche — in die linke. — Sehen Sie wohl, daß ich recht hatte. Sie brauchen nicht so bestürzt auszusehen. Ihre Ehrlichkeit steht über jeden Zweifel erhaben da. Es handelte sich nur um ein unschuldiges Experiment."
Neubert warf das Geld auf den Tisch. Er schien sogar etwas ungehalten. Selbst, daß er die That unbewußt vollführt hatte, verletzte sein Ehrgefühl und veranlaßte ihn zu dem Ausruf : „Jetzt lasse ich mich gewiß niemals wieder in hypnotischen Schlaf versetzen!"
Wieder zuckte das sarkastische, unangenehme Lächeln üttt den Mund Franks.
„Wirklich nicht?" sagte er. „Nun, immerhin — Sie sind ja so gut wie geheilt — aber in solcher Aufregung dürfen Sie nicht scheiden. Ihre Stirne ist wieder heiß geworden. Bleiben Sie noch.--So, nun werden Sie schon ruhiger.
Wie kann man nur so empfindlich sein! — Jh weiß, daß Sie der achtungswertheste Mann von der Welt sind. Legen Sie jetzt das Geldtäschchen hinter das Broncegitter des Kamins."
Auch dieser Befehl wurde vollführt. Abermals geweckt, starrte Neubert mit einem Ausdruck des Staunens und Schreckens auf den Gegenstand, der an so unpassender Stelle lag, nieder und entfernte sich mit sehr gemischten Empfindungen. Sein hochverehrter Gönner, der edelmüthig genug war, kein Honorar zu beanspruchen, kam ihm so fremd, so seltsam und unbegreiflich vor, daß er tiefem Unbehagen, ja, sogar beklemmender Aengstlichkett nicht wehren konnte und mit einem Seufzer der Erleichterung die Hausthüre hinter stch zufallen hörte.
„Es ist bewunderungswürdig, bis zu welchem Grade man den menschlichen Geist unterjochen kann," sagte Werner eine Stunde später, Abschied nehmend.
„Werden Sie sich längere Zeit hier aufhalten?" fragte Frank, ihn begleitend-
„Ich gedenke mich bleibend in meiner Vaterstadt P. niederzulaflen."
„Dann hoffe ich, Sie öfter in Clauswitz zu sehen. Begrüßten Sie meine Frau und Mazda schon?"
„Mit Fräulein von Bodenstein einige Worte zu wechseln, war mir bereits vergönnt. Darf ich mir nun erlauben, Ihrer Frau Gemahlin meine Aufwartung zu machen?"
„Sie wird sicher erfreut sein."
Werner fand in der That eine sehr freundliche Aufnahme, allein die Veränderung, welche mit Rafaele vorgegangen war, berührte ihn doch schmerzlich. Welche Wehmuth sprach aus dem wunderbaren Gesichte, aus den einst so schalkhaft funkelnden Augen. Wie wenig Frohsinn lag in dem matten Lächeln, welches zuweilen um den tchönen, stolzen Mund spielte und an einen sich mühsam durch Wolken hindurch kämpfenden Sonnenstrahl erinnerte.
Nicht lange dehnte der junge Arzt seinen Besuch aus, erschien aber, der zuvorkommenden Einladung folgend, ziemlich häufig in Clauswitz. Er hatte selbst bei einem berühmten Professor in Nancy den Hypnotismus studirt und war sehr wohl vertraut mit dieser Wissenschaft. Franks Versuche in« teressirten ihn daher außerordentlich. Der stärkste Magnet, der ihn immer wieder nach der schön gelegenen Besitzung zog, war j doch Magdas Anwesenheit. Das gleichsam in allen Farben schillernde Wesen des Mädchens fesselte ihn immer mehr und mehr, und auch sie fing allmälig zu fühlen an, daß ihr fein Kommen und Gehen nicht mehr gleichgiltig war- Für Werner gab es überdies ein psychologisches Räthsel zu lösen. Gar Manches in dem Thun und Lassen der Waise kam ihm seltsam, überraschend, nicht recht in Einklang mit ihrem Character vor. Auch Rafaele besaß seine wärmste Theilnahme, denn er sah wohl, daß sie die Beute geheimen Kummers war.
(Fortsetzung folgt.)
Geiir-ninLLtzrges.
Salat-Säen im Spätherbste. Um für kommendes Jahr möglichst frühzeitig Salat zu ernten, ist eine Aussaat vor Winter gut. Der Same geht gewöhnlich um einige Wochen früher auf, als wenn er erst im Frühjahre gesät wird.
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Alle Fruchtruthen der Himbeeren, die in diesem Jahre getragen haben, müssen am Boden abgeschnitten werden. Von den jungen läßt man vier bis sechs stehen und entspitzt sie. Kräftige Düngung ist übrigens nölhig.


