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Tante Hanna war mit dem Doctor Peters in die Stadt zurückgekehrt und vor ihrem stillen Heim abgestiegen. Sie saß noch lange in Gedanken versunken auf ihrer Veranda und Klickte in das vom Mondlicht überfluthete Gärtchen, ohne die Schönheit dieser Nacht zu empfinden, da ihre Gedanken fern in der Vergangenheit weilten, deren Bilder sich so seltsam mit dem Geschick ihrer jungen Freundin in Ebenheim verknüpften. Eben deshalb hatte sie stets mit Armgard Holten sympathisirt And sie ganz besonders in ihr Herz geschlossen. Hatte sie sich in dem Character derselben so sehr irren können? — Konnte ss denkbar sein, daß die stolze, energische Armgard ihre ganze
Vergangenheit verleugnen und den plumpen Fallstricken dieses gedrungen waren, um die Bewohnerin zu retten. Menschen, der sich seines Sieger über sie bereits gerühmt, er-
Ein Blitz, dem zugleich ein furchtbarer Donnerschlag folgte, sagte den erschreckten Bewohnern der Stadt, daß es irgendwo eingeschlagen haben muffe. Wenige Minuten später ertönte auch schon der Feuerruf durch die Straßen.
„In Tante Hannas Haus!"
Das war genug, um Alt und Jung hinauszutreiben und das Eigenthum der Greisin, welche ja gar nicht daheim war,
wie man sich zurief, zu retten.
„Doch, Kinder, Tante Hanna ist daheim!" rief Doctor Peters, welcher sich ebenfalls nach dorthin begab. „Ich selber habe sie nach Hause gebracht. Um Gotteswillen, das Haus steht in Flammen, vorwärts, wer laufen und retten kann."
Ja, das traute Heim der guten Tante schien unrettbar verloren zu sein, da die Flammen von allen Seiten empor« züngelten. Doch schon war die Feuerwehr zur Stelle, um den Kampf mit dem Elemente aufzunehmen. Zwei Männer aber waren die Allerersten gewesen, welche in's brennende Haus ein*
Diese beiden waren Leonhard Marbach und sein amerikanischer Freund. Sie hatten sich in der Stadt, wohin sie nach ihrem Besuche in Edenheim geritten waren, bei einigen Freunden verspätet und die Heimkehr trotz des noch andauernden Gewitters angetreten, als der letzte furchtbare Schlag, womit sich das Unwetter vollständig erschöpfte, sie gerade vor Tante Hannas Haus erschreckte, weil sie im ersten Augenblick die Empfindung hatten, als wären sie selber davon getroffen worden- Sie vermochten nur mit Mühe ihre Roffe zu bändigen, welche mit ihnen durchzugehen drohten, und bemerkten in nächster Minute schon das brennende Haus. Von den Pferden herunter und diese anbinden, war das Werk weniger Augenblicke. Marbach rief drinnen vergeblich mit dem Aufgebote seiner Lungen nach Tante Hanna und beide Männer suchten besorgt in den ihnen völlig unbekannten Räumen nach der Greisin, während Rauch und Hitze immer unerträglicher wurden. Endlich, — es waren allerdings erst wenige Minuten verflossen, aber diese ihnen unendlich lang erschienen, fanden sie die kleine hingestreckte Gestalt, anscheinend leblos, und trugen sie sorgsam in's Freie, wo sie dieselbe zuerst in die Laube brachten und auf eine Bank
war das? — Umfing sie noch ein schrecklicher Traum oder war es Wirklichkeit, was sie dort, wenige Schritte entfernt, in einem kleinen Nebenzimmer, wo sie ihre Papiere, ihr Geld und ihre sonstigen Werthsachen aufbewahrte, plötzlich ganz deutlich erblickte?
Ein Mann stand vor dem geöffneten Secretär und wühlte in ihren Papieren umher, steckte Verschiedenes zu sich, nahm die nicht unbedeutende Summe, welche sie wenige Tage vorher von ihrem Bankier erhalten, an sich und wandte sich dann zu dem großen Spiegel, in der offenbaren Absicht, Toilette zu machen. Er nahm eine Perrücke von seinem Kopfe, legte einen Vollbart ab und betrachtete sich hohnlächelnd im Spiegel. — Tante Hanna sah sein Gesicht, stieß einen surchtbaren Schrei aus und glitt vom Bett herab. Sie sah dann, schon halb besinnungslos, eine Gestalt über sich und brach zusammen.
niederlegten.
Das Gewitter hatte sich verzogen, der Regen aber auch zum Glück ganz aufgehört, während die Feuerwehr herangerasselt und die halbe Bevölkerung nachkam, um nach ihrer alten guten Tante Hanna zu sehen. Die Freude war groß und wahrhaft rührend, als man erfuhr, daß sie gerettet worden sei.
Aber sie sollte ja todt sein, wie ihre Retter gesagt, dort in der Laube sollte die Gute liegen, welche für Jeden Trost und Rath gehabt. Ein Lichtlein brannte in der Laube, um dem Doctor zu leuchten, während die Flammen in dem Häus«
liegen werde?
Tante Hanna seufzte tief auf bei dieser Vorstellung, die Ihr im Herzen wehe that, als beträfe es ihr eigen Fleisch und Blut, und begab sich dann zur Ruhe-
Sie hatte es nicht bemerkt, daß eine dumpfe Schwüle in der Atmosphäre lag, daß die Rosen betäubenden Duft aus- strömten und der Mond nach und nach durch einen Schleier verhüllt erschien. Auf ihrem Herzen lastete es wie ein Alp, -rs war ihr, als hätte sie in Armgards Nähe bleiben, sie schützen müssen vor irgend einem unheimlich dräuenden Geschicke. So legte sie sich zur Ruhe und fiel bald in einen sie bleiern umfangenden Schlaf.
Die Greisin hatte zum ersten Male in ihrem Leben vergessen, die Fenster des Wohnzimmers, welche sie bei der Heim- Lehr mechanisch geöffnet, wieder zu schließen, während sie ihr Schlafzimmer ungelüstet gelassen hatte. Die tiefe Bekümmer- Riß, welche von ihrer Seele Besitz genommen, hatte ihren Blick so sehr von Außendingen abgelenkt, daß selbst die Gewohnheit augenblicklich ihre Macht über sie verlor und nur die mechanische Gewalt der unwiderstehlichen Ermüdung sie zum Schlafe zwang. —
Mitternacht war soeben vorüber, durch das Brausen des Sturmes, welcher das heraufziehende Gewitter begleitete, waren von den Thürmen die zwölf Glockenschläge erklungen. Pfeilschnell hatte sich der Himmel mit schwarzen Wolken bedeckt und das Mondlicht ausgelöscht. Blitze suhren herab, daß secunden- lang der Himmel auflohte, der Donner rollte mächtig hinterdrein, und in den Häusern glänzten überall die Lichter auf.
Auch um Tante Hannas kleine Villa tobte der Sturm und entblätterte die schönsten Rosen. Die offenen Fenster klirrten unaufhörlich, der Regen ergoß sich in's Zimmer, doch die Greisin hörte es nicht, sie rang im Traume mit einer furchtbaren Macht, mit dem Alp, der sich auf ihrer Brust gelagert, ihr die Kehle zuschnürte, daß sie nicht schreien, — die Augen geschlossen hielt, daß sie nicht um sich schauen, nicht erwachen konnte. Ihr angstvolles Stöhnen verschlang der Sturm, — doch jetzt fiel ein Lichtstrahl auf ihre geschlossenen Lider, sie vermochte die Augen zu öffnen, sich zu erheben und — was
AUN —"
„Zu Tisch, meine Herrschaften!" fiel Armgard hastig ein.
Ich lasse Sie nicht ohne Abendbrod fort."
emporloderten. , .
Arme Tante Hanna, ihr Eigenthum, all ihr Hab und war verloren.
„Was thut's," meinten die Leute, „wenn sie nur am
Leben bleibt!"
Und sie blieb am Leben, aber ihr Bewußtsein war gestört.
(Fortsetzung folgt.)
tzer hierher reiste, zur Besorgung mitgegeben. Der Herr hat K;*t «kören wollen und nur das Briefchen im Hofe abgegeben, nachdem er sich erkundigt, ob die Tante noch mit der »einett Zotta anwesend sei. Die Magd hat ihm geantwortet, daß die Kleine erkrankt sei und Tante Hanna hier bleiben werde."
„Und der Brief? Was ist's damit?" fragte Tante Hanna verwundert. .
„Er enthält überschwengliche Dankesworte für Sie und für mich, zärtliche Grüße und Ermahnungen für Lotta und die Anzeige, daß er, Herr Steindorf nämlich, vielleicht noch einige Tage länger, als er glaubte, fortbleiben werde."
„Nette Aussichten," brummte der Doctor, „gratulire dazu, meine Damen. Vielleicht kommt er gar nicht wieder und läßt Ihnen das Kind aus lauter Dankbarkeit."
„Das wäre nicht das Schlimmste," meinte Hanna trocken. «Der Kleinen könnte es nur zum Vortheil gereichen. Und


