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genommen war, achtete man wenig auf das Benehmen des Vertheidigers, das unter anderen Umständen wohl einige Aufmerksamkeit erregt haben würde.
(Fortsetzung folgt.)
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Dicke Bohnen ü la Bechamel. Die in Salzwafser abgekochten Bohnen läßt man abtrocknen und richtet sie mit folgender Sauce an- Einen Löffel Mehl schwitzt man in einem Stiche Butter gelb, fügt etwas abgekochte und ungerahmte Milch, sowie ein wenig Salz hinzu, läßt unter fortwährendem Umrühren Alles 10 Minuten kochen und gibt ein Stückchen Butter, etwas Bratenjus oder Liebigs Fleischextract, sowie ein wenig Pfeffer bet, ohne jedoch die Sauce nochmals kochen zu lasten. Die fertige Sauce muß ziemlich dick sein.
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Bewahrung des Kaffee-Aromas. Der gebrannte Kaffee, wenn er lange steht, verliert bekanntlich sein Aroma. Um die» zu vermeiden, fügt man auf ein Kilo Kaffee sofort nach dem Brennen zwei Löffel gestoßenen Zucker hinzu. Dieser umgibt im Augenblick den Kaffee und saugt da» Aroma in sich hinein. Auf diese Weise hat man immer einen vorzüglichen und kräftigen Kaffee. * ,
Eierbier. Man setzt ein Liter Bier mit 120 Gramm Zucker, etwas ganzem Zimmt und einigen Stückchen Citronen- schKe zum Feuer und läßt es bis zum Kochen kommen; inzwischen werden sechs ganze Eier mit der Schneeruthe oder dem Quirl zu Schaum geschlagen und das kochende Bier unter fortgesetztem Schlagen hinzugegoffen, worauf man das Eierbier in Gläser füllt und aufgibt.
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Feiner Kartoffelsalat. Die in der Schale gekochten Kartoffeln zieht man ab, schneidet sie in Scheiben, bestreut sie mit Salz und Pfeffer und übergießt sie mit einer Taste kräftiger, kochender Fleischbrühe aus Liebigs Fleischextract. Dann bereitet man die Sauce. Man rührt Oel mit zwei rohen Eigelb an, fügt Essig, Citronensaft, eine geriebene Zwiebel, zwei harte durchgeriebene Eidotter, etwas gehackte Petersilie und Zucker hinzu und vermischt mit dieser wohlschmeckenden Sauce die Kartoffelscheiben.
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Es ist sehr mißlich, wenn es im Orte selbst keine Spitzenwäschereien gibt, die oft kostbaren Spitzen selbst zu waschen, sie verlieren meistens ihre Grundform und die kleinen Picots legen sich um. Auf eine einfache Art kann man Spitzen selbst waschen, daß sie wie neu aussehen. Man näht auf ein Brett, besten Größe man je nach der Breite der Spitzenkragen, Fichus oder Volants wählt, weißen, groben Flanell, heftet die Spitzen vorsichtig darauf, daß sich keine Falten bilden und besonders die Picots nicht umgebogen werden, dann näht man Mull oder Moustelin über die Spitzen und reibt sie in lauwarmem, schaumig geschlagenem Seifenwaster zwischen den Händen. Man spült sie in klarem Master nach, bis sich kein Seifenschaum mehr zeigt, als Stärkemittel nimmt man ein bis zwei Blatt aufgelöste weiße Gelatine. Nach dem Trocknen plättet man sie leicht mit einem warmen Eisen; sie werden wie neu sein. Schwarze Spitzen braucht man nur durch kalten Thce zu ziehen und dann noch feucht zu plätten.
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Alte seidene Ball- oder Hutblumen sollte man nicht fortwersen, sondern sie auseinander lösen und in das Bassin der Petroleumlampen werfen. Sie klären da» Petroleum, da sich alle kleinen Unreinlichkeiten desselben in die Blumen setzen.
Der Kuß.
Die transatlantische Botschaft, daß das Küsten nach dem Gutachten eine» ärztlichen Forums gesundheitsschädlich sei und kurzweg abgeschafft werden müste, hat folgendes hübsche Capriccio gezeitigt.
Ueber die im bräutlichen Frühlingsschmuck daliegende Erde huscht mit leisem, heimlichem Tritt ein schelmischer Knabe mit rosigem Antlitz und verschmitztem Lächeln. An der Seite trägt er den wohlgesüllten Köcher, und aus sicherem Hinterhalt, aus überhängenden Blüthenzweigen und grünenden Hecken hervor richtet er seine Pfeile auf die ahnungslosen Menschenkinder, und will sich zu Tod lachen, wenn er eines so recht mitten ns Herz hinein getroffen hat.
Da fällt sein Blick auf ein holdseliges Geschöpf, ein Engelchen, das am Wege sitzt und, bitterlich weinend, die kleinen Hände vor die Augen hält; — und, weil Amor mit ihm nahe befreundet ist und überhaupt keine Thränen sehen mag, setzt er sich theilnehmend daneben und will den Grund seines Kummers misten.
„O, ich bin so unglücklich," schluchzte das Engelchen „wenn Du wüßtest, was sie mir anthun wollenI —
Da ist drüben über dem großen Master ein Mann, ein furchtbar gelehrter Mann, der will auf einmal die Menschen gegen mich aufhetzen!" —
Amor machte ein verwundertes Gesicht.
„Was will er denn damit bezwecken?" —
„Abschaffen soll man mich, sagt er," flüstert das Engelchen leise, „das Küsten sei unästhetisch, ungesund und altmodisch, und sei zu gar nichts nütze--"
„Der Kerl ist verrückt!" ruft Amor entrüstet dazwischen. --Und das Alles gerade jetzt, mitten im Frühling, wo das Leben so wunderschön ist und die Menschen mich so lieb haben!" — schließt das Engelchen mit zitternder Stimme und einer neuen Thränenfluth.
Der Knabe neben ihm zieht^ die Stirn in Falten und Überlegt.
„Wenn sie Dich abschaffen wollten," sagt er dann über- zeugend, „so müßten sie zuerst mir den Garaus machen, denn Kuß und Liebe gehören von Rechtswegen zusammen, — und mich, das weißt Du doch, können sie in alle Ewigkeit hinein nicht umbringen!" — Das Engelchen hebt mit neuer Hoffnung den Kopf. „Was würden überhaupt die Menschen anfangen ohne Dich?" fährt Amor tröstend weiter, „die Grethe, da drüben in dem Häuschen, hat erst gestern ihrem Hansel gesagt, Du seiest das süßeste Ding auf der ganzen Welt!" —
„Und gelt, ich muß doch auch immer dabei sein, wenn eine Mutter ihr Kindletn herzt, oder wenn z. B.--ein
Bub' und ein Mädel--sich so recht innig lieb haben?"
meint das Engelchen erglühend. „Natürlich!" bekräftigt Amor, „das geht einfach nicht anders. — Und dem alten Bösewicht, der es so schlimm mit Dir meint — denn alt ist er doch jedenfalls? —"
„Uralt," bestätigt das Engelchen. — „Dem wollen wir schon einen Streich spielen," lachte Amor mit lustigem Augen- zwinkern, — „wir fliegen zu ihm hinüber und ich schieße einen Pfeil auf ihn, einen ganz scharfen — weißt Du, und mitten ins Herz hinein! Dann wollen wir doch 'mal sehen, ob er nicht wieder Freundschaft mit Dir schließt!" —
„Wenn er aber dann doch nichts mit mir zu thun haben wollte?" — tönte es halb zaghaft. „Dann wäre er ein ganz merkwürdig thörichtes Subject," sagte Amor verächtlich, „dann verdiente er, daß — man ihn in einem Spiritusglas an die Weltausstellung schickte! —"
Redactton: A. Schryda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


