Samstag, den 11. November.

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Herzenskämpfe.

Roman von Theodor Schmidt.

(Fortsetzung.)

Zehntes Capitel.

An dem Tage blieb Melanie möglichst allein mit ihrem Kummer und Schmerz; doch als sie am nächsten Morgen aus ihrem Zimmer kam, lag ein neuer Zug, der Ausdruck ruhig heiterer Ergebung, auf ihrem schönen Antlitz.

Werden wir, wenn wir heute zum Maler Dornbach fahren, erst bei der Gräfin Scherwiz vorsprechen, Tante?" fragte sie diese.

Nein," antwortete Frau von Roddeck,wir werden die beiden Damen jedenfalls im Atelier treffen, Fräulein Marthas Bild ist noch nicht fertig. Doch erinnere mich, daß wir bei dem Juwelier vorfahren und wegen des Umfaffens der Diaman­ten mit ihm Rücksprache nehmen. Die Diamanten sind wirk­lich wunderbar schön, Du mußt sie an Deinem Hochzeitstage tragen."

Melanie lächelte, und hätte die Gräfin Roddeck sie genauer beobachtet, würde sie wohl gesehen haben, wie es trotz des Lächelns schmerzlich um ihre Lippen zuckte.

Curt stand mit hoch geröthetem Gesicht hastig auf.

Die Gräfin aber fuhr in Unwiffenheit über das Vor­gefallene ruhig fort:Ich möchte auch ein Portrait von Dir haben, Melanie; der Maler Dornbach ist einer der ersten jetzt lebenden Portraitmaler; wir wollen heute mit ihm darüber sprechen. Dann hängen wir zwei Bilder in der Galerie neben einander."

Melanie erwiderte nichts; sie dachte an das schöne junge Gesicht, das bald statt ihrer in der Galerie als Bild hängen würde.

Curt schritt erregt im Zimmer auf und äb; er hätte gern der peinlichen Scene ein Ende gemacht, wenn er nur gewußt hätte, wie?

Endlich verließ seine Mutter zu seiner großen Erleichterung das Zimmer.

Das ist unerträglich!" rief er, sobald sich die Thür hinter Jener geschloffen hatte.Die Mutter muß sofort er­fahren, was vorgefallen ist! Ich kann nicht zugeben, daß Du Scenen, wie die eben erlebte, öfter durchmachst!"

Melanie hob ihr dunkles Auge zu ihm empor, und trotz der Thränen, die in demselben schimmerten, erwiderte sie lächelnd:Sei nicht böse, Curt, es ließ sich nicht umgehen;

i doch Du hast Recht, die Zeit drängt, und wenn Du meinem Rathe folgen willst, so gehst Du noch heute zur Gräfin Scher­wiz und bittest um Marthas Hand."

O nein," versetzte dieser sanft,ich kann nicht an Glück und Liebe denken, so lange Du" plötzlich stockte er, nicht recht wisiend, was er sagen sollte.

So lange ich unglücklich bin, willst Du vermuthlich sagen," ergänzte Melanie seinen angefangenen Satz, halb stolz und doch halb belustigt.Wie aufrichtig Du bist, Curt! Doch Du brauchst Dich um mich nicht zu sorgen. Die Vergangen­heit ist todt für mich, sie wird mich nicht mehr quälen. Von ganzem Herzen wünsche ich, Dir behilflich zu sein, und wenn Du mit Martha vor dem Altar stehst, werde ich an ihrer Seite sein und zwar aus zwei Gründen: erstens, um mich durch den Anblick Deines Glückes für den Schmerz, den ich möglicherweise leide, zu entschädigen, und zweitens, weil Nie­mand sagen soll: Melanie von Selten floh wie ein liebeskrankes Mädchen. Nicht wahr, Curt, außer Dir und mir soll Nie­mand die Wahrheit dieser ganzen Angelegenheit erfahren?"

Die Wahrheit ist, daß Du mir den Abschied gegeben hast," antwortete er lächelnd,aus welchem Grunde, das küm­mert nur Dich und mich."

Ich will mit Deiner Mutter reden," sprach Melanie, sie wird es von mir bester aufnehmen, als von Dir. Und jetzt geh', Curt, Du wirst Fräulein Märtha zu Haufe treffen."

Melanie begab sich nach dem Gespräch mit Curt in das Boudoir seiner Mutter und suchte dieselbe auf das Geschehene vorzubereiten.

Das Beste ist," sagte sie nach einigen Jener fast un­verständlichen Worten mit einem schwachen Versuch, zu lächeln, das Beste ist, mich Dir in aller Kürze zu erklären: mir ist nichts an der Umfassung der Diamanten gelegen, weil ich weil ich Curt nie heirathen werde."

Curt nie heirathen!" stieß die Gräfin hervor.Melanie, bist Du von Sinnen?"

Im Gegentheil, ich bin erst jetzt zu voller, klarer Ueber- legung gekommen," entgegnete diese traurig.Zürne mir nicht, Tantel Und wenn Curt hier vor mir auf den Knieen läge und um meine Hand flehte ich würde Nein sagen."

Und darf ich fragen, aus welchem Grunde?" sagte die Gräfin stolz.

Nein, Tante," entgegnete Melanie sanft, aber bestimmt, auf diese einzige Frage muß ich Dir die Antwort verweigern."

Da ward die Gräfin weicher, zärtlich umschlang sie ihre Nichte.

Fürchtest Du, daß Curt Dich nicht liebt?" fragte sie.

Tante," unterbrach diese sie,dringe nicht weiter in