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Curt hatte an demselben Tage noch einen heftigen Kampf mit seiner Mutter. L , .

Durch ihn erfuhr sie erst, wie edelmüthig und selbstlos ihre Nichte gehandelt, indem sie ihren Verlobten sreigegeben $Sie gab mir mein Wort zurück, well sie sah, daß ich eine Andere tief und innig liebte. Die Edle wollte nicht zwischen mir und meinem Glücke stehen," sagte Curt.

So?" erwiderte die Gräfin entrüstet.Und um einer

geduldig und nahm sie ihr sanft au» den Händen.Sie sollen Ihre ganze Aufmerksamkeit mir schenken, nur für wenige Minuten. Martha, erinnern Sie stch an jenen Morgen in den Bergsdorfer Wäldern?"

Sie nickte stumm.

Wiflen Sie, daß ich Sie damals schon liebte?" fuhr er erregt fort,daß ich mich damals gar nicht losreißen konnte von dem lieblichen Bilde, wie Sie da mit dem Strauß blauer Glockenblumen im Walde standen? Schon da drängte es mich, vor Ihnen auf die Knies zu sinken und Ihnen wie jetzt mein Leben und meine Liebe anzubieten. Seit jener Stunde habe ich keinen anderen Gedanken gehabt, als Siel Mein Leben war, bis ich Sie wiederfah, ein langer, schwerer Traum. Martha! Geliebte! Reden Sie darf ich hoffen?"

Mehrere Minuten lang herrschte tiefe Stille, dann klang es leise und zaghaft:Wie konnten Sie mich lieben, während Sie mit einer Anderen verlobt waren?"

Da erzählte Curt, wie er mit dem Gedanken groß gewor- den war, daß er seine Cousine hetrathe.

Damals kannte ich Sie noch nicht, Martha," fuhr er fort.Als ich Sie sah, da erwachte plötzlich mein Herz und doch dachte ich nicht daran, mein Wort gegen Melanie zu brechen. Ich gedachte, mein trauriges Loos zu tragen und meine heiße Liebe zu Ihnen aus dem Herzen zu reißen. Aber Melanie hat mich frei gegeben unsere Verlobung, sagte sie, sei ein Jrrthum gewesen, unter dem ich nicht leiden solle. Ich bin frei frei, mein ganzes Herz der Einzigen zu Füßen zu legen, die ich lieben kann. Martha, haben Sie kein Wort für mich?"

Ist ste unglücklich?" drang es leise von de» Mäd- chens Lippen.

Ah, Martha!" rief Curt.Laffen Sie diesen Schatten nicht zwischen uns treten. Glauben Sie, wenn sie jetzt hier wäre, ste würde mit für mich bitten. Martha, wäre es mög­lich, daß ich mich geirrt hätte, daß Sie nichts für mich fühlten?"

Da schaute sie zu ihm auf und er las die Antwort in ihren Zügen.

Und während die Blumen ringsum blühten und ihre köst­lich duftenden Grüße aussandten, da erzählte er ihr dieselbe süße Geschichte, welche die Welt schon seit Jahrhunderten hört und ihrer nimmer müde wird dieselbe Geschichte von Liebe, Glück und Hoffnung. Und das junge Mädchen lauschte stumm dem Klang dieser Worte und wähnte sich im Feenlande.

Ich glaube, Martha," sprach Curt mit vor Erregung zitternder Stimme,ich glaube, ich könnte das Leben ohne Dich nicht ertragen. Mit Mr an meiner Seite will ich Alles dul­den, doch ohne Dich wäre das Leben mir eine traurige, öde Wüste."

Die Zeit kam, wo diese Worte in Curt von Roddecks Brust wie Trauergeläut wiederklangen.

Dein Leben soll ebenso hell und glänzend sein, wie da» Leben dieser Blume," sprach Curt,kein Schatten, kein Sturm soll Dich berühren. Doch nun ich meinen Schatz errungen habe, drängt es mich auch, ihn mein zu nennen; wann darf ich Deine Mutter sprechen? Morgen?"

Nein, nicht morgen," erwiderte sie;morgen hat Mama noch mit dem Baumeister zu sprechen. Laß mir den einen Tag, um mein Glück zu fasten und zu träumen!"

Nach Jahren dachte Martha oft darüber nach, wie ihr Leben sich wohl gestaltet hätte, wenn Curt ihre Mutter, wie er gewünscht, am nächsten Tage gesprochen hätte.

mich. Glaube mir, unsere Verlobung war ein großer Jrrthum, i wir wollen dankbar sein, daß wir uns noch bei Zeiten darüber klar geworden sind."

Was wird aber die Welt dazu sagen?" rief die Gräfin. Alles ist schon vorbereitet, Alles bestellt, selbst der Schmuck wird dieser Tage fertig."

Den wird eine Andere tragen," entgegnete Melanie lächelnd,

Wie, wärest Du eifersüchtig?" rief ihre Tante verwundert.

O nein," lautete die Antwort,so glaube mir doch, Tante ich habe eingesehen, daß unsere Verlobung ein Jrr­thum war und habe darum Curt sein Wort zurückgegeben er ist frei. Ueberdies war unsere Verlobung noch nicht öffent­lich bekannt gemacht worden."

Die Gräfin war so böse, so erregt und bestürzt, daß sie in stolzem Tone Melanie bat, ste allein zu laffen.

Du hast mir tiefes Leid damit zugefügt, daß Du Dein Wort brichst und Diejenigen bloßstellst, die Dich innig lieb haben," sprach ste.Hast Du auch bedacht, in was für eine peinliche Situation Du Curt bringst?"

Er wird Kraft genug haben, es zu ertragen," versetzte Melanie im trockenen Tone.Hast Du vielleicht bemerkt, daß er traurig oder niedergeschlagen war? Ich nicht."

Da die Gräfin sich erinnerte, daß sie am Morgen in Melanies Beisein sich besonders befriedigend über Curts Aus­sehen ausgesprochen hatte, wußte sie nichts zu erwidern.

Komm', Tante, laß uns Frieden schließen," sagte Melanie, und traurig klang es aus ihrer Stimme,steh', außer Dir habe ich Niemand auf der Welt."

Doch die Gräfin war noch zu erzürnt über Melanie und kalt versetzte sie:Ich kann nur wünschen, daß Du recht bald zur Besinnung kommen möchtest."

Das war der ganze Trost, den Melanie von Selten in der schwersten Stunde ihres Lebens erhielt.

Elftes Kapitel-

Als Curt an dem folgenden Tage seinen Besuch bei der Gräfin machte, war der Zufall ihm günstig. Die Herrin des Hauses war momentan in Anspruch genommen, um mit dem Baumeister über verschiedene Aenderungen im Bergsdorfer Schlöffe Rücksprache zu nehmen.

Curt wurde in den Salon geführt und da sah er durch die offenen Balkonthüren ein Helles Kleid durch die Bäume schimmern. Da wußte er, wo er die Geliebte zu suchen hatte.

Leise, damit sie ihn nicht höre, schritt er die Stufen, die nach dem Garten führten, herab, dann blieb er einen Moment in glückliche Bewunderung des reizenden Bildes verloren, das sich seinen Blicken bot.

Als er näher kam und leise ihren Namen nannte, schrack sie heftig zusammen und wandte ihm ihr Gesicht zu. Wie blaß sie aussah! Welch' matter, schwermüthiger Ausdruck hatte das frohe, glückliche Lächeln, das sonst um ihre Lippen spielte, ver­drängt!

Mama ist leider beschäftigt," erwiderte sie auf ein paar Worte Curts, ,',der Baumeister von Bergsdorf ist bei ihr. Sehen Sie, was er mir für herrliche Rosen mitgebracht hat."

Das ist sehr liebenswürdig von ihm," entgegnete Curt erregt.Ich kann auch nicht bedauern, daß Ihre Mama in Anspruch genommen ist, da ich hauptsächlich gekommen bin, Sie zu sprechen."

Mich?" wiederholte Martha, während ihr Herz heftig klopfte.

Ja, Sie um Ihnen zu sagen, daß ich meine Cousine Melanie nicht heirathe," stieß Curt in leisem Flüstertöne hervor.

Da bedeckten sich ihre schönen Züge mit dunkler Röthe, in ihren klaren Augen leuchtete es freudig auf, aber ihre zitternden Lippen vermochten keine Antwort zu stammeln.

Martha, ahnen Sie nun, was ich Ihnen zu sagen habe?" hauchte Curt.

Aber diese hielt den Blick fest zu Boden gesenkt und die Rosen zitterten in ihren kleinen Händen.

Die Blumen machen mich eifersüchtig," sprach Curt un­