Erbtheil bis auf den letzten Acker fort war. Tanzen und Prahlen mußtest Du, bis der Gerichtsvollzieher den letzten Stuhl davontrug und unsere Kinder in Schmutz verkamen. Ich bin nicht so betrunken, daß ich das vergessen könnte, und jetzt, da Du die Findelkinder in Pflege nimmst," — er hatte das Wort „Pflege" höhnischen Tones hingeworfen, — machst Du es den armen Creaturen nicht besser. Sie verderben im Unrath, bis Du sie eines Tages, schön sauber gewaschen und mit altem Flickzeug ausgeputzt, der Anstalt zurückbringst und vom Director auch noch als vortreffliche Pflegerin gelobt wirst. Aber meinetwegen, altes Rabengeschöpf, die Andern im Dorfe machen's gerade so und können auch nicht fauler und nichtsnutziger sein als Du."
Nach diesen Worten streckte er sich auf eine Bank und begann, noch einige Drohungen zum Schutze des kleinen Pfleglings murmelnd, langsam einzuschlafen, während die Frau in einer Ecke am Boden niederkauerte und noch lange mit giftigen Blicken auf den Gatten schaute.
Am folgenden Morgen begab sich der Mann wieder auf die Arbeit und nahm seinen eigenen älteren Knaben mit sich, während der jüngere, ein Kind von etwas über anderthalb Jahren, sammt dem Pflegling aus dem Findelhause bei der Megäre blieb, die alsbald wiederum die Mißhandlung des vor Hunger schreienden unglücklichen Kleinen begann, um sich für die Eingriffe ihres Mannes in ihre eigenen Angelegenheiten, wie sie sagte, zu rächen-
Nicht lange war der Mann von Hause fort, so hatte sich der Zorn des Weibes gegen den unschuldigen Kleinen so gesteigert, daß ihn die Elende in blinder Wuth mit einem gerade zur Hand liegenden schweren Holzscheite zu bearbeiten anfing und als dann das unglückliche Kind nur noch heftiger zu schreien begann, faßte die Furie einen schweren eisernen Deckel und schlug damit dem Kleinen so heftig auf den Kopf, daß er plötzlich stumm wurde; — ein gedämpfter ächzender Laut und das Kind lag regungslos am Boden — es war — tobt!
Es war noch in den ersten Morgenstunden des Tages, als die Frau, ein Bündel unter ihrem Tuche, aus dem Hause schlich, nach dem kaum eine Viertelstunde entfernten ehemaligen Bergwerke hin, welches jetzt verlassen und theilweise zusammengestürzt, von Gestrüpp überwuchert, dalag. Die Gegend war von den Umwohnern gemieden, weil allerlei scheues Gesindel zuweilen dort sein Wesen trieb. Hastigen Schrittes irrte die Frau durch die Trümmer der Gebäude; einen Augenblick noch, jetzt blieb sie stehen, scheu blickte sie um sich, dann noch einen Schritt vorwärts an den Rand des großen Schachtes, und im nächsten Augenblicke warf sie das Bündel, die Leiche des unglücklichen Kindes, hinab in die gähnende Tiefe. —
(Schluß folgt.)
Geineinnütziges.
Spargel. Verbraucht man die Spargel nicht sogleich wenn sie gestochen worden sind, so legt man sie in Erde oder in feuchten Sand, oder in ein irdenes Gefäß mit kaltem Wasser angefüllt, stellt dieses an einen kühlen Ort und gießt, im Falle sie in einem Gefäß sind, täglich frisches Wasser darauf.
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Waldmeister-Essenz. Eine Essenz erhält man, wenn man frischen Waldmeister, nachdem er von anderen Pflanzen- Beimischungen und durch Waschen gereinigt wurde, in zwei gleichen Theilen in tiefe Schüsseln oder Schalen gibt, denselben in der einen mit rectificirtem hochgradigen Altkohol, in dem anderen mit gewöhnlichem, doch gutem weißen Tischwein so übergießt, daß der Waldmeister ganz bedeckt ist. Nach einer guten Viertelstunde, höchstens halben Stunde, wird die Flüssigkeit durch ein Sieb abgegoffen, so daß der Waldmeister ziemlich trocken wird, und Alkohol und Wein mit' einander vermischt. In gut zugekorkten Flaschen hält sich diese aromatische
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Essenz ganz vortrefflich, und ein Eßlöffel voll davon genügt, um zu jeder Zeit einen ächten frischen Maiwein herzustellen.
Naturreiner Honig muß, wenn er kalt und dickflüssig ist, bandartig abfließen, sich auch bandartig, aber immer schmäler legen und schließlich sich in lange dünne Fäden ziehen, ohne daß sie gleich abbrechen; er muß wohlriechend, süß, lieblich klebrig, goldgelb, krystallisch rein und fast durchsichtig und, wenn er unter Speisen gemischt wird, leicht durch seinen eigenartigen Geschmack wahrzunehmen sein.
Schutz der Holzgestelle gegen Fäulnis;. Das zweckmäßigste und sicherste Mittel, um die Bestandtheile von Holzgestellen im Keller gegen Fäulniß zu schützen, besteht in Para- finiren des Holzes und wird letzteres in der Weise ausgeführt, daß man das Holz mit geschmolzenem Parafin, welches mit 120 bis 130 Grad erhitztest, imprägnirt.
Warme gefüllte Eier. Man siedet 10—12 Eier hart, kühlt sie ab, schält sie und schneidet sie in Hälften. Die Dotter nimmt man heraus, reibt sie durch ein Sieb und verrührt sie mit 50 g Butter, drei frischen Eidottern, einigen gewiegten Sardellen und Reibbrod, würzt die Masse mit Salz, Pfeffer, V2 Theelöffel in Portwein aufgelöstem Liebig'schen Fleischextract, sowie mit gewiegter Petersilie und gehackten Champignons und füllt alsdann die Eierhälften gehäuft damit aus. Ein Drittel der Füllung behält man zurück, streicht sie, indem man sie zuvor mit saurer Sahne vermischt, auf eine flache Schüssel und setzt die gefüllten Eier darauf, beträufelt die Hälften dann mit wenig zerlassener Butter, bestreut sie mit geriebener Semmel und bäckt die Ger bei sehr gelinder Wärme im Ofen hellbraun.
V-rinisehtes.
In der Markthalle. Verkäuferin: „Warum sind denn die Kartoffeln in letzter Zeit so voll Erde?" — Händlerin: „Weil wir sie jetzt nach dem Gewicht verkaufen!"
Verfängliches Jnser*at: „Pferde zum Schlachten kauft und zahlt die höchsten Preise, auch kann auf Wunsch der Besitzer sofort geschlachtet werden.",
Stadtfrühling. Frau: „Um Gotteswillen, Mann, die Bank ist ja frisch gestrichen . . . steh' schnell auf!" — Mann: „Wozu? Jetzt ist's ja doch zu spät."
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Jägerlatein. „Meine Herren! Sie wissen, daß die Raben sehr schaue Vögel und schwer zu schießen sind, denn wenn sie einen Menschen mit einer Flinte sehen, fliegen sie schon von Weitem davon. Mir sind sie aber nicht schlau genug — ich weiß, wie sie zu täuschen sind. Ich stelle mich nämlich betrunken und taumle hin und her; da bleiben die Vögel ruhig sitzen, denn sie glauben, der trifft doch nichts, und so kann ich sie dann ganz bequem schießen!" ♦ ♦ ♦
Sparsam. Frau: „Du, Marie sagt mir soeben, daß Herr Nulpel der Emma einen Heirathsantrag gemacht hat." — Mann: „Wie gut, daß es erst jetzt geschehen ist, wo wir im Saale sind, sonst hätte ich gar für den noch dar Entröe mitbezahlen müssen." ♦ ♦ ♦
Die neue Mode. Dame: „Mein Frühjahrshut vom vorigen Jahre scheint mir noch ganz brauchbar zu sein, können Sie ihn nicht modernisiren?" — Putzmacherin: „Das werden wir gleich haben. (Schneidet mit einer Scheere den Boden aus und gibt den Hut der Dame zurück.) So, bitte schön, das ist das Modernste — kostet acht Mark fünfzig Pfennige."
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


