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Schöne gärtnerische oder landschaftliche Anlagen verhelfen zum Zuzug wohlhabender Leute. Die wohlhabenden und reichen Leute ziehen mit Vorliebe in Städte mit schönen gärtnerischen Anlagen; Beispiele hierzu liefern Braunschweig, Bremen, Coblenz, Düffeldorf, Hamburg, Würzburg und andere Städte mehr. Die städtischen Verwaltungen handeln daher klug, wenn sie für gute und schöne Anlagen reichlich sorgen. # ,
Rutz als Düngemittel. Hat man sehr hellen Boden, so würde es von großem Vortheile sein, wenn man denselben mit Ruß düngen oder damit dünn bestreuen würde. Abgesehen aber von der düngenden Kraft, färbt der Ruß auch den Boden schwarz, wodurch er dazu beiträgt, daß die Sonnenstrahlen die noch im Frühlinge an sich kalte Erdoberfläche sehr schnell erwärmen, den Samen zum Keimen und die Saat zur kräftigen Bestockung bringen. Besonders wirkt der Ruß nach dieser Richtung außerordentlich günstig auf faure Wiesen, namentlich wenn dieselben kalt und feucht sind. Im Winter hat man überall Zeit, beim Reinigen der Oefen und Rauchfänge den Ruß zu sammeln.
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Frühe Gurken. Wer möchte nicht so zeitig wie möglich, ja die früheste Gurke essen! Um es zu ermöglichen, wende ich folgendes bewährte Mittel an. Sofern die Gurkenpflanze die ersten Blüthenbündel zeigt und dieselben die Größe von Kleeblüthenköpfen erlangt haben, so steche man mit der Spitze eines Federmessers unter Vermeidung von Verletzungen der äußeren Blüthchen die inneren aus und lasse am Rande 3 bis 6 Blüthchen stehen. Diese wandeln sich rapid in Gurken um und erhalte ich für jede der 3 oder 6 Gurken bis eine Mark und darüber. Hätte ich aber die inneren Gurkenblüthen stehen gelassen, so hätte ich vielleicht die doppelte Zahl Gurken, aber schwächere, welche in der eigentlichen Gurkenzeit oft nicht alle zusammen eine Mark einbringen.
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Feiner Kartoffelsalat. Die in der Schale gekochten Salatkartoffeln zieht man ab, schneidet sie in Scheiben, bestreut sie mit Salz und Pfeffer und übergießt sie mit einer Tasse kräftiger kochender Fleischbrühe. Dann bereitet man die Sauce- Man rührt Oel mit zwei rohen Eigelb dick, fügt Essig, Citronen- sast, 1 geriebene Zwiebel, 2 harte durchgeriebene Eidotter, etwas gehackte Petersilie und Zucker hinzu und vermißt mit dieser wohlschmeckenden Sauce die Kartoffelscheiben. Diese Zubereitungsweise ist sehr beliebt und auch ganz vorzüglich.
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Frieden im Hause. Frieden im Hause zu haben, ist wohl der erste Wunsch eines jeden Menschen. Um ihn zu erhalten, halte man an solgenden zehn Geboten fest: 1) Sei stets nachgiebig und nachsichtig. 2) Begrüße Deine Hausmit- bewohner stets freundlich, meide aber so viel als möglich näheren Verkehr. 3) Lasse Dir nie vom Dienstmädchen über die Verhältniffe der Mitbewohner etwas erzählen. 4) Halte nie dieselbe Waschfrau, Näherin, Flickerin rc. 5) Miethe nie ein Mädchen, das schon bei einer Herrschaft im gleichen Hause gedient hat. 6) Borge nie etwas, muß es aber geschehen, so gib es so rasch als möglich wieder zurück. 7) Hast Du au der Treppe etwas verschüttet oder ausgegoffen, so sorge schnellstens für Reinigung. 8) Nimm stets Rücksicht auf die nebenan und in den höheren und unteren Etagen wohnenden Nachbarn und vermeide jeden überflüssigen Lärm. 9) Hörst Du einen Wortwechsel, so schließe sofort die Fenster und entferne Dich, um nichts zu verstehen. 10) Bilde Dir nie ein, daß Deine Kinder artiger sind, als die Deiner Mitbewohner.
Nicht allzu schwer. Sie: „Weißt Du, Mann, war ich mir heute wünsche?" — Er: „Ein neues Kleid." - Sie: „Wahrhaftig! Du hast meinen Gedanken errathen!" - Er: „Na, als ob das so schwer wäre, — bei den paar Gedanken, die Du hast!" * ,
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Entrüstung. Arbeiter (der vom Gerüst herunterge- fallen ist und vorläufig mit frischem Wasser erquickt wird): „Herrgott, wie hoch muß ma' denn Mer 'runterfliegen, dir ma' amal a' Glas Wein kriegt?!"
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Folgerung. Herr: „Was würdest Du glauben, wenn ich Dir ein Markstück gebe?" — Stiefelputzer: „Daß er falsch ist!"
Kühne Selbstvertheidigung. Richter: „Sie wer« den beschuldigt, den Kläger auf dem letzten Kirchweihfeste derart mißhandelt zu haben, daß er eine achttägige Berufsstörung erlitt und überdies den Verlust der Zähne zu beklagen hat; was haben Sie darauf zu sagen?"— Angeklagter: „Daß er HM z'Haus bleib'n foll'n, wenn er kein'» Spaß versteht."
Bewegung. Freund: „Wie kannst Du Dich von Deiner Frau so behandeln lassen! Ich sah beim Eintreten, wie sie Dir eine Ohrfeige gab." - Mann: „Lieber Freund, der Doctor hat ihr kräftige Bewegung verordnet, und da kann ich ihr es doch nicht übel nehmen, wenn sie sich bewegt."
Alterthümliches. Händler (in einem Bauernhause): „Haben Sie vielleicht antiken Hausrath oder so etwas? - Bauer: „Na — an dicken Hausrath habe mer g'rad nit, aber an dicken G'moandrath — dös hab'« mer fcho, können sm nit brauch'»?" # #
Was die Liebe nicht ist. Toni: „Warum markst denn des Abends net mehr auf mich, Jacob, daß wir zufamm bislefchwätze könne?"-Jacob: „Ja schau, Tonerl, bei solcher Kält kann i halt nit a ganze Stund vorm Haus steh n unv auf Dich warten!" —Toni: „Geh, fchäm Dich was, die Lieb müßt Dir doch das Herz warm halten." — Jacob: „Das Herz hält sie mir auch warm, aber en Fußsack kann t halt doch tut draus mache." , *
Nicht unberechtigt. Gigerl: „Ich möchte einige Kragen kaufen; achtunddreißig Centimeter." - Verkäuferin: „Weite? — Gigerl: „Nein, Höhe." * *
Abkühlung. „So oft ich zu Haufe bin, höre ich Sie! Sie singen wohl sehr gerne?!" — Dame: „Leidenschaftlich! — Herr: „Dann würde ich es aber doch lernen!"
Ein ängstliches Gemüth. „Ich fürcht' mich immer in's Bett zu gehen, denn ich hab ordentlich Angst, es könnt mir am End' vom Arbeiten träumen.
Studenten-Lieb.
O Nadelwald, wie bist du schön In deinem grünen Kleid!
Dein Harzgeruch erfüllt die Luft Balsamisch, weit und breit.
Ich weiß, warum ich Liebe stets Zu dir im Busen trug — Wir haben Beide wenig Moos Und Beide Pech genug!
Nedaction: A, Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.


