Ausgabe 
2.11.1893
 
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Felsenspalte hervorsprudeln sieht, mag immerhin sich nach Her­zenslust daran laben. Aber dem Wafler in der Nähe mensch­licher Ansiedelungen trauen wir jetzt nicht mehr ohne Weiteres, dem fließenden nicht und noch weniger dem stehenden. Jetzt wo die Cholera wieder hier und da ihr unheimliches Gesicht zeigt, lesen wir immer wieder in der Zeitung, daß der und der Flußverseucht" sei; er enthält die dem bloßen Auge un­sichtbaren Spaltpilze und ähnliche Lebewesen, deren Einführung in den Körper in wenig Stunden den Tod bringen kann. Sobald irgendwo eine Seuche auftritt, heißt es also mit dem Waffer äußerst vorsichtig umgehen, und sowohl zum Trinken und Kochen, wie auch zum Spülen aller Geschirre nur solches gebrauchen, in welchem durch längeres Kochen alle krankheit­erregenden Bestandtheile unschädlich gemacht worden sind. Außer der Cholera können auch Typhus, Scharlach, Diphtheritis durch Waffer verbreitet werden.

Daffelbe gilt leider auch von der Milch, die sonst als Getränk nicht genug empfohlen werden kann. Es ist daher hochwichtig, daß sie nur ganz gesunden, richtig gefütterten Thieren entnommen und mit der äußersten Reinlichkeit be­handelt wird. Auf Milchverfälschung hat in den meisten Städten die Obrigkeit ein scharfes Auge; aber der Michkunde muß auch nicht allzu vertrauensselig sein und in bedenklichen Zeiten nur gekochte Milch genießen. Die größte Vorsicht ist bei der künstlichen Ernährung kleiner Kinder nöthig, denen irgend eine schädliche Beimischung oder Beschaffenheit der Milch nur zu oft das Leben kostet. Im übrigen sollten Kinder, so lange sie Kinder sind, nichts anderes als Waffer und Milch zu trinken bekommen. Dem Waffer kann in heißer Zeit oder zur Er­frischung für einen Kranken, oder auch, um es im abgekochten Zustande schmackhafter zu machen, ohne schaden Fruchtsaft, Citronensaft, Kohlensäure beigemischt sein. Milch dagegen trinkt man am besten ohne jeden Zusatz

Kaffee, Thee, Cacao, Chokolade haben das mit den alkoholhaltigen Getränken gemein, daß sie die Nerven anregen, Hunger und Kälte weniger fühlbar machen. Ihre Wirkung aber ist viel schwächer und deshalb auch die Gefahr geringer, sie im Uebermaß zu genießen. Allerdings wirkt der Genuß von sehr starkem Kaffee oder Thee schädlich, umsomehr, jemehr er zur Gewohnheit geworden ist. Diese beiden Getränke ent­halten fast gar ikeinen Nahrungsstoff; sie werden nur durch den gebräuchlichen Zusatz von Milch und Zucker etwas nahr­hafter. In Cacao und Chokolade ist dagegen viel Eiweiß, Fett, Stärke enthalten, und in der gewöhnlichen Zubereitung mit Milch und Zucker bilden sie daher mehr ein Nahrungs­mittel als ein bloßes Genußmittel. D- Arb.-Ztg.

GsineinniWges.

F? Glasgeräthe zu feilen. Ein einfaches Mittel be­steht darin, daß man eine Feile in starke Natronlauge und dann noch naß in groben Sand steckt. Mit dieser mit Sand und Natronlauge bedeckten Feile kann man Glasgeräthe in ganz rücksichtsloser Weise bearbeiten, ohne ein Springen des Glases befürchten zu müssen.

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Kitt für zerbrochene Cigarrenspitzen aus Bernstein. Zerbrochene Cigarren- oder Pfeifenspitzen (Mund­stücke) aus Bernstein kann man durch eine syrupdtcke Lösung von hartem Kopal in Schwefeläther zu kitten versuchen. Man reinigt die Bruchstellen von dem anhaftenden Tabaksaft und anderen Unreinigkeiten mit Weingeist unter Anwendung einer Federfahne, bestreicht sie mit obiger Kopallösung, drückt sie mit der Hand fest zusammen oder verbindet sie, wenn thunlich, mit geeigneten Bindemitteln. Da der Aether rasch verdunstet, so muß schnell gearbeitet werden. Etwa austretender Pitt muß, so lange er noch weich ist, vorsichtig abgewischt werden. Nach einigen Tagen ist die Kittung haltbar.

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der

Das Knarren der Schuhe. Das Knarren der Schuhe ist eine Marschmusik, für musikalische Ohren auf keinen Fall angenehm, wenn auch von Manchen vielleicht gesucht. Am besten ist, man verhindert es durch Tränken der Sohlen mit erwärmtem Leinöl, bis nichts mehr einziehen will. Bei hart­näckigem Verbleib dieser Quietschtöne ist das Verfahren zu wiederholen. Im Uebrigen gewinnen die Sohlen dadurch be­sonders an Haltbarkeit.

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Geröstete Griessnppe. Schmalz wird heiß gemacht und Griesmehl darin schön braun geröstet; sodann gießt man unter beständigem Rühren kaltes Wasser oder Fleischbrühe daran, läßt es einige Zeit kochen und zieht es mit einigen Ei­dottern ab.

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Coteletts von Kalbs-, Schweine- oder Hammels- Rippchen. Die Knochen werden abgehauen, die Rippchen stark geklopft und gestreift, mit Pfeffer und Salz eingerieben, zuerst in verklöpperten Eiern, dann in geriebenem Milchbrod oder Paniermehl umgekehrt und in Schmalz langsam und schön gelb gebraten.

Vermischtes.

Irische Aufschneiderei.Hier, meine Herren, sehen Sie das Bildniß meines Großvaters, der keiner Schlacht bei­wohnte, worin er nicht einen Arm oder ein Bein verloren hätte."Und wie viel Schlachten hat er beigewohnt?" Genau gezählt siebenundzwanzig!"

Schlagender Beweis. Collecteur (in's Zimmer stürzend):Herr Maier, Sie hab'« 's große Loos g'wonnen! Schauen S' das Glück!"Gott sei Dank! Endlich weiß ich doch, warum mich die Leut' mein ganzes Leben lang für so an saudummen Kerl gehalten haben."

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Wo sonst?Sie haben doch so viel Geld, Herr Schlem­mer, auf welcher Bank legen Sie denn Ihre Ersparnisse an?" Fragen S' doch net so! Auf der Bierbank!"

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Bescheiden. Ausrufer:Hier ist das große Rhinozeros zu sehen. Nur zehn Pfennige für die Person." Schuster­junge:Lassen Sie mir for fünf Pfennig'rinn, ich kiek et bloß mit een Doge an."

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Der verkannte Dichter. Fräulein (zum Buchhänd­ler):Bitte, könnte ich vielleicht eine gute deutsche Uebersetzung von Jean Paul haben?"

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Im Wohlthätigkeitsconcert. Herr (gähnend): Ja, die Armen, die haben's gut; die brauchen nicht hier zu sein!"

Passender Nebenberuf. Bergführer:Meine Herren, wir kommen jetzt an eine äußerst gefährliche Stelle; hier müssen Sie sehr vorsichtig sein, da hier schon wiederholt Leute abgestürzt sind. Ich benutze diesen Anlaß, Ihnen hier meine Prospecte vorher zur Durchsicht zu übergeben denn ich bin auch nebenbei noch Agent einer Lebensversicherungs- Gesellschaft!"

In der Sommersaison. A.:Sie sind seit einigen Wochen nicht auf der Stammkneipe gewesen! Haben wohl Badereise gemacht?" Rittmeister:Offen gestanden blos markirt!"

ühl'schen Druckerei (Fr. Chr. Pietsch) in Gießen.